Bergbahnen wohin

Werte Bürger des Bezirks Obersimmental-Saanenland und Bergbahninteressierte. Wir werden wohl demnächst die Möglichkeit erhalten, zwei grosse Gebilde (die Gemeinde Saanen und die Bergbahnen Destination Gstaad AG) finanziell an die Wand zu fahren. Dies kann und darf doch nicht das Ziel sein? Die BDG ist schon nahezu pleite und der Gemeinde Saanen werden die vermutlich stark sinkenden Steuereinnahmen (Grundstückgewinnsteuer) zu schaffen machen.

Als Gemeindebürger werden wir über die Gemeindeversammlungen das Hauptsagen haben, in welche Richtung die Reise der BDG führen wird. Wir müssen zusammenstehen und uns auf einen gangbaren Weg einigen, welcher nicht der Status Quo sein kann. Die alten Geschichten müssen wir beiseite legen und uns von unserem Gärtchendenken verabschieden. (Zur Erinnerung: Erst als das Spital Saanen vom Kanton geschlossen wurde, konnte sich der Bezirk dazu durchringen, gesamthaft für das Spital Zweisimmen einzustehen. Nochmal Glück gehabt ist uns im Endeffekt überhaupt ein Spital erhalten geblieben.) Niemand wird es allen recht machen können. Ein guter Kompromiss wäre wohl dann gefunden, wenn alle leicht unzufrieden sind.

Auf der untersten Stufe der BDG sind viele freundliche, zuvorkommende und hilfsbereite Personen angestellt. Skis werden aus den Ständer geholt und dem Gast in die Hand gelegt, der Gast wird freundlich begrüsst. In den letzten Jahren sind hier diverse Stufen zur Besserung erklommen worden. Besten Dank und dranbleiben.

Je stärker wir im Organigramm nach oben klettern, desto geringer fallen die Lobhuldigungen aus. Der VR der BDG überlässt uns die ihm grundsätzlich zustehende und immens wichtige Aufgabe der Zukunftsgestaltung ziemlich kampflos. Die drei Vorschläge Fokus, Fokus light und Vision tönen alle nach dem alten Lied, einfach mit neuem Titel. Ein schlechter Song wird durch häufiges Abspielen nicht besser. Die alten Konzepte haben bis heute nicht funktioniert und werden es wohl weiterhin nicht.

Die Vorschläge erscheinen mässig ausgegoren. Nebst einer Bahn vom Zentrum Gstaad Richtung Gfell ist nichts Visionäres zu finden. Visionär heisst doch voraussehen und es lastet ihm ein Hauch von Spinnerei an (z. B. höhere Gebiete erschliessen «Meiel» und tiefergelegene schliessen; Wasserrutsche durch den Berg von einer Berg- zur Talstation; U-Bahn von Gstaad nach Lenk ‹dort ist nämlich alles besser, das Skigebiet grösser, besser präpariert, weil sie eine so herzige Werbung haben; Bewohner zu Fronarbeit zu Gunsten der BDG verpflichten).

Die Kommunikation lässt viele Fragen offen. Jedem Bürger sollte klar sein, dass eine so wetterabhängige Gesellschaft flexibel handeln muss. Dass Entscheidungen aber im Tages- oder Stundentakt geändert werden, ist schade (Rellerli 8.45 Uhr geschlossen für alle Skifahrer. Eine Stunde später ist das Rellerli ein Freerideberg. Wispile-Stand läuft oder auch nicht. Mal ist schwarz, mal ist rot präpariert). Normalerweise sollte kommuniziert und dann gehandelt werden. Das braucht halt vermutlich auch heute noch zwei/drei Tage, ein bisschen Mut und Durchhaltevermögen.

Einige Personen scheinen tatsächlich schon wieder vergessen zu haben, dass ohne die Fusion der Bergbahnen zu einer Gesellschaft nicht mehr alle Bergbahnen existieren würden, womit sich wohl einige Probleme gelöst hätten. Dies wollten wir alle gemeinsam bis anhin nicht, werden aber nicht darum herum kommen. All diese Flex, Plus, Super Plus und Mega Extra werden wir uns ganz einfach nicht mehr allzu lange leisten können.

Was von uns Ortsansässigen häufig vergessen wird: Hauptsächlich mit blauen und ein wenig mit roten Pisten wird Geld verdient und leider nicht mit den anspruchsvolleren schwarzen. Das Gebiet Hornberg/Saanersloch finde ich persönlich eher langweilig. Eine grosse Zahl der Gäste fühlt sich aber gerade da wohl und auf sehr viele Gäste sind wir alle angewiesen. Wir brauchen dringend einen gesicherten Ersatz der maroden Bahn inklusive Parkplatz in Saanenmöser. Zu überlegen wäre auch eine ganzjährige Nutzung unserer besten Milchkuh. Die gesamten Amortisationskosten bei einem Betrieb über nur vier/fünf Monate zu erwirtschaften ist noch beschwerlicher.

Eine komplett zurückgebaute Bahn wird den zukünftigen Gast nicht im geringsten stören. Er kennt die Vergangenheit nicht und freundet sich mit dem Vorhandenen an. Wir müssen eben die alten Geschichten bei seite legen und das Positive herausheben.

An der Orientierungsversammlung der BDG und in den nachfolgenden Artikeln wurde von fast allen Seiten nur auf den Skitourismus eingegangen. Dem Sommertouristen und dem Nichtskifahrer sollte aber noch mehr Augenmerk geschenkt werden, da diese Bereiche ausbaufähig sind. Der Skimarkt ist bestenfalls stagnierend. Es sollten Berge entstehen, auf welchen mit wenigen in Betrieb stehenden Transportanlagen ein möglichst breites Bedürfnisspektrum abgedeckt werden kann.

Das Pays-d’Enhaut und den Kanton Waadt zu geisseln (wie in anderen Veröffentlichungen geschehen), finde ich deplatziert. Es sind doch gerade diese Institutionen, welche in den letzten Jahren die Geldbörsen am intensivsten geöffnet haben?

Jeder einzelne von uns hat täglich die Gelegenheit, unsere Region zu preisen und den Gästen schmackhaft zu machen. Gegenseitiger Respekt, Lächeln und ein gutes Wort kosten nichts, werden aber geschätzt.

Bitte, stehen wir zusammen und finden in konstruktiver Diskussion eine gemeinsame, tragbare Lösung.

Zum Schluss: Gepriesen sind diejenigen, die nichts zu sagen haben und trotzdem den Mund halten. Sorry, halte ich mich nicht daran. Einer von 10 000 Bergbahnexperten Daniel Bach, Saanen