Kleinwasserkraftwerke

Als interessierter Leser greife ich mir bei der Berichterstattung über die vom Regierungsrat erteilte Konzession zum Bau der Kleinwasserkraftwerke am Fermel- und Albristbach an den Kopf: Keine einzige kritische Rückfrage zu zwei doch sehr problematischen Bauvorhaben? Da werden mit zweifelhaftem Nutzen zwei Bergbäche verbaut und alle nicken oder «knicken ein», wie das eine im Tal gut verwurzelte Partei zu bezeichnen pflegt. Es wird geltend gemacht, dass künftig Strom für insgesamt 1800 Haushaltungen produziert werde. Das ist sicher sehr begrüssenswert, doch dürfte im Winter kaum Strom gewonnen werden. Es handelt sich mit andern Worten um eine ausgesprochen sommerlastige Stromproduktion. Der erwähnte Strom für die «1800 Haushaltungen» täuscht darüber hinweg, dass er zu einem Zeitpunkt anfällt, wo sowieso schon genügend Strom vorhanden ist.

Auch das bewilligte Kraftwerk an der Laubegg wird am gleichen Problem kranken, so dass in Zukunft im Oberen Simmental mit den drei Anlagen Elektrizität von zweifelhaftem Wert, jedoch mit erheblichem landschaftlichem Schaden produziert wird. Ich höre schon den Einwand, dass es «auch um Arbeitsplätze» gehe. Mit Verlaub: Was für Arbeitsplätze? Südeuropäische, kleinasiatische oder einheimische? Und wohin sollen die erwähnten Arbeitsplätze einmal wandern, wenn die entsprechenden Anlagen gebaut sind? An den Iffigfall, die Simmenfälle oder den Geltenschuss? Oder gar an die Greinahochebene und in die Vorderrheinschlucht? Nein, die projektierten Bauten im Oberen Simmental haben ein extrem schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, und werden wohl nur gebaut, weil die BKW davon ausgehen, dass sie eine Vergütung durch die viel geschmähte Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) beanspruchen können. Man kann es wenden und drehen wie man will: Wenn man in den nächsten Jahren in der Schweiz 1000 Wildbäche verbaut, ist der Schaden angerichtet, doch die Energiewende nicht geschafft. Die Photovoltaik mit ihren 20000 angemeldeten und ökologisch unproblematischen Projekten krankt zwar auch an der Sommerlastigkeit der Produktion, dies übrigens im Gegensatz zur Windenergie. Indessen können Solarpanels und Windturbinen relativ schadlos auch wieder abgebaut werden, wenn einmal bessere Technologien entwickelt sein sollten. Verbaute Wildbäche hingegen sind nicht mehr so leicht zu renaturieren.

Ueli Corrodi,
Lenk und Hinterkappelen