Western Night Därstetten

Graben zwischen Stadtmensch und Bauer endlich überwinden

Eigentlich ist es nicht meine Art, Leserbriefe zu schreiben, doch der Artikel von Herrn Arnold Knutti hat mich meinen Puls etwas höher gehen lassen. Ich versuche trotzdem sachlich zu bleiben. Grundsätzlich finde ich die Berichterstattung in Ordnung, nur das Ende des erwähnten Artikels gefällt mir gar nicht.

«Was man nicht unerwähnt lassen darf, ist die gute Disziplin der Gäste. Es war ein ganz friedlicher Abend, obschon auch Alkohol konsumiert wurde. Aber in den ländlichen Gebieten gibt es noch keine Chaoten, denn die Jungen werden auch heute noch zu Anstand erzogen.»

Damit wird unterschwellig behauptet, dass auf dem Land der tiefe Frieden herrscht und die Jungen in der Stadt, selbstverschuldet oder unverschuldet, nur aus Chaoten bestehen. Will heissen, dass wir erwachsenen Stadtmenschen unfähig sind, unsere Jungen anständig zu erziehen. Um den Anlass in Därstetten zu relativieren, gehen wir davon aus, dass ein paar hundert Besucher die Western Night genossen haben. Selber Country-Fan, war es mir vergönnt, teilzunehmen, leider war ich anderweitig verpflichtet. Anlässe derselben Grössenordnung in der Stadt gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls ruhig über die Bühne. Meine persönliche wie auch beruflich fundierte Meinung.

Im Gegensatz dazu möchte ich jedoch nicht wissen, wie viele BesucherInnen sich nach Verlassen des vorgenannten Events, um es hier Neudeutsch auszudrücken, noch hinter das Steuer ihres Autos gesetzt haben, um über diverse, uns allen bekannte Schleichwege nach Hause zu fahren, trotz vielleicht etwas mehr als den erlaubten Promille-Werten im Blut zu haben (meine persönliche Vermutung)! Und wie oft habe ich es erlebt, dass es in der, ach so beschaulichen Dorfbeiz, beinahe oder konkret zu Keilereien gekommen ist, weil Hans mit Fritz aus irgendeinem Grund nicht einig war (Namen zufällig).

Es erscheint mir sehr befremdlich und enttäuscht mich, in unserer kleinen Schweiz immer noch das Land und die Stadt trennen zu wollen. Da haben wir Eidgenossen es wirklich immer noch nicht geschafft, den – ja real überhaupt nicht existierenden – Graben zwischen Stadtmensch und Bauer endlich zu überwinden.

Grundsätzlich beruhigt mich allerdings die Vermutung, dass Ihre Auflage mit 10 500 Exemplaren nicht extrem weiter als das Simmental reicht und die «Munichrinne» vorne bei Wimmis, weiterhin verlässlich, das Bollwerk gegen mögliche Chaoten aus der Stadt, bildet.

Ich lasse Herrn Arnold Knutti herzlich grüssen und bitte ihn, in Zukunft seine Kompetenz in der Berichterstattung alleine auf recherchierte Fakten und Aussagen zu beschränken und keine persönlichen Vermutungen und Meinungen in ein öffentliches Blatt zu integrieren, oder dieses dann wenigstens so zu vermerken! Das ist professionelle Redaktionsarbeit. Patrik-Marc Schneider, Oey