Die neue Schlacht an der Laubegg

Die Simme vor dem Laubeggfall.

Die Simme vor dem Laubeggfall.

Nun haben auch die höheren Richter die Beschwerden gegen das WKW Laubegg abgewiesen. Zur Erinnerung: Die 20-Mio.-Bausumme werden nach der eigentlichen Bauzeit praktisch keine Arbeitsplätze auslösen, während 20 Mio, als Unterstützung für dezentrale Energieanlagen, im Minimum 80–100 Mio. an Folgeinvestitionen und Dutzende von Arbeitsplätzen über etliche Jahre bringen würden. Und dieselbe Energiemenge wie ein Kraftwerk Laubegg, aber ohne den Wasserfall zu opfern.

Der WWF, einer der Einsprecher, der wegen Gerichtskosten in noch nie dagewesener Höhe bereits nach dem Berner Verwaltungsgericht aufgeben musste, hat nachgerechnet: Die BKW werden für den Strom 36 Millionen Franken an Bundesgeldern einstreichen. Nach der KEV-Laufzeit von 25 Jahren wird das Werk bei einer Investitionskapitalsrendite von mehr als 3,5% vollständig abgeschrieben sein und werden während 55 Jahren nur noch die Betriebs- und Unterhaltskosten anfallen. Trotzdem ist die Wirtschaftlichkeit der Anlage in der (Energie-)Zukunft ungewiss, während der Schaden an der Landschaft zum Nulltarif gerechnet wird.

(Un)längst hat die Politik eingesehen, dass dies nicht der Sinn der KEV sein kann. Während an den Bestimmungen gearbeitet wird, kassieren die halbstaatlichen BKW freudig Gelder, die eigentlich wenig kapitalkräftige Private dazu ermuntern sollten, in neue erneuerbare Energie zu investieren.

Die Energiepolitik der BKW ist auch sonst sehr widersprüchlich: Einerseits werden sie nicht müde zu betonen, wie wichtig die Erhöhung der Grimselmauer sei, um die Energieproduktion vermehrt in den Winter zu verlagern, andererseits werden sie an der Laubegg abertausende Kilowattstunden sommerlichen Überschuss-Strom produzieren und müssen ihr Kraftwerk im Winter wochenlang abstellen (auch bei schönstem Fotovoltaik-Wetter!). Die gleichen BKW haben am Sousbach ein Projekt, das dank einem Stollen wenigstens einen Teil der Produktion in den Winter verlagern wollte, bis aufs Blut bekämpft, weil es von der Konkurrenz stammte und gegen den Willen der Standortgemeinde.

Das alles hat mit Energiewende wenig, mit Profitdenken viel mehr zu tun, und mit dem Kalkül, die Produktionsanlagen ja nicht an andere Anbieter oder gar an private Selbstversorger abzugeben. Man könnte sonst die Kontrolle über den freien Markt verlieren…

Traurig, dass die Regierung als Vertreterin des Hauptaktionärs Kanton da mitmacht, und bemerkenswert, wie rot-grün das Simmental hier auf einmal geworden ist.

Ich bin sicher, einmal werden Etliche auf der nun zwecklos gewordenen Aussichtskanzel stehen und sich die Augen reiben beim Anblick des jämmerlichen Restwasser-«Söibisu», den man ihnen als Wasserfall verkauft hat, oder werden als Touristiker im harten Konkurrenzkampf nach den letzten Landschafts-Attraktionen suchen und feststellen, dass da eine bis zum Jahr 2095 zugemauert wurde.

Während die Solaranlagen von immer grösseren, auch bäuerlichen Dächern grüssen und die Pioniere, die noch vor wenigen Jahren mitleidig belächelt wurden, bereits weiter arbeiten an noch wirksameren Stromsparprojekten, noch effizienteren Geräten, pfiffigen Schaltsystemen und umweltschonenden Speichermöglichkeiten, bauen wir einen 20 Millionen teuren Betonriegel in den Fluss, der dem Tal den Namen gibt. Welche Symbolik! Gusti Pollak, Boltigen