Die Saanenmöserstrasse wird umfassend saniert:
Das Ende der Flickarbeiten – Der Beginn der Totalsanierung
Die andauernden Flickarbeiten waren teuer und lösten die Probleme Saanenmöser-Passstrasse nicht: Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute und in den 40er und 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts erstmals erneuerte Strassenteilstück zwischen Zweisimmen und Saanenmöser muss von Grund auf saniert werden. Die Massnahmen drängen sich auf, weil die Entwässerung in diesem Rutschgebiet (Moos) problematisch ist und weil die Strasse wenig bis keine Bankette aufweist. Mit einem Kostenaufwand von 35 Millionen Franken soll die Strasse in den nächsten zehn Jahren für die kommenden 80 Jahre flottgemacht werden.
Startschuss am ehemaligen Wegmeister-Werkhof in Mosenried: Die Herren Bruno Kohler, Projektleiter Implenia; Jürg Zingg, Projektleiter TBA Kanton Bern, Jürg Trachsel (Implenia) und Richard Spalinger, örtlicher Bauleiter Theiler Ingenieure, Zweisimmen stehen vor grossen Herausforderungen.
Für die ersten vier Etappen in den Jahren 2014–2016 (Mosenried-Reichenstein) sind die Kredite genehmigt. Wenn 2015 die Etappe Mosenried-Stryfelersweidli in Angriff genommen wird, soll talseits ein Fussgängersteg angebracht werden. Dieses Postulat fordert die Gemeinde Zweisimmen um den Schul- und den Wanderweg sicherer zu machen. Für die Deponie des Aushubmaterials konnte mit Familie Richard Ueltschi im Pörtsli eine gute Lösung gefunden werden: Das Material dient der Bodenverbesserung und ermöglicht den Bau einer besseren Zufahrt zum Haus. Zwischen 2017 und 2022 plant der Kanton, auch die Erneuerung des Abschnitts Reichenstein-Saanenmöser.
Zuerst die talseitige Hälfte
Nach der Erteilung der Baubewilligung und dem erfolgreichen Abschluss des Landwerbs (mehrere tausend Quadratmeter), konnte in den letzten Tagen mit dem Abbruch des alten Wegmeister-Werkhofs im Mosenried das Startzeichen gesetzt werden. Schon zuvor wurden - angesichts des Zeitdrucks zum Teil in Nachtübungen - die notwendigen Rodungen vorgenommen. Nun setzen die Bauarbeiten für das erste Teilstück, dem 630 Meter langen «Wellblech»-Abschnitt zwischen Stryfelersweidli (oberhalb von Mosenried) und Riedli, ein. Gestern Donnerstag informierten Projektleiter Jürg Zingg (Tiefbauamt des Kantons Bern), Strasseninspektor Markus Siegrist und Bauleiter Richard Spalinger (Theiler Ingenieure Zweisimmen) über die geplanten Massnahmen. Den Verantwortlichen ist es ein Anliegen, dass die Verkehrsstörungen möglichst gering gehalten werden können. Die Strasse wird deshalb jeweils «halbseitig» erneuert: Zuerst werden jeweils auf der Talseite Stützmauern gebaut und der Strassenkörper erneuert, danach folgt die Instandsetzung der bergseitigen Strassenhälfte. Um die Behinderungen gering zu halten, muss die Baustelle mit nur einer Fahrbahn auskommen.
Neue Entwässerung soll weitere Schäden minimieren
Nebst dem Alter und der zunehmenden Belastung durch den Verkehr verursachen die besonderen geologischen Verhältnisse Schäden. Der ganze Hang gleitet einige Millimeter pro Jahr auf der darunterliegenden Felsdecke talwärts. Da der Gleitvorgang je nach Hangwasser unregelmässig ausfällt, ergeben sich Verformungen der Strasse bis hin zu Rutschungen. Die Strasse soll mit identischer Strassenbreite, aber etwas breiteren Banketten praktisch neu aufgebaut werden. Einerseits werden unter der Strasse Drainagerohre horizontal in den Hang gebohrt, um das Hangwasser und damit die Gleitbewegung zu reduzieren. Andererseits wird das Hangwasser über eine neue, kombinierte Strassenentwässerung mit Sickerleitung abgeführt. Strassenkoffer und Belag werden ausgewechselt und die hangseitigen Natursteinmauern ausgebessert. Stellenweise sind Felssicherungsarbeiten notwendig.
Eine Fahrbahn bleibt immer offen
Die Arbeiten an der ersten Bauetappe dauern (je nach Witterung) bis spätestens Mitte Dezember 2013. Der Einbau des Deckbelags folgt voraussichtlich im Mai 2014. Die Kantonsstrasse bleibt für den Verkehr geöffnet. Der Verkehr wird einspurig und mit Ampeln an der Baustelle vorbeigeführt. Dank der Aufteilung in kürzere Etappen können die Verkehrsbehinderungen gering gehalten werden. Insgesamt sollte sich die Reisezeit zwischen Saanenmöser und Zweisimmen nur um wenige Minuten verlängern. Mit Verkehrsunterbrüchen ist nur ausnahmsweise und für kurze Zeit zu rechnen. Den Verantwortlichen liegt viel an einer gezielten Information: Mittels Flyern und Internetauftritt wird die Bevölkerung zusätzlich und detailliert auf dem Laufenden gehalten.
Projektleiter Jürg Zingg erläutert das Bauprojekt für den Ausbau der Saanenmöserstrasse.