Zweitage-Marsch Jubiläum (1. Teil)
50. Schweizerischer Winter-Gebirgs-Skilauf
Die rund 500 Teilnehmenden am Schweizerischen Winter-Gebirgs-Skilauf gehen am zweiten Märzwochenende auf die 50. Jubiläums-Skitour. Mit dem Festakt, diesmal in der Kirche Lenk, wird am Samstag der 50. Zweitägeler gebührend gefeiert.
Auch zum 50. Zweitägeler werden die Skier in Obegg Richtung Sparenmoos angeschnallt. Das Marschtenue passt sich den eigenen Ausrüstungsvorschriften an, denn Marschkleider werden keine mehr abgegeben.
Auf dem Festprogramm zum Jubiläums-Hauptverlesen stehen Musik, Film, kurze Festreden und die Übergabe der Standarten und Spezialauszeichnungen. Im OK von Oberstlt Rolf Matti laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Drei ehemalige Zweitägeler-Kommandanten haben sich an frühere Begebenheiten und Erlebnisse erinnert. So hat Oberst Bruno Fuss (1976 bis 1980) als Nachfolger des verstorbenen Gründers Hauptmann Ernst Matti für den militärischen Anlass ein undenkbarer Marschbefehl durchgesetzt.
«Seit 1980 ohne Ordonanzwaffen»
Oberst Bruno Fuss berichtet dazu Nachfolgendes: Zuerst möchte ich an das damalige sicherheitspolitische Umfeld erinnern: Zu dieser Zeit hatte die Schweizer Armee einen allseits anerkannten Feind. Die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland stand noch. Der Fall von Brigadier Jeanmaire erschütterte in den 70er-Jahren die Schweizer Bevölkerung. Das Militär hatte im Volk nach meiner Beurteilung einen relativ hohen Stellenwert.
Aus diesen Gründen war damals ein Militäranlass ohne Ordonnanzwaffen praktisch unvorstellbar. Auch an unserem Lauf marschierten die Angehörigen des Militärs mit ihrer Ordonnanzwaffe. Wenn aber ca. 700 Armeeangehörige an der Lenk in den Barackenlagern übernachteten, gab es zusehends ein Sicherheitsproblem, das nur schwer mit einem vertretbaren Aufwand gelöst werden konnte. Das OK erkannte das Problem und wollte rasch eine Lösung. Die verschiedenen Meinungen konnten divergierender nicht sein. Das sicherheitspolitische Umfeld entsprach, wie eingangs geschildert, nicht der heutigen Situation. Als das Thema 1979 am Patrouillenführerrapport an der Lenk zur Sprache kam, sagte der damalige Streckenchef Adj Uof Emil Buchs: «Ja, da braucht ihr wirklich keine Angst zu haben, wir befinden uns hier an der Lenk und da geschieht nichts Ungerechtes». Im gleichen Jahr fragte ich auf dem Leiterli den Ausbildungschef der Armee, Herrn Korpskommandant H. Wildbolz, Präsident des Patronatskomitees, wie seine Meinung zu diesem Thema sei. Er legte seinen Arm über meine Schulter (wie einem alten Kollegen) und sagte zu mir: «Herr Oberleutnant, das ist ihr Anlass, der ist in ihrer Verantwortung, definieren sie klare Tenue- und Gepäckvorschriften, hören sie nicht auf die Militärköpfe links und rechts und fällen sie eine Entscheidung». Das haben wir gemacht, und seit 1980 müssen die Angehörigen der Armee an diesem Anlass keine Ordonnanzwaffe mehr mitnehmen. Die sportliche Leistung und der Teamgeist haben darunter in keiner Art und Weise gelitten.
Unvergessen sind für mich auch folgende zwei Episoden:
Einen Tag vor dem Anlass deponierten wir jeweils mit dem Helikopter Sanitätsmaterial an den neuralgischen Stellen. Da die Route entlang dem Gantlauenengrat zum Rinderberg führte, fragte ich den Heli-Piloten, ob wir diese Stelle etwas genauer anschauen könnten. Zu dieser Zeit war an diesem Grat eine relativ grosse Schneewechte und ich hatte Bedenken, dass sich einzelne Gruppen zu weit an den Rand der Wechte begeben könnten und diese allenfalls abbrechen könnte! Der Pilot flog auf den äusseren Rand der Wechte zu und setzte dann seinen Heli relativ unsanft auf dieser ab. Diesen Vorgang wiederholte er einige Male an verschiedenen Stellen. Am Schluss kam sein trockener Kommentar: «Die hält». Dass ich mich bei diesem Manöver nicht besonders wohl gefühlt habe, muss ich wohl nicht speziell erwähnen.
Der Frauen-Start war jeweils die grosse Stunde von Hans Giger. Da fühlte er sich in seinem Element, umgeben von so viel Charme und Schönheit. Ich weiss nicht mehr in welchem Jahr es war, aber: Infolge Schneemangel wurde an der letzten Sitzung der Start der Frauen nach oben verschoben, damit die Damen die Skier nicht so weit tragen mussten. Die Militärfahrer erhielten den entsprechenden Auftrag. Der Chef Damen-Start hingegen war an der Sitzung, an welcher dieser Entscheid fiel, nicht anwesend und niemand bemerkte seine Absenz. So kam es, wie es kommen musste: Am ursprünglich geplanten Damen-Start stand nur der Startchef, und die Damen fuhren mit den Militärfahrzeugen an ihm vorbei. Da unsere Damen schon damals selbständig waren, starteten sie am Ausweichstartort ohne Startchef. Und wenn sich nicht am Abend ein erzürnter Startchef Damen beim OK-Präsidenten gemeldet hätte, wäre der Vorfall wohl gänzlich unbemerkt geblieben.
Als mich der Gründer des Winter-Gebirgsskilaufes und damalige OK-Präsident Hptm Ernst Matti anfragte, ob ich bereit wäre mich als Vizepräsident zur Verfügung zu stellen, um in ein paar Jahren das OK zu übernehmen, sagte ich ihm nach einer kurzen Bedenkzeit zu. Rückblickend habe ich diesen Entscheid nie bereut. Während dieser Zeit lernte ich eine Vielzahl guter Kameraden kennen und schätzen, die ohne grosses Aufsehen, aber mit enormem Pflichtbewusstsein ihre Aufgabe ehrenamtlich wahrgenommen haben; ihnen gilt mein besonderer Dank. Bruno Fuss und Fritz Leuzinger
Oberst Bruno Fuss, OK-Präsident von 1976 bis 1980.