«Die Eierproduktion gehört nicht ins Berggebiet»

In den 1980er Jahren hat das Bundesamt für Landwirtschaft in einer Verordnung bestimmt, dass neue Legehennenställe in der Schweiz nur noch bis zu maximal 500 Hühnern gebaut werden dürfen. Diese Verordnung sollte verhindern, dass in der Schweiz Grossbetriebe entstehen. Man wollte den kleinen Bauernbetrieben ein Zusatzeinkommen ermöglichen und man wollte regional produzieren.

In dieser Zeit sind auch die beiden Legehennenställe bei Bieris in St. Stephan und bei Rieders an der Lenk gebaut worden. Diese beiden Ställe wurden in ein leer stehendes Gebäude integriert und mit einem Auslauf ins Freie versehen. Die Eier wurden von der SEG (Schweizerische Eier Genossenschaft) zweimal pro Woche abgeholt, in der Eiersammelstelle kontrolliert und anschliessend an die Verkaufsläden geliefert. Der grösste Teil der Eier wurde über die Grossverteiler vermarktet.

Vor einigen Jahren durfte ich mit meiner Frau an einer Agrarreise nach Ungarn teilnehmen. Wir besuchten unter anderem einen Landwirtschaftsbetrieb mit 1000 Kühen und 160’000 Legehennen. Dieser Betrieb produzierte auch Bodeneier für einen Grossverteiler in der Schweiz. Die Leghennen wurden in zehn verschiedenen Gebäuden beherbergt. Wir durften verschiedene Ställe besuchen, in welchen die Hühner auf kleinstem Raum eingepfercht in Batteriehaltung gehalten wurden. Für die beiden Ställe mit Bodenhaltung, welche für die Produktion in der Schweiz bestimmt waren, galt leider Zugangsverbot für Schweizer.

Auf diesem Betrieb wurden die Eier am Morgen gesammelt, am Nachmittag per Flugzeug in die Schweiz transportiert und am nächsten Morgen waren sie in den Verkaufsläden des Grossverteilers. Die Eier waren also frischer als die Schweizer Eier aus den kleinen SEG-Betrieben.

Die Auflagen für die Eierproduktion in der Schweiz wurden dann mit der Datierung der Eier verschärft und so konnten die Verkaufsdaten für die SEG-Eier nicht mehr garantiert werden. Auf Druck des Marktes, vor allem der Grossverteiler, wurde die Höchsttiergrenze in der Schweiz von 500 auf 6000, dann auf 12’000 und heute auf 18’000 Legehennen erhöht. Weil die SEG aufgehoben wurde, sind von den 500er Ställen nur noch wenige übrig geblieben, und diese müssen ihre Eier privat vermarkten.

Meine Frau war nach dem Besuch des Betriebes in Ungarn so geschockt, dass in unserem Haushalt bis heute nur Eier aus Kleinbetrieben in der Schweiz gebraucht werden. Um sicher zu sein, dass dem auch so ist, kaufen wir die Eier immer direkt auf dem Bauernhof.

Liebe Leserinnen und Leser der Simmental Zeitung schätzt euch glücklich, dass ihr im Simmental noch Regionalprodukte kaufen könnt. Produkte, von welchen ihr wisst, wie sie produziert werden und wie die Tiere gehalten werden. Es lohnt sich in jedem Fall, den kleinen Mehrpreis für Schweizer Eier auszugeben, um das Tierwohl und die Lebensmittelqualität zu garantieren.

Regionale Produkte werden uns aber nur erhalten, wenn wir sie als Konsumenten kaufen und zusätzlich die Produzenten unterstützen. Letztlich bestimmen nämlich wir als Konsumenten durch unser Kaufverhalten, welche Produkte auf unseren Tellern landen. Mario Buchs, Jaun