Frühlingszeit, Sommerzeit, Freizeit, Mähzeit

Die Katzen auf den Weiden sind vergangen. Sie haben nicht den Mond angesungen und tagsüber in den Weiden herumgeturnt. Erst waren sie silbergrau, dann gelb, braun oder grünlich, dann verschwanden sie mit dem Wind. Wer sind sie? Nein, es sind keine lebendigen Katzen. Es sind die Weidenkätzchen. Eifrig fliegt die Wasseramsel über die Simme und berührt beinahe das Wasser. Unter der Brücke ist ihr Nest. Hat sie schon Junge? Wie viele? Es ist ein genügsamer Vogel, ein Künstler. Sehr früh im Jahr, wenn kaum Nahrung zu finden ist, zieht er die Jungen auf.

Der Frühling kehrt ins Land; es wird wärmer. Schnell mit dem neuen Auto nachts ein «Fährtli» machen. Nein, nicht auf der Hauptstrasse … die Nebenstrassen verleiten zu sehr, nachts über dreissig zu fahren. Ein wahrer Kick, schnell nach Hause nach der Spätschicht oder vor dem Zu-Bett-Gehen mit halblautem Motor und hoher Geschwindigkeit «abzuseusen». Ist ja niemand da, keine Kinder, keine Ordnungshüter, nichts, das einem hindert. Alles finster. Der Nachbar hat soeben das Licht gelöscht, trotz dem Motor … ist ja finstere Nacht ohne Strassenlampen!

Doch nachts schlafen nicht alle: Tiere z.B. schlafen nicht. Rehe, Füchse, der Dachs, die Wiesel, Marder und Katzen. Einige Katzen haben es gelernt, aufzupassen. «Achtung, ein Auto!» Doch auch diese Katzen werden abgelenkt durch eine Maus oder durch ein anderes Tier, das sie jagt. Schnell fliehen sie über die Strasse, schnell nach Hause! War da etwas? Etwas am Auto? Nein? Ja? Schnell weiterfahren! Blut, Schock, Bein, die geliebte Katze humpelt heim. Der Besitzer hat einen grossen Schock wegen der armen Katze. Welch eine Trauer das Tier nach Hause bringt mit seinem stummen Flehen. Es kann nur die Erlösung helfen. Der Autofahrer, der nachts die Regeln vergessen hat, fragt sich: «War da etwas?» «Nichts da, ist ja finster. Weiterfahren, ist ja nichts. Schlechtes Gewissen? Ist schon zu schnell gewesen. War nur ein Schatten, oder?»

Rettet die Rehkitze! Jetzt kommen sie wieder ins hohe Gras, die Rehe. Ins schützende Gras. Der Geruch des Grases schützt sie. Das wird schon seit Jahrhunderten so weitergegeben. Was sich verändert hat, sind die Gewohnheiten der Menschen. Erst benutzten sie Sense und Handmäher, jetzt Ungetüme von Mähern, die breiter, höher, schneller, leiser und lauter mähen. Sie sehen nichts ausser der Rendite, die es abwirft. Reaktion, Sehen … zu gross ist die Schneise, wenn etwas auftaucht. Horror? Nicht denken, fahren! Kann man rechtzeitig bremsen? Auch heute: Rehkitz, Blut, Bein, ein Schrei oder nicht. Blass per Natel dem Wildhüter telefonieren, stoppen, warten … Die Rehkitze machen sich klein, bleiben liegen. Auch Katzen machen sich klein, verstecken sich. «Du siehst mich nicht.» Nur im allerletzten Augenblick, wenn sie merken, dieses Ding ist gefährlich, ist es schon zu spät, die Beine sind weg!! Blut! Schockiert auf Stumpen davon humpeln, sterben, verbluten im Gras. Gesehen? Ja? Natel, Tierarzt, geschocktes Tier einfangen!! Einschläfern. Schuldgefühle, Trauer und Verzweiflung; ein grässlicher Anblick, diese Unfälle. Immer mehr werden Tierrettungen durch Drohnen-Flüge gemacht. Sie helfen, Rehe zu schützen, ausfindig zu machen. Und wie die schnell entschlossenen Katzen schützen? Gut schauen.

Christine Stucki, Zweisimmen