Obersimmentaler und Saaner Waldbesitzer in Lenk

Die Holzzertifizierung und der Hirsch machen Sorgen

In den Wäldern der Obersimmentaler und Saaner Waldbesitzer gibt es mehr Hirsche, der Wildschaden hält sich noch in Grenzen. Kein Berner Waldzertifikat für die Holzvermarktung, es genügt das Label «Schweizer Holz».

Die Waldbesitzer im Verein Obersimmental-Saanen tagten an der Lenk. Den Waldbesitzern und Förstern aus den beiden Talschaften gaben als Gastreferenten Oberförsterin Eveline Coleman von der Waldabteilung 2 und Geschäftsführer Stefan Flückiger des Berner Holzförderungsfonds (BHFF) die Ehre. In Vertretung des Präsidenten Christian Linder, Gsteig (Spitalaufenthalt) führte Vizepräsident Robert Treuthardt aus Boltigen durch die Traktanden.

Beiträge erhöht

Kassier Walter Perren musste eine leicht defizitäre Rechnung vorlegen. Das Vermögen beträgt um die 60000 Franken. Die Waldbesitzer wollen ein kleines, finanzielles Polster um Überraschungen in der Waldwirtschaft entgegen wirken zu können. Mit leichtem Murren erhöhten die Anwesenden den Mitgliederbeitrag von 15 auf 25 Franken. Auch die Vorstandsentschädigungen entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Daher wurden die Tagesansätze für die Vorstandsmitglieder entsprechend angehoben.

«Schweizer Holz» genügt!

Die Berner Waldeigentümer sind über die regionalen Vereine im Verband Berner Waldbesitzer (BWB) organisiert. Der BWB vertritt die Interessen von 34000 Waldeigentümern im Kanton Bern mit rund 175000 Hektaren Berner Wald. Als Geschäftsführer des Berner Holzförderungsfonds (BHFF) tut sich Stefan Flückiger mit dem Thema Waldzertifizierung schwer: «Die Schweiz hat das strengste Waldgesetz der Welt und die strengsten Zertifizierungsvorschriften. Die gezielte Nachfrage nach zertifizierten Holz ist nur etwa ein Viertel der Produktionsmenge, die Kosten im Vergleich zum Nutzen stehen nicht in einem akzeptablen Verhältnis.» Im BWB herrscht keine Zwangszertifizierung. Es besteht die Möglichkeit zu kostengünstigeren und effizienteren Zertifizierungsformen. Die Holzvermarktungsorganisationen und die Forstverwaltungen empfehlen allen Waldbesitzern und Förstern ihr Holz «unzertifiziert» zu verkaufen. Das Zertifikat soll nur ausgehändigt werden, wenn ein Kunde dies ausdrücklich wünscht und dieser auch zu einer angemessenen finanziellen Abgeltung bereit ist. Das Herkunftslabel «Schweizer Holz» ist nach dem BHFF-Geschäftsführer genügend.

Hirsch macht sich bemerkbar

Eveline Coleman blickte als leitende Oberförsterin der Waldabteilung 2 auf das vergangene Waldjahr zurück. Für Schutzwaldprojekte wurden Beiträge von gut 1,3 Millionen Franken ausgelöst. Im Forstschutz ist eine Zunahme des Borkenkäfers auffallend. Die Käferzahlen in den Fallen verdoppelten sich gegenüber dem Vorjahr. Im laufenden Jahr wird dem Schädling die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt.

Mit grossem Interesse folgten die gegen 30 Waldbesitzer den Ausführungen der Oberförsterin zu den Wildschäden. Das erarbeitete Verhütungskonzept von Wildschäden hat zum Ziel, diese auf ein tragbares Mass zu reduzieren. Die Waldschäden durch Wildverbiss werden jährlich durch den Forstdienst im Rahmen der Schadengutachten registriert. «Die festgestellten Schäden waren in den letzten Jahren durchwegs noch im grünen Bereich also im verträglichen Ausmass», so Oberförsterin Coleman. Der Hirsch machte sich im ganzen Gebiet der Waldabteilung 2 bemerkbar, mit einer Zunahme der Wildschäden ist in den nächsten Jahren zu rechnen.

Holzpreis steigend

Waldbesitzer und Nationalrat Erich von Siebenthal fordert eine Öffnung der Hirschjagd, um das Schadenausmass zu begrenzen. Auch appelliert er an die Waldbesitzer, vermehrt Holz zu schlagen. Zum einen benötigen die Sägereien Holz, zum andern zeige der Holzpreis eine steigende Tendenz. Von Siebenthal erwartet auch von den Sägereibetrieben für das Holz aller Qualitätskategorien eine optimale finanzielle Abgeltung. Fritz Leuzinger