Die Opposition ist selbstverständlich
«Die Opposition ist unverständlich!», schreibt Herr Zeller, Elektroingenieur ETH, Lenk, betreffend die Wasserkraftprojekte Fermel und Laubegg. Ich trage gerne etwas zur Verständlichkeit bei am Beispiel der Laubegg.
Vorab das Erfreuliche: Der Laubeggfall mit seiner Aussichtskanzel ist zu Fuss bestens zu erreichen und zu besichtigen. 250 Meter oberhalb der Kanzel vor der Brücke parkieren und auf dem trottoirbreiten, markierten Velostreifen zurückgehen. Die einzige Gefahr droht von Fahrrädern, die aber wegen der stattlichen Steigung keine grossen Geschwindigkeiten erreichen. Gerade jetzt zur Zeit der Schneeschmelze ist der Fall bereits recht eindrücklich, später dann auch klar und noch mächtiger.
Zur Rücksicht auf Landschaft und Natur: Die Restwassermenge, die verbleiben würde, kann beim besten Willen nicht mehr als Wasserfall betrachtet werden, es bliebe nur ein jämmerlicher «Söibisel» in einer zehn bis zwölf mal breiteren Steinwüste. Zu den Fischen nur eine Frage: Haben Fische nur als Speisefische eine Bedeutung und Existenzberechtigung?
Die verständlichsten Argumente gegen das Zubetonieren der Laubegg nennt Herr Ing. Zeller gleich selber: Der Tourismus und die Arbeitsplätze. Boltigen ist ein Durchgangsort und hat es schwerer als die Lenk. Wir haben zwar ein wunderschönes Familienski-, Langlauf- und Wandergebiet, aber die übrigen Attraktivitäten brauchen wir dringend, wie den Laubeggfall, der auch in örtlichen Tourismusprospekten schon aufgeführt wurde. Das WKW würde diese Attraktion auf mindestens 80 Jahre weg bauen, eine kürzere Konzessionszeit haben die BKW/Simmentaler Kraftwerke vehement zurückgewiesen.
Damit sind wir bei der Wirtschaftlichkeit: Ohne die KEV (kostendeckende Einspeisevergütung des Bundes) wäre das WKW völlig unwirtschaftlich und unrentabel. Und ob die KEV einmal fliesst, ist offen. Denn von den Auswahlkriterien, die das Bundesamt anführt, erfüllt das WKW Laubegg kein einziges. Einen Wirtschaftlichkeitsnachweis ohne KEV haben die Projekt-Eingeber nicht geliefert.
Arbeitsplätze: Ein WKW Laubegg schafft nach der Bauphase 0,5 bis 1,5 Arbeitsplätze. Wenn die 20 Millionen Bausumme in Fotovoltaik oder Sonnenkollektoren investiert würden, könnte jedem der hypothetisch versorgbaren 2500 Haushalte eine Anschubsubvention von 8000 Franken für Wärme- (Ersatz von Elektroboilern) und/oder Stromanlagen gewährt werden. Damit liesse sich – dezentral, bei den Konsumenten selber ungefähr dieselbe Strommenge einsparen/produzieren, wie ein WKW Laubegg liefern würde.
Mit zwei bedeutenden Unterschieden: Es würden Dutzende von Arbeitsplätzen geschaffen (Dachdecker, Schreiner, Elektro, Spengler, Bauplaner, Ingenieure, Transportgewerbe usw.) – und der Laubeggfall würde erhalten bleiben, für das Simmental. Gusti Pollak, Boltigen