Wasserstrategie des Kantons Bern
Zusammenfassung
1. Ausgangslage
Das Thema «Wasser» gewinnt an Bedeutung. Auf der einen Seite steigt der Druck auf das Wasser als nutzbare Ressource, auf der anderen Seite ist Wasser Lebensraum für Tiere und Pflanzen und Erholungsraum für den Menschen. Im Spannungsfeld zwischen den wachsenden Nutzungsansprüchen und dem Schutz dieser wichtigsten der natürlichen Ressourcen ist der Kanton gefordert. Instrumente für transparente Güterabwägungen im Sinne der nachhaltigen Entwicklung sind gefragt.
Im Frühjahr 2009 hat der Grosse Rat den Regierungsrat beauftragt, eine kantonale Wasserstrategie auszuarbeiten. Die Strategie hat zum Ziel, die verschiedenen Ansprüche, die an das Wasser gestellt werden, bestmöglich aufeinander abzustimmen. Sie gliedert sich in folgende drei Teilstrategien:
– Die Teilstrategie «Wasserversorgung» behandelt die Versorgung der Konsumenten mit Trink-, Brauch- und Löschwasser.
– Die Teilstrategie «Wassernutzung» behandelt schwerpunktmässig die Nutzung des Wassers zur Erzeugung von Energie.
– Die Teilstrategie «Sachplan Siedlungsentwässerung VOKOS» wurde gemeinsam mit dem Kanton Solothurn bearbeitet und setzt sich schwerpunktmässig mit der Entstehung, Sammlung, Ableitung und Reinigung von Abwasser auseinander. Sie stützt sich auf ein Gewässermonitoring, das den aktuellen Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers aufzeigt.
Erarbeitet wurde die Wasserstrategie in einem partizipativen Prozess mit den beteiligten Organisationen aus Politik, Wirtschaft, Natur- und Umweltschutz.
2. Aufgabenschwerpunkte
Während für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung die Infrastrukturen weitgehend erstellt sind, steigt die Nachfrage bei der Wassernutzung. Strom aus Wasserkraft, Wärme aus dem Grundwasser, Wasser für die Bewässerung, industrielle Zwecke und die Pistenbeschneiung sind zunehmend gefragt. Die Teilstrategien haben deshalb unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte.
Für neue Wassernutzungen werden Entscheidgrundlagen zur Verfügung gestellt, die den Schutz- und Nutzungsansprüchen Rechnung tragen. Im Bereich der Wasserversorgung steht die Sicherung der strategisch wichtigen Grundwasserfassungen im Vordergrund. Bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wurden regionale Organisationsmodelle geprüft, die zu einer höheren Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit führen können.
3. Ergebnisse
Wasserversorgung
– Für die Trinkwasserversorgung steht im Kanton Bern ausreichend Grund- und Quellwasser in guter Qualität zur Verfügung. In den Wachstumsregionen des Kantons müssen jedoch neue Schutzzonen ausgeschieden werden, damit die Versorgung langfristig gesichert werden kann.
– Mit einer Konzentration auf qualitativ und quantitativ gute Fassungen will der Kanton die Versorgungssicherheit erhöhen. Die Wasserversorgungsstrategie zeigt die strategisch wichtigen Fassungen auf einer Karte auf.
– Der Kanton will regionale Zusammenschlüsse der Trägerschaften von Trinkwasserversorgungen fördern und damit die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Anlagen erhöhen.
Wassernutzung
– Auf einer Karte wird das Nutzungspotenzial der Fliessgewässer im Kanton Bern und ihre Bedeutung für die Ökologie und die Fischerei dargestellt. Daraus abgeleitet werden auf einer weiteren Karte die Gewässer in drei Nutzungskategorien eingeteilt: grün (Nutzung unter Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen möglich), gelb (Nutzung nur mit zusätzlichen Auflagen möglich) und rot (Nutzung nicht möglich, weil die Schutzanliegen überwiegen).
– Von den insgesamt rund 12 600 Kilometer Fliessgewässer im Kanton ist der grösste Teil (10 600 Kilometer) für die Stromproduktion nicht interessant. Rund 230 Kilometer werden bereits genutzt.
– Theoretisch für die Stromproduktion geeignet sind rund 1800 Kilometer. Auf 570 Kilometer Länge bestehen aus gewässerökologischer und fischereilicher Sicht keine besonderen Schutzansprüche. Auf weiteren 770 Kilometern ist eine Nutzung nur mit Einschränkungen möglich.
– Auf den geeigneten Gewässerabschnitten ist eine Jahresproduktion von mindestens 300 Gigawattstunden erreichbar. Dies entspricht einer Steigerung der Stromproduktion aus Wasserkraft um rund 10 Prozent.
– Auf rund 440 Kilometern ist eine Nutzung nicht möglich, weil die Schutzanliegen überwiegen. Vor Nutzung bewahrt werden sollen namentlich die Vereinigte und die Weisse Lütschine, die Zulg, der Lombach, das Schwarzwasser und die Sense sowie der Oberlauf der Emme.
– Jedes neue Gesuch für ein Wasserkraftwerk wird im Rahmen der Vorprüfung einer Nachhaltigkeitsbeurteilung unterzogen.
– Hohe Priorität erhalten die Optimierung und der Ausbau bestehender Kraftwerkanlagen. Für Kleinkraftwerke mit einer Leistung von 31 Kilowatt bis 1 Megawatt führt der Kanton Abklärungen zu einer besseren Nutzung ihres Potenzials durch.
– Das Wärmepotenzial des Grundwassers soll in Zukunft effizienter genutzt werden. Der Kanton will grössere Gemeinschaftsanlagen fördern, die eine geringere Anzahl Eingriffe ins Grundwasser erfordern.
Siedlungsentwässerung
– Dank leistungsfähiger Abwasserreinigungsanlagen hat sich der Zustand der bernischen Bäche, Flüsse und Seen in den letzten Jahren deutlich gebessert. Noch zu hoch sind der Anteil des Fremdwassers und die Nährstoffbelastungen aus der Landwirtschaft. Eine neue Herausforderung stellen die Mikroverunreinigungen dar.
– Die Kosten der Abwasserentsorgung sind in den letzten Jahren trotz Ausbau der Anlagen konstant geblieben. Sie liegen bei 230 Millionen Franken pro Jahr. Die Kosten werden zu 98% Prozent durch Gebühren gedeckt.
– Grundlage für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Gewässer bildet ein vorausschauendes Monitoring. Vor allem im Bereich der so genannten «Mikroverunreinigungen» soll es in Zukunft verstärkt werden.
– Grosse Abwasserreinigungsanlagen sind kostengünstiger. Der Kanton will deshalb organisatorische Zusammenschlüsse der Trägerschaften fördern.