Inakzeptable Scharfmacherei
(«Verloren hat das Volk und die Schweiz», Simmentaler Zeitung, 22.12). Vorweg sei kurz gesagt, warum der Unterzeichnete als Auswärtiger sich in der regionalen Zeitung zu einem politischen, immerhin gesamt schweizerischen Thema äussert: Als langjähriger Schaffhauser Stammgast an der Lenk (und Genossenschafter bei den Bergbahnen) gefallen mir Land und Leute ausgesprochen. Unsere Ferienwohnung ist, zusammen mit den nächsten Angehörigen und Freunden, während 15–20 Wochen im Jahr besetzt. Deshalb stört mich der obgenannte, unsachlich-aggressive Leserbrief von Thomas Knutti sehr und ich möchte ihn nicht unbeantwortet lassen. Nun werfe ich nicht alle SVP-Wähler und -Exponenten in den gleichen Topf, so wie der Weissenburger Grosssrat alle andern Bürgerlichen ausserhalb der SVP, wobei er diese noch als «scheinbürgerlich» verunglimpft. Aber unter dem Boss aus Herrliberg hat in einem grossen Teil der SVP offenkundig eine in unserem Lande seit 1945 einzigartige Scharfmacherei Eingang gefunden. Alt-Bundesrat Samuel Schmid und die im Kanton Bern besonders starke BDP haben richtigerweise die Konsequenzen gezogen. Und die jüngsten Wahlen in den National- und Ständerat sowie in verschiedene Kantons-Exekutiven zeigen, dass dieser Stil auch manchen SVP-Wählern zu viel geworden ist. Was Knutti bezüglich Bundesratswahlen und verschiedenen Sachfragen behauptet, ist offenkundig derart einseitig-ideologisch und weit entfernt von gründlicher Sachkenntnis, dass darauf im Einzelnen nicht eingegangen werden muss – mein Leserbrief ist so schon lang genug. Ein einziges Beispiel sei immerhin genannt: Der Bundesrat als Exekutivbehörde kann keinen Atomausstieg «aufzwingen». Darüber wird das Volk entscheiden. Das mit Energieeffizienz und verschiedenartiger starker Förderung der notwendigen alternativen Energien der Atomausstieg, natürlich innert vernünftiger Frist, auch in ökonomischer Hinsicht sinnvoll erreicht werden kann, ist wissenschaftlich nachgewiesen – Deutschland, insbesondere Bayern und Baden-Württemberg machen es uns vor; abgesehen davon, dass die inzwischen als zu gefährlich erkannten Kernkraftwerke relativ teuren Strom produzieren, wenn man alle Kosten richtig verrechnet.Jakob Müller,
Beringen/SH Stammgast an der Lenk