Mahnruf der Erde
Ihr habt mir grossen Schmerz bereitet, habt mich verletzt und ausgebeutet.
Seit ewig hab’ ich euch gegeben, was ihr gebraucht zum Leben.
Ich gab euch Wasser, Nahrung, Licht, lang hieltet ihr das Gleichgewicht, habt urbar mich gemacht, gepflegt, was ich euch bot, betreut, gehegt.
Doch in den letzten hundert Jahren ist Satan wohl in euch gefahren.
Was in mir schlummert wird geraubt, weil ihr es zu besitzen glaubt.
Ihr bohrt nach Öl an tausend Stellen, verschmutzt die Meere, Flüsse, Quellen, umkreist mich sinnlos Tag und Nacht, seid stolz, wie weit ihr es gebracht.
Habt furchtbar mich im Krieg versehrt, kostbaren Lebensraum zerstört,
habt Pflanzen, Tiere ausgerottet, wer mahnt, der wird von euch verspottet, kennt Habgier, Geiz und Hochmut nur und respektiert nicht die Natur.
Drum werde ich jetzt Zeichen setzen und euch, so wie ihr mich, verletzen.
Ich werde keine Ruhe geben, an allen meinen Teilen beben.
Schick’ euch Tsunamiwellen hin, die eure Strände überzieh’n.
Vulkane werden Asche spei’n, verdunkelt wird die Sonne sein.
Ich bringe Wirbelstürme, Regen, bald werden Berge sich bewegen.
Was himmelhoch ihr habt errichtet, mit einem Schlag wird es vernichtet.
Und Blitze, wie ihr sie nicht kennt, lass fahren ich vom Firmament.
Ich kann es noch viel ärger treiben, drum lasst den Wahnsinn endlich bleiben!
Hört, Menschen, was die Erde spricht, denn ihr braucht sie, sie braucht euch nicht!
Gedanken eines unbekannten Verfassers.
Und unsere Gedanken dazu?
Lassen wir uns weiterhin vom Slogan «immer mehr» leiten? Dass also Geld glücklich, Waffen sicher, Medikamente gesünder und immer mehr Informationen weiser machen? Unsere Wirtschaftslehre geht ja immer noch davon aus, dass die Wirtschaft ohne Steigerungsraten nicht funktioniert, und das Finanzsystem verkauft unbeirrt die wahnwitzige Hoffnung, dass immer mehr des gleichen Verhaltens – «Kaufe, shoppe, konsumiere» – irgendwann zu besseren Ergebnissen führen wird. Dummheit war für Albert Einstein: «Immer das Gleiche zu tun, aber andere Ergebnisse zu erwarten». Oder gelingt es uns, nach dem Lesen dieser Zeilen, bei unserem täglichen Tun, wieder einmal an das eherne Gesetz von Saat und Ernte zu denken, das nicht nur in Feld und Garten, sondern auch bei all unseren Handlungen, unfehlbar und gerecht zurück wirkt? Fritz Dubach, Blankenburg