Referendum ja oder nein?

Die Agrarpolitik 2014–2017 ist ein Rohrkrepierer. Jetzt ist noch der letzte Moment, das Referendum zu unterschreiben. Jeder soll selbst entscheiden, ob er das Referendum unterschreiben will oder nicht und sich nicht von den Verbandsleuten bevormunden lassen. Der Bauernverband ist langsam immer mehr nur noch für Grossbauern da, sonst hätte er nicht noch beantragt, dass die Einkommens- und Vermögensgrenze für den Bezug von Direktzahlungen gestrichen wird. Weil die Direktzahlungen fast nur noch auf die Fläche ausbezahlt werden, sind nur noch Bauern mit dicken Geldbeuteln im Stande, Land zu kaufen oder zu pachten.

Mit der zusätzlichen