Akuter Wasser- und auch Futtermangel auch auf den Simmentaler Alpen
Während ich diesen Bericht schreibe, beginnt es seit längerer Zeit wieder einmal zu regnen. Ein Aufatmen für Mensch und Tier und Natur. Wenigstens das – aber hoffentlich nicht nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
Simmentaler Vieh am Saufen in trockener Umgebung: Die Alp Obergestele liegt auf dem Gemeindegebiet von Zweisimmen im Dreieck mit Boltigen und Diemtigen.
Die Bäche sind trocken oder nur noch Rinnsale. Die Matten und Alpweiden braun und dürr! Quellen und Brunnen ausgetrocknet. Das geht an die Substanz. Vielerorts sind Direktbetroffene am Limit. Europaweit herrscht bekanntlich grosse Trockenheit. Bauern und Älplerfamilien kommen je länger je mehr ans Limit. Und leiden unter Existenzängsten.
Politik und Verwerter sind gefordert. Sofortmassnahmen werden gefordert. Und sind dringend nötig! Wo Wasser und Futter fehlt, werden Tiere frühzeitig auf die Talbetriebe zurückgebracht. Aber auch da fehlt vielerorts das Futter. Und es muss auf Winterfütterung umgestellt werden.
Im Niedersimmental/Diemtigtal sind auf verschiedenen Alpen Tiere abgezügelt worden. Auch Schafalpen – fehlt doch auch da über Wochen das nächtliche Tau.
Was ist zu tun
Verschiedene Sofortmassnahmen werden diskutiert und ins Auge gefasst. Aber es hilft nichts, Direktzahlungen früher auszuzahlen oder Zahlungsaufschübe zu gewähren. Dringender wäre, über das Produkt zu helfen. Der Milchpreis muss dringend und rückwirkend um mindestens 10 Rappen erhöht werden. Egal ob «eingefroren oder nicht». Futterzukäufe müssen ermöglicht und vergünstigt werden. Es hilft nichts, wenn allzu viele Tiere der Schlachtbank zugeführt werden. Diese werden früher oder später fehlen.
Im Futterbau werden Übersaaten und Neuansaaten nötig sein. Diese sollten vergünstigt werden. Und die wegen der Trockenheit nicht ausgebrachten Dünger mit späteren sinnvollen Gaben zu bewilligen. Bei Gemüse und Ackerprodukten sind bei der Annahme zur Veredelung besondere der Krisensituation entsprechende Massnahmen zu treffen. Der Konsument wird dies, wenn es richtig gemacht wird, honorieren.
Wald und Umwelt
Auch hier sind Auswirkungen der Trockenheit ersichtlich. Mit einem Blick zum Fenster hinaus sieht man gelbe oder gar dürre Blätter an den Laubbäumen. Vor allem Buchenwälder stehen so da, wie es im November üblich ist. Hoffentlich gehen die Bäume, um sich zu schützen, nur vorzeitig in die Winterruhe. Und verdorren nicht total. Denn die Laubhölzer sind wichtige Baumarten im Schutzwald. Aber auch die Fichten leiden extrem. Und ein Aufkommen des Borkenkäfers ist ersichtlich. Lamentieren und unsachliche Schuldzuweisungen helfen nichts! Jetzt gilt’s, zu handeln.
Toni Bühler aus Mannried füllt täglich 2000 Liter Wasser an sechs verschiedenen «Trechistellen» für das Vieh ein.