Wenn uns die Ereignisse einholen!
Hohliebi und Feriendorf-Ansiedlung
Im Zusammenhang mit einer Ferien-Resort-Ansiedlung an der Lenk lassen wir uns einige Tatsachen vor Augen führen:
Gegebenheiten in der Gegenwart und Vergangenheit
In Mürren ist das Hotel Alpin Palace seit diesem Winter geschlossen. Das Haus ist im Besitze einer ausländischen Investorengruppe, die selber nicht so recht weiss, wie es weitergehen soll. Es wurden über 100 Time
sharing-Verträge abgeschlossen. Die Besitzer dieser Wohnungen haben Geld investiert und dafür das Nutzniessungsrecht während mehrerer Wochen im Jahr erhalten, so ähnlich wie es die Landal-Green Park an der Lenk vorgesehen hat. Dieses System hat in Mürren offensichtlich nicht funktioniert, darum steht das Hotel diesen Winter auch leer da.
Unter dem Titel, «Goldgräberstimmung» trotz Wirtschaftskrise» erschien in der NZZ ein Artikel über mehr als ein Dutzend Ferienresort- bzw. Immobilienprojekte im Wallis mit einem Investitionsvolumen von über 1,5 Milliarden Franken. Allerdings stossen mehrere dieser Mammutprojekte auf Schwierigkeiten, vor allem wegen Pleite der Trägerschaften, akuten Zahlungsschwierigkeiten der Investoren und Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Nicht wenige dieser utopischen Zukunftsprojekte scheiterten in der Folge wegen Geldmangel kläglich. Vergessen wir nicht, dass Grossinvestitionen im touristischen Bereich, vor allem bei Grossüberbauungen, keineswegs unproblematisch, ja z.T. spekulativ sind.
Flash: Der Walliser Staatsrat hat letzte Woche das geplante Resort für 300 Millionen Franken in Aminona in der Gemeinde Mollens bei Crans-Montana gestoppt.
Im Gstaad hat kürzlich der Saaner Gemeinderat den Dorfkern zu einer Planungszone erhoben, um auf Druck der Bevölkerung den überdimensionierten Chalets im Zentrum Einhalt zu gebieten. Gross, grösser, am grössten ist finanzpolitisch gefährlich und kann dem Ortsbild schaden. Denn es wurde eingesehen, dass wenn die Zukunft gesichert werden soll, vielmehr das Vorhandene intelligent genutzt werden muss, um den hohen Ansprüchen an die Kurortsqualität besser zu entsprechen.
Im nahen Diemtigtal wurde vor rund 30 Jahren eine Feriendorf-Überbauung mit rund 240 Wohnungen realisiert. In den vergangenen Jahren wurde die damalige Euphorie arg gebremst, gingen doch Restaurant, Sporthalle, Gruppenunterkünfte Konkurs und diverse Wohnungen mussten zwangsversteigert werden. Viele Handwerker erhielten ihre Guthaben nicht oder mussten Wohnungen an Zahlung nehmen. Die damalige Idee, die Wohnungen zu verkaufen und den Besitzern nahezulegen, diese dem Restaurant zur Vermietung zu überlassen, funktionierte nur im Anfang. Heute werden nur etwa 15 Wohnungen regelmässig zur Vermietung angeboten; viele stehen leer und werden nur zeitweise von den Eigentümern genutzt. Es gibt also weiterhin viele kalte Betten. Fazit: Die abgewirtschafteten Anlagen mussten von den Einheimischen übernommen werden.
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?
Die Lehren, die wir aus diesen Ferienresort-Ansiedlungen in der näheren und weiteren Umgebung der Lenk ziehen, sind ernüchternd. Verschiedene Teilaspekte bedürfen der näheren Betrachtung.
Die überbordenden Gelüste von übereifrigen Investoren, Spekulanten und Vertretern von Baufirmen müssen gezügelt werden. Die Mitgliedschaft von eminenten Vertretern der Bauindustrie im Initiativkomitee Hohliebi (welches den an der Gemeindeversammlung von 2. Juni 2009 abgeschmetterten Beschluss dem Souverän nochmals ohne Änderung vorlegen will) zeigen klar, woher der Wind bläst!
