Die Zahl 17 liess sich nicht halbieren…

Mit grosser Freude lese ich die sehr informative Simmentalzeitung, die mir auch einen guten Einblick in die täglichen politischen und kulturellen Begebenheiten in diesem wunderschönen Tal vermittelt.

In der neuesten Ausgabe (40) fand ich die Beschreibung der «Chästeilet auf dem Boltig-Boden» sehr lehrreich und unterhaltsam. Die sehr ansprechende Darstellung der leitenden Herren und die allgemeine Zufriedenheit sowohl der Käsefachleute als auch der mit «ihrem» Käse bepackten Tier-Eignern, lässt mich folgende Geschichte erzählen, die ursprünglich aus der arabischen Welt übermittelt ist. Da wir im Simmental eher Kühe als Kamele kennen, erlauben Sie mir, die Geschichte entsprechend «anzupassen»:

Ein weiser alter Bauer hatte drei Söhne. Er hatte seine Habe unter den Dreien vor einiger Zeit gerecht aufgeteilt, jedoch seine geliebten Kühe wollte er nicht zu seinen Lebzeiten vererben. Als nun seine Stunde gekommen war, liess er seine drei Nachkommen an das Bett treten und verfügte, dass seine 17 Kühe wie folgt verteilt werden sollten: Der Älteste sollte die Hälfte aller Kühe erhalten, der Mittlere ein Drittel und der Jüngste ein Neuntel.

Noch ehe die Söhne einwenden konnten, dass die Zahl 17 sich nicht halbieren liess, geschweige denn zu Dritteln oder zu Neunteln sei, verschied der Vater selig. Die drei waren einfach ratlos, denn schlachten durften sie die vom Vater so geliebten Kühe nicht, um so die nicht lösbare Aufgabe zu bewältigen.

Just in diesem Moment kam ein hochgeschätzter Käserei-Meister mit einer entlaufenen Kuh des Weges, die er wieder auf die rechtmässige Weide bringen wollte. Er sah die verstörten Brüder und fragte nach dem Grund für deren Verdruss, die auch sofort erzählten, dass soeben der Vater verschieden sei und er noch verfügt habe, wie oben beschrieben, die 17 Kühe unter den drei Brüdern zu verteilen. Doch das sei ja nun wirklich nicht möglich.

Der weise Käsemeister jedoch sagte lächelnd, «dann nehmt doch meine Kuh hinzu und teilt dann wie der Vater Euch geheissen»:

Der Älteste erhielt die Hälfte aller 18 Kühe, also 9 Kühe, der Mittlere erhielt ein Drittel aller Kühe, also 6 Kühe der Jüngste erhielt ein Neuntel aller Kühe also 2, was zusammen 17 Kühe bedeutete.

Der kluge Käsemeister nahm die 18. Kuh (also seine eigene) und zog seines Weges. Alle waren zufrieden.

Prof. Josef Schleicher, Zweisimmen