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Werden wir für dumm verkauft?

Zur geplanten Schliessung des Bahnhofs Weissenbach und der Haltestelle Grubenwald sowie zum Fahrplanentwurf 2019 für die Strecke Spiez–Zweisimmen.

Von Anton Ryf

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Vor einigen Wochen war in der SZ zu lesen, der Bahnhof Weissenbach und die Haltestelle Grubenwald würden nach der Inbetriebnahme der neuen Kreuzungsstelle Eifeld geschlossen. Dabei hatte Herr Luginbühl von der BLS (inzwischen pensioniert) an einer Informationsveranstaltung in Boltigen, als es um die Einführung des heutigen «Bahnergänzungsbusses» ging, erklärt, das sei nur vorübergehend so; nach dem Bau der Kreuzungsstelle Eifeld könnten Weissenbach und Grubenwald dann wieder durchgehend mit den Zügen bedient werden. Dasselbe war in diesen Spalten zu lesen, als die Bauarbeiten an der Kreuzungsstelle aufgenommen wurden. Nun steht die Kreuzungsstelle im Eifeld vor der Vollendung und wird auf den Fahrplanwechsel 2019 am 9. Dezember 2018 in Betrieb genommen. Und nun soll es gerade umgekehrt sein? Da stellt man sich schon Fragen, auch die, ob uns Herr Luginbühl seinerzeit ein x für ein u vorgemacht hat, obwohl er es als Bahnfachmann hätte besser wissen müssen…

Seit Montag, 28. Mai ist der Fahrplanentwurf für 2019 nun öffentlich zugänglich, und jedermann und jede Frau kann dazu Stellung nehmen (vgl. dazu fahrplanentwurf.ch, Linie 320 anklicken). Bestätigt ist, dass in Weissenbach und Grubenwald keine Züge mehr halten. Man kann auch erkennen, dass sich die Fahrzeit der Regiozüge («R»), dadurch dass sie im Eifeld die Regioexpress-Züge («RE») kreuzen, aber in Wimmis natürlich auch anhalten, in beiden Richtungen verlängert und die Zeit nicht mehr für die Bedienung aller Haltepunkte reicht. Dies ist auch die offizielle Begründung für die Aufhebung der Haltepunkte Weissenbach und Grubenwald. Eine Verbesserung der Situation wird allenfalls möglich, wenn der Bahnhof Erlenbach ausgebaut ist und die Züge dort aus beiden Richtungen gleichzeitig einfahren können, fraglos ein sehr dringendes Vorhaben. Momentan braucht das Kreuzen dort viel Zeit, und die Situation für Reisende ist völlig unbefriedigend.

Davon abgesehen bringt der neue Fahrplan für Reisende auch Vorteile, so etwa, dass alle Züge zwischen Spiez und Zweisimmen durchgehend im exakt gleichen Takt verkehren; nur im Spätverkehr ab 21.00 Uhr bleiben die Abweichungen wie bisher bestehen.

Vorbehalte sind aber dennoch angebracht, so namentlich der Umstand, dass die Übergangszeiten vom Fernverkehr auf die Simmentaler-RE in Spiez mit der Minimalzeit von vier Minuten in beiden Richtungen sehr knapp bemessen sind. Schon kleine Abweichungen führen da zu Verspätungen der Anschlusszüge oder gar zu Anschlussbrüchen. Ob die Züge im Eifeld unter diesem Gesichtspunkt immer pünktlich kreuzen werden, ist vorläufig also noch eine offene Frage.

Sogar der nun auf der Strecke Boltigen–Zweisimmen vorgesehene «Bahnersatzbus» ist nicht nur schlechter als der heute verkehrende «Ergänzungsbus». Für Pendlerinnen und Pendler Richtung Thun und Bern ist er mit den Frühkursen eindeutig besser und Richtung Zweisimmen ist er für Schülerinnen und Schüler aus Grubenwald und Mannried auch ein Schulbus. Beides ist durchaus sinnvoll, damit die bisher miserablen Frequenzen etwas besser werden. Andernfalls könnte nämlich der Bus auch einmal ganz verschwinden. Positiv ist ferner zu vermerken, dass der Bus auch am Samstag verkehren soll (mit anderem Fahrplan). Dennoch sind kritische Bemerkungen, zumal für einen direkt betroffenen Nichtautofahrer, leider sehr angebracht:

Es gibt nach wie vor acht Kurspaare. Durch deren andere Verteilung über den Tag entstehen Montag bis Freitag grosse Fahrplanlücken (am Vormittag mehr als vier Stunden, am Nachmittag mehr als drei Stunden). Am Samstag ist dies besser, ähnlich wie heute von Montag bis Freitag.

Am Sonntag ist nichts geplant und das im «Wanderland Simmental»! Für Wanderer dauert der Fussmarsch Boltigen–Zweisimmen mindestens drei Stunden, da wären manche schon froh, unterwegs auf den öffentlichen Verkehr zu wechseln, wie das im übrigen Simmental überall möglich ist. Da gibt es ja z. B. den Obersimmentaler Hausweg Boltigen–Weissenbach–Beret–Grubenwald–Zweisimmen (–Lenk), der von der BLS mitfinanziert worden ist. Der ÖV-freie Sonntag ist für mich ganz klar ein «No go».

Am Abend ab 19.00 Uhr ist nichts vorgesehen. Ich begreife natürlich, dass man da nicht einen, dann meist leeren, Bus zirkulieren lassen kann. Aber ich bin nicht der Einzige hier, der nach einem Konzert/Theater in Bern oder in Zweisimmen oder einer anderen auswärtigen Tätigkeit gerne noch mit dem ÖV nach Hause käme. Dafür schlage ich eine Variante vor, die (fast) nichts kostet und keine zusätzlichen Investitionen erfordert, nämlich für die drei letzten Züge (vier an Freitagen und Samstagen) für Grubenwald und Weissenbach in beiden Richtungen ein «Halt auf Verlangen und nur zum Aussteigen» vorzusehen. Die «Spitzkehre» in Zweisimmen ist um diese Zeit ja entschärft, so dass es keine Fahrplanprobleme geben sollte. Über die Modalitäten (z. B. Meldung beim Zugpersonal vor Abfahrt in Spiez bzw. Zweisimmen) könnte man sich bestimmt einigen.

Ich bin mir bewusst, dass es viele Ortschaften im Kanton Bern und der übrigen Schweiz gibt, die bezüglich ÖV noch viel schlechter dastehen als wir gegenwärtig und in Zukunft mit dem neuen Fahrplan. Aber man muss auch sehen, dass hier bis vor wenigen Jahren alle «R» täglich ungefähr im Stundentakt angehalten haben (in Grubenwald auf Verlangen); damit waren alle zufrieden. Seither ist es nur schlechter geworden – und gleichzeitig viel teurer: Denn ein Bus, wie er heute zirkuliert, kostet pro Einsatzstunde etwa 90 Franken, auch wenn ausser dem Chauffeur niemand drin ist. Die «guten alten Zeiten» waren also für einmal nicht nur besser, sondern auch billiger… , Weissenbach

(bis Nov. 2017 Präs. IG ÖV Bern)

Erstellt am: 31.05.2018

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