Bezüglich der Agrarinitiativen

Zum Leserbrief von Hansruedi Seewer, Matten, in der Ausgabe vom 14. Mai 2021: In einer Sache bin ich mit Ihnen einig: Sauberes Trinkwasser, das wollen wir alle. Und Gott sei Dank haben wir das.

Wenn man sich vorstellt, was in einem Jahr laut einem Bericht des Bundesrats, den Rhein runter fliesst, nämlich 65 Tonnen Industrie- und Haushaltchemikalien, 20 Tonnen Arzneimittel, 20 Tonnen Lebensmittelzusätze und eine Tonne Pflanzenschutzmittel, die wiederum nicht zu 100 Prozent aus der Landwirtschaft stammen. Dass das ein Problem ist, ist mir bewusst. Aber die beiden Initiativen führen nicht zu einer Verbesserung des Wassers.

Sie empfehlen den Lesern der Simmental Zeitung, sich auf der Internet-Seite des Initiativkomitees zu informieren, bei Leuten, wo die meisten keinen Bezug zur Landwirtschaft haben und nicht wissen, wie diese funktioniert. Bei den Initiativen geht es um die Landwirtschaft, also liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, informiert euch bei den Landwirten direkt. Sie werden Ihnen sicher gerne Auskunft geben, wie sie mit Herzblut ihre Tiere, Wiesen und Weiden hegen und pflegen. Ihr werdet feststellen, dass auf den Betrieben sehr viel unternommen wird, um zum Beispiel den Verbrauch von Antibiotika zu senken. Das ist in der Landwirtschaft in den letzten Jahren sehr gut gelungen. Was laut Initiativtext der Trinkwasser-Initiative nicht mehr möglich wäre, ist der Zukauf von betriebsfremdem Futter. Wird die Initiative angenommen, so könnten an einem späten Frühling, wie er in diesem Jahr stattfindet, viele Landwirte ihre Tiere nicht mehr füttern. Sie müssten hungern oder die durchnässten Böden im Tal beweiden. Oder zuletzt die Tiere, die für die Sömmerung nötig wären, schlachten.

Eine Milchkuh, wie wir sie in der Schweiz halten, benötigt in der Startphase, das heisst in den ersten hundert Tagen der Laktation, bis sie wieder trächtig ist, Ergänzungsfutter. Das Kraftfutter wird zu einem grossen Teil aus Mühlennebenprodukten hergestellt. Diese Produkte wie Rapskuchen, Sojakuchen, Zuckerrübenschnitzel und viele weitere müssten kompostiert oder in der Biogasanlage entsorgt werden. Zu ihrer Aussage, dass die Nutztierhaltung sehr umweltschädlich sein soll.

Die Schweiz ist ein Grasland und dazu prädestiniert, daraus Milch und Fleisch zu produzieren. Solange der Veganer kein Gras von der Weide frisst, ist die Rindviehhaltung in unserer Region die einzige Möglichkeit, unsere Flächen nachhaltig zu nutzen und daraus hochwertige Produkte herzustellen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, setzen Sie eine gut funktionierende und nachhaltige Schweizer Landwirtschaft nicht aufs Spiel und legen Sie am 13. Juni zweimal Nein in die Urne. Die Konsumenten und eure Bauern sind euch dankbar.

Bio-Produzent, St. Stephan