Die nötigen Infrastrukturen, vor allem die hohen Erschliessungskosten für die Hohliebi, aber auch diejenigen von andern Standorten, können mit der spekulativen Bauwut nicht Schritt halten und die Gemeinde Lenk wäre in Sachen Finanzierungspotential weit überfordert. Steuermässig ist die Gemeinde eben nicht auf Rosen gebettet. Es wäre u.a. in der Zielsetzung der Gemeinde daran zu denken, ob nicht die Steuerattraktivität der Lenk erhöht werden könnte, um vielleicht den einen oder anderen Zweitwohnungsbesitzer im Rentenalter dazu zu bewegen, in die Lenk umzuziehen. Die Wirklichkeit sieht z.Z. nicht so gut aus: Die steuerliche Belastung der Lenk auf Grund des Schweizer Durchschnitts beträgt 118,94 Punkte, also fast 20% über dem schweizerischen Mittel. Das frei verfügbare Einkommen für Konsumzwecke (nach Abzug sämtlicher Abgaben wie Steuern, Versicherungen und Wohnkosten) beträgt für eine Familie in der Lenk 59200* Franken; in St. Stephan sind es 68800* Franken, in Boltigen 67200* Franken (*CS, Economic Research). Vielleicht ist der Grund dieser Differenzen eben die höhere steuerliche Belastung. Bis heute liegen zudem keine konkrete Projekte mit Kostenangaben für Umfahrung, Erschliessung, Infrastrukturanlagen und andere öffentlich-rechtliche Strukturanlagen der Gemeinde vor.
Die Wertschöpfung für das örtliche Gewerbe hat sich bereits in der Praxis als Utopie erwiesen. Das Landal Resort Projekt Unterterzen am Walensee hat bekanntlich bereits 6 Monate nach der Eröffnung Liquiditätsprobleme aufgezeigt, nachdem die Handwerkerrechnungen nicht mehr beglichen werden konnten. Im Diemtigtal wurden die einheimische Bevölkerung und vor allem die Handwerker zur Kasse gebeten, um die konkursiten Immobilien zu übernehmen. Die vielen überschweren Lastenzüge aus Deutschland, Österreich, ja sogar noch aus der Türkei, voll von Investitionsgütern und Materialien für den Innenausbau, zeigen ein klares Bild, was an der Lenk bei Hotelerneuerungen (welche grundsätzlich sehr zu begrüssen sind) passiert und passieren kann.
Entwicklungsansätze
Wie die IG-Lenk schon verschiedentlich mit Nachdruck hingewiesen hat, ist es wichtig, vor allem an der Qualität, aber auch an der Tradition festzuhalten. Das Bestehende muss massvoll und überlegt erhalten und weiter ausgebaut werden und sich den Finanzen der Gemeinde und denen der örtlichen touristischen Transportanlagen und andern Touristik-Anbietern anpassen. Lenk verfügt über eine lange Tradition, hat eine wunderbare intakte Landschaft, ein traumhaft und gut ausgebautes Skigebiet mit ausgezeichneten Pisten, hat ein grosses Potential im Sommer (Wiederaktivierung des öffentlichen Kurbetriebes, Wanderparadies, Berglandwirtschaft etc). Sie darf nicht Gefahr laufen, auf ein tieferes Niveau anderer Tourismusdestinationen mit Massenbetrieb abzusinken.
Wie die jüngsten Statistiken zeigen, steht die Lenk trotz Krise noch gut da, vor allem weil sie bis zu 80 Prozent Schweizer Gäste beherbergt. Und hier liegt der Gral begraben. Dieses Segment der treuen Schweizer Gäste, zusammen mit den langjährigen Zweitwohnungsbesitzern und gutbetuchten Stammgästen der Hotels aus dem nahen Ausland, ist relativ krisenresistent. Das von Landal angepeilte Gästesegment aus den Beneluxstaaten, (das bekanntlich gemäss Initiativkomitee offenbar eine höhere Wertschöpfung aufweist als der Schweizer Gast!!) wird sicherlich gemerkt haben, dass der Winteraufenthalt für eine mehrköpfige Familie ein teurer Spass ist und gerade diese Gäste haben jüngst ein zurückhaltendes Buchungsverhalten bekundet.
Es sollte jeder Touristik-Fachmann wissen, dass die Tourismusbranche mit mindestens einem Jahr Verzögerung auf die Konjunkturflaute reagiert. Die Talsohle wurde also noch nicht überschritten. Mit Nachdruck muss darauf hingewiesen werden, dass die Lenk ein riesiges Potential an treuen, langjährigen und ausgabenwilligen Gästen hat. Diese Freunde und Zweitwohnungsbesitzer der Lenk müssen touristisch und fiskalisch besser betreut werden, anstatt im Gegenteil, sie mit prohibitiv angesetzten Pauschalkurtaxen-Erhöhungen zu bestrafen. IG-Lenk