Konzernverantwortungsinitiative und unsere Region

Am 29. November haben wir Schweizerinnen und Schweizer die Möglichkeit, unsere Meinung zur Konzernverantwortungsinitiative kundzutun. Wie vor jeder Abstimmung stellt sich die Frage: Um was geht es? Sorgfältig lese ich mich in die Unterlagen und Argumente ein. Es ist wichtig, dass wir zu unseren Arbeitsplätzen, zu unserem regionalen Gewerbe und auch der nationalen und internationalen Industrie Sorge tragen. Die einheimische Produktion ist zu unterstützen oder noch besser zu fördern. Genau dem steht bei einer Annahme der Konzernverantwortungsinitiative nichts im Wege. Die landwirtschaftliche, regionale, gar nationale Produktion wird nicht belastet oder eingeschränkt. Im Gegenteil, sie wird bessergestellt.

Die Initiative stellt die Frage, ob verantwortungsvolles Unternehmertum zu viel verlangt ist oder nicht. Unterstützen wir Unternehmen, welche Kinderarbeit fördern und die Umwelt zerstören? Heute nutzen einzelne skrupellose Konzerne die Situation in Ländern aus, welche über keine funktionierende Justiz verfügen. Sie schaffen sich einen Konkurrenzvorteil durch Verantwortungslosigkeit, treten die Menschenrechte mit Füssen und müssen dafür nicht geradestehen.

Die meisten Konzerne halten sich an die Regeln, so auch unsere einheimischen KMU, erhalten aber unfaire Konkurrenz durch Billiglieferanten, welche einzig und allein auf Profit aus sind. Profit ist ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Faktor in der Wirtschaft – nicht aber der Einzige. Das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung geht von der Vorstellung aus, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann. Das Drei-Säulen-Modell ist heute wichtiger denn je und hat an breiter Akzeptanz gewonnen. Wird die Umwelt geschont und werden die Menschenrechte eingehalten, ist der Konsument von heute auch gewillt, einen angemessenen Preis zu zahlen, wodurch auch der Lieferant einen entsprechenden Profit hat. Die Bio-Landwirtschaft und unsere KMU leben dies Tag für Tag vor.

Für mich grenzt es schon fast an einen Affront, dass wir uns in der Schweiz überhaupt die Frage stellen, ob wir Unternehmen, welche das Menschenrecht nicht einhalten, Kinderarbeit fördern oder die Umwelt zerstören zur Rechenschaft ziehen wollen oder nicht. In der Schweiz entrichten internationale Unternehmen geringe Steuern. Dadurch ermöglicht unser Staat den Konzernen einen Beitrag zu einer nachhaltigen, respektvollen Gesellschaft zu leisten ohne ihnen dadurch einen finanziellen Nachteil im globalen Vergleich auf zu bürden.

Aus diesen Gründen sage ich am 29. November 2020 als Mitglied des «Bürgerlichen Komitees für Konzernverantwortung» aus Überzeugung – Ja.

, Grossrat (BDP),
Zweisimmen