Der Naturpark Diemtigtal besucht den Landschaftspark Binntal
Wenn zwei Wakkerpreis-Träger einander näher kommen
Tunnel sei Dank…
Das einander-näher-kommen wurde den 20 Mitgliedern des Vereins der Freunde des Regionalen Naturparks leicht gemacht. «Das isch ja afang ä Chatzesprung vo Oey-Diemtige ids Wallis», meinte eine gutgelaunte Teilnehmerin am Samstag, 24. Juni 2011, um 9 Uhr, bei der Ankunft in Brig. Von da ging’s mit der Bahn weiter nach Fiesch und mit dem Postauto hinauf nach Ernen, wo Dominique Weissen, Geschäftsführerin des Landschaftsparks Binntal und Irene Claussen, Tourismuskoordinatorin die Schar begrüsste.
Die Gemeinde Ernen liegt im Goms auf der linken Seite des obern Rhonetals. Ihr Territorium besteht seit der Fusion vom Frühjahr 2005 aus den früheren Gemeinden Ausserbinn, Ernen, Mühlebach und Steinhaus. Die frühere Gemeinde Ernen selber, zu der seit 1872 auch der Weiler Niederernen gehörte, zählte Ende 2000 ca. 400 Einwohner. Ernen ist ein zentraler Ort des geplanten regionalen Naturparks Binntal, der hier Landschaftspark Binntal heisst.
Eine Exkursion durch das Dorf Ernen (Wakkerpreis 1979) bildete den Auftakt zu diesem spannenden und interessanten Tag im Binntal. Irene Clausen verstand es trefflich, den Besuchenden die besonders schönen und gut erhaltenen Walliserhäuser und Stadel und deren Funktion näher zu bringen. Sehenswert sind aber besonders auch die 1510 bis 1518 erbaute Kirche St. Georg, die Kapelle Maria Hilf (1690–1709) sowie im Ortsteil Niederernen die 1684 erbaute Kapelle des heiligen Antonius von Padua.
Ernen – ein Bijou von einem Walliserdorf
Ernen erhielt 1979 den Henry-Louis-Wakker Preis als Auszeichnung für das besonders schöne und gut erhaltene Dorfbild, (was die Diemtigtaler gerne hörten, denn auch sie gehören ja bekanntlich mit Diemtigen seit 1986 zum «Club» der Wakkerpreis-Träger.) Schöne Beispiele für den bauhistorischen Reichtum der Gemeinde Ernen sind ausserdem so markante Gebäude, wie das Rathaus (1762), das Tellenhaus (1578), das Kapuzinerhaus (1511), das Schulhaus (1538), das Mathäus-Schiner-Haus (1603), das St.-Georg-Haus (1629) und das Sigristen-Jost-Haus (1580).
Cholera und Mundär Safranrissotto-mmmh…!
Nach dem Apéro mit, ja klar, Fendant und Hobelkäse auf dem schönen Dorfplatz und der Besichtigung des Rathauses, wo einst die Missetäter vorgeführt, abgeurteilt und unten im Keller eingekerkert wurden, führte Irenen Clausen die Besuchenden aus dem Diemtigtal mit dem Postauto nach Binn. Dort, im historischen Hotel «Ofenhorn» war das typische Mittagessen parat: Cholera mit Lauchsalat mit Mundär Safranrisotto. «Unmöglich» im Binntal zu Gast zu sein, ohne «Cholera» genossen zu haben!
Wanderung entlang der Twingischlucht
Viel zu erfahren gab es für die Freunde des Diemtigtaler Naturparks auf der anschliessenden Wanderung entlang der «Twingischlucht» bis zum Tunneleingang, dessen Röhre von zwei Kilometer Länge die ganzjährige motorisierte Erschliessung des Binntal erst im Jahr 1965 ermöglichte.
Tunnel auf der alten Verbindungsstrasse
Eine Verbindung von Ernen nach Binn muss es schon im 14. Jahrhundert gegeben haben. Ob es sich dabei um jene unterhalb der heutigen Strasse gehandelt hat, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Der Weg durch die Twingi war im Winter oft lebensgefährlich. Bis zum Bau des Tunnels zwischen Ausserbinn und Binn im Jahr 1965 war das Binntal im Winter über Wochen von der Aussenwelt abgeschnitten. Lawinen und Steinschläge gingen in der Twingi-Schlucht nieder und verschütteten oft die einzige befahrbare Strasse. Seit nun das einst autarke Dorf mit dem Tunnel eine wintersichere Zufahrt besitzt, bietet der alte Weg den Velofahrern und Fussgängern ein spektakuläres Landschaftserlebnis. Mit seinen Tunnels, den Stütz- und Begrenzungsmauern stellt er ein eindrückliches Baudenkmal aus dieser Zeit dar. Um in den tief eingeschnittenen Gräben den Bau von Brücken zu vermeiden, wurden die Bäche in Wasserdurchlässen unter der Strasse durchgeführt und Felsrücken mit Tunnels durchfahren.
Bevor die Reisegruppe den Heimweg mit Postauto und Bahn in Angriff nahm, überraschten die Gastgeber die Diemtigtaler noch mit einem «Schpiissack» mit Walliserbrot und einer gleichnamigen Trockenwurst. Dazu gab es öppis z’Trinke und – was den sonst – sonnengereiften und frisch geerntete Aprikosen…
Die Diemtigtaler verdankten diese Überraschung mit grossem Applaus und mit der Versicherung, dass die Akteure des befreundeten Landschaftsparks Binntal herzlich zu einem Gegenbesuch eingeladen seien. Christian Germann, Verein Freunde des Naturparks Diemtigtal; Ueli Sahli, Geschäftsführer Naturpark Diemtigtal
Der Tunnel