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Lenk-Simmental Tourismus

Interview mit Albert Kruker zum ÖV inklusive

Am 13. Juni 2017 befinden die Lenker Stimmbürger an der Gemeindeversammlung unter anderem über das geplante FIT2020-Projekt zur Verbesserung der ÖV-Situation. Das Interview mit Lenk-Simmental-Tourismus-Direktor Albert Kruker verrät mehr über das Geschäft.

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Bereits ab dem 1. Juli 2017 soll der Busverkehr an der Lenk für die Gäste aus dem Simmental sowie die Einheimischen an der Lenk gratis sein. Nachstehend einige Antworten von Albert Kruker:

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen und welche Ziele werden damit verfolgt? Die Tourismusverantwortlichen an der Lenk stellen schon seit längerer Zeit fest, dass die Gäste vermehrt erwarten, den Ortsverkehr gratis benützen zu können. In anderen Schweizer Tourismusdestinationen und im nahen Ausland gehört das bereits zum Standard. Als vom Tourismus geprägte Region wollen wir hier den Anschluss nicht verlieren und mit der «Simmental Card» konkurrenzfähig bleiben. Ausserdem sind wir davon überzeugt, dass durch das Gratis-ÖV-Angebot der motorisierte Individualverkehr abnimmt, was den Dorfkern entlastet und ihn aufwertet.

Welche Leistungen umfasst die Simmental Card? Die Simmental Card ermöglicht die kostenlose Fahrt mit den Buslinien Bühlberg, Simmenfälle, Iffigenalp, Reka-Linie und Skibus über das ganze Jahr hindurch.

Wer profitiert von der Simmental Card? Die Simmental Card erhalten Gäste in Hotels und Ferienhäusern bereits ab einer Übernachtung von ihren Gastgebern. Hotels drucken ihren Gästen eine persönliche Karte aus. Ferienhausbesitzer erhalten sie zusammen mit der Kurtaxenrechnung anfangs Jahr auf ihre Wohnung oder Haus ausgestellt.

Und die Einheimischen? An der Gemeindeversammlung vom 13. Juni beantragt der Gemeinderat Lenk, einen jährlich wiederkehrenden Beitrag über 105 000 Franken anzunehmen. Wenn dieser angenommen wird, erhalten auch die Lenker Bürger die Simmental Card und können das Angebot kostenlos nutzen.

Warum ist die Laubbärgli-Linie nicht eingeschlossen und wie lange gilt die Simmental Card? Die Integration der Laubbärgli-Linie ist derzeit nicht geplant. Wir haben zwei Gespräche geführt, jedoch keine Lösung gefunden, welche finanzierbar wäre. Bei Ablauf der ersten Vertragsperiode nach 18 Monaten soll jedoch nochmals darüber gesprochen werden. Dafür braucht es aber Erfahrungswerte aus der nun anstehenden ersten Periode bis 31. Dezember 2018.

Ist es nicht etwas gar grosszügig, Gäste und Einheimische während eineinhalb Jahren gratis mobil sein zu lassen? Wer bezahlt das Ganze? Ja, das ist tatsächlich grosszügig. Wenn wir aber unsere Ziele in den Bereichen Konkurrenzfähigkeit, Ausweitung der Sommersaison und die Entlastung des Dorfkerns erreichen wollen – das sind dringende Ziele – müssen wir eine Lösung anstreben. Diese Verbesserung der Aufenthalts- und Wohnqualität kostet natürlich auch etwas. An den Kosten beteiligen sich die Lenk Bergbahnen, die Gemeinde Lenk, die professionellen Beherberger (Hotel, Fewos, Gruppenunterkünfte, Camping), pauschalkurtaxenzahlende Ferienwohnungsbesitzer sowie Lenk-Simmental Tourismus. Die «Simmental Card» ist also breit abgestützt.

Stichwort «breit abgestützt»: Stimmt es, dass Übernachtungsgäste aus der ganzen Region Lenk-Simmental profitieren, also auch aus St. Stephan und dem unteren Simmental? Ja, Übernachtungsgäste aus der ganzen Region Lenk-Simmental profitieren. Den Gästen gegenüber ist es wichtig, diese Offenheit entgegenzubringen, zumal die Tourismusorganisation Lenk-Simmental durch alle sechs Gemeinden gemeinsam getragen wird, dadurch haben sie bzw. deren Gäste auch Anrecht auf dieses Angebot. Die Gemeinden im Simmental tragen auch Lasten von der Lenk, welche man oftmals vergisst. Beispiele dafür sind die Renovation des Aussenbades Wallbach oder auch der Verkehr durchs Simmental. Viel wichtiger ist aber das Signal dem Gast gegenüber, der vom restlichen Simmental hoffentlich auch mal an der Lenk vorbeikommt.

Was kostet das Projekt und wer finanziert es? Lenk-Simmental Tourismus trägt aus dem bestehenden Budget 20 Prozent zur Grundfinanzierung an den Bus bei. Dieser Betrag wurde frei, da Lenk-Simmental Tourismus keinen Standortbeitrag mehr an «Das Zelt» zahlen muss. Das macht rund 105 000 Franken aus. Die restlichen Kosten tragen zu je 20Prozent die Lenk Bergbahnen für den Zubringer zu ihren Stationen, die Gemeinde Lenk für ihre Einheimischen, die professionellen Beherberger an der Lenk und die pauschalkurtaxenzahlenden Ferienwohnungsbesitzer an der Lenk. Wir rechnen mit einem jährlichen Aufwand von 525 000 Franken.

Dann profitieren die Gäste aus dem Simmental also von den Lenker Geldgebern? Die finanziellen Verhältnisse sind so, dass das restliche Simmental von den erwarteten Beförderungen weder finanziell noch von den Kapazitäten her ins Gewicht fällt. Der Anteil der zusätzlichen Beförderungen beträgt gemäss Studie knapp 5Prozent der totalen Zunahme. Dabei ist Lenk-Simmental Tourismus derzeit zu über 8Prozent von den restlichen Gemeinden mitfinanziert.

Was bedeutet diese Finanzierung für die Höhe des Gemeindebeitrags und der Kurtaxen? An der Gemeindeversammlung veranschlagen wir für das Geschäft eine Erhöhung des bisherigen Beitrags an den ÖV von 74 000 Franken (Gemeinderechnung 2016) auf 105 000 Franken.

Die pauschalen Kurtaxen an der Lenk pro Wohnungskategorie erhöhen sich um 10 Prozent, die Einzelkurtaxe in den Hotels und bewirtschafteten Ferienwohnungen steigt von 3.30 auf 4 Franken, bei den Gästen in Gruppenunterkünften, Alphütten und auf Campingplätzen von 2.10 auf 2.50 Franken. Gäste im Alter von 6–16 Jahren zahlen wie bisher den halben Ansatz.

Was wünschen Sie sich für die Abstimmung? Dass es eine konstruktive Debatte im Vorfeld und während der Gemeindeversammlung gibt. Wir treten gerne in den Dialog mit der Bevölkerung, um Unklarheiten und offene Fragen klären und beantworten zu dürfen.

Erstellt am: 08.06.2017

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