IG Spitalversorgung Simmental-Saanenland

Spitalversorgung: Volkswirtschaftlich kostengünstig statt betriebswirtschaftlich teuer!

Mainstream unserer Gesellschaft

In unserer Gesellschaft werden heute Aussagen wie «kleine Spitäler sind unrentabel und müssen somit geschlossen werden» als ökonomische Hypothese zur Selbstverständlichkeit erhoben und kaum hinterfragt. Sogar von Verantwortungsträgern in Verwaltung und Politik wird solches heute unter der Begründung, das sei der «Mainstream» und dem sei zu folgen, akzeptiert. Nach Meinung der IG ist dies gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern verantwortungslos.

Kosten und Nutzen kleiner Spitäler

Kürzlich wurde auf Anstoss vom Netzwerk «Oberes Emmental» eine Untersuchung über diese Thematik, unter Leitung von Professor Hans Hoppeler von der Universität Bern, veröffentlicht.

Diese Untersuchung kam zu Erkenntnissen, die nach Meinung der IG nicht ad acta gelegt werden dürfen. So hat sich mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass die effektiven Kosten in der Betriebsrechnung eines Spitalbetriebes eben längst nicht alle anfallenden Kosten widerspiegeln. Es fallen volkswirtschaftliche Kosten an, die letztlich alle vom Steuerzahler berappt werden müssen.

Diese Kosten werden jedoch in keiner Spitalrechnung ausgewiesen.

Zudem hat die Auswertung von Daten gezeigt, dass die Fallkosten ab ca. 20 000 Fällen pro Jahr und Spital ansteigen. Der Grund dafür dürfte in der zunehmenden Komplexität grosser Spitalgebilde und der damit verbundenen ineffizienten Strukturen liegen. Im Gegensatz dazu hat sich gezeigt, dass Spitäler zwischen etwa 80 bis 300 Betten die günstigsten Fallkosten aufweisen, wobei aber auch hier die volkswirtschaftlichen Kosten nicht berücksichtigt sind.

Die These, wonach mit Konzentration der Spitalstrukturen kosteneffizient gearbeitet werden könne, stimmt so nicht. Im Gegenteil, je grösser ein Spitalgebilde über einer bestimmten Grenzgrösse liegt, je höher werden die Fallkosten und umso höher fallen die volkswirtschaftlichen Zusatzkosten für die Steuerzahler aus.

Qualitative Bedeutung

Aber auch für die Versorgung einer Region mit Hausärzten ist das Vorhandensein eines peripheren Akutspitals von sehr grosser Bedeutung. Geht ein peripheres Spital verloren, ist damit zu rechnen, dass mittelfristig auch die Hausärzte in der Peripherie fehlen werden.

Zudem ist die Existenz eines peripheren Akutspitals für die Fort- und Weiterbildung von Hausärzten äusserst wichtig, werden doch dadurch lokale Netzwerke aus Spital- und Hausärzten gebildet, die einfach, direkt und effizient miteinander kommunizieren können.

Wird nun ein Element herausgebrochen, fällt auch das Netzwerk auseinander, welches für eine optimale Betreuung der Patienten von entscheidender Bedeutung ist. Dies wiederum führt volkswirtschaftlich zu einem erheblichen Mehraufwand in verschiedener Hinsicht, der in keiner Spitalbetriebsrechnung erscheint.

Fazit

Die IG vertritt entschieden die Ansicht, dass Spitalschliessungen in der Peripherie, welche ausschliesslich auf Betriebsrechnungsdaten der Spitäler basieren, falsch und nicht zielführend sind.

Die Gesamtkosten im Gesundheitswesen werden dadurch beschleunigt steigen. Solche Entscheidungen sollen in Zukunft – entgegen dem heutigen Mainstream – unter Berücksichtigung des volkswirtschaftlichen Endergebnisses gefällt werden. Dieses muss höher gewichtet werden, als das betriebswirtschaftliche Ergebnis. Nur so kann der Verfassungsauftrag vollumfänglich erfüllt werden.

Es ist im Interesse der ganzen Bevölkerung, wenn das Tabu «Zentralisierung, koste es was es wolle» endlich gebrochen wird. Die Durchsetzung der Gesundheitsversorgung muss definitiv als volkswirtschaftliche Aufgabe angegangen werden.

In Einzelfällen haben sich die betriebswirtschaftlichen Betrachtungen den volkswirtschaftlichen zu unterordnen. Ob die Politik die ihr zugewiesene Verantwortung wahrnehmen und diese Herausforderung schaffen wird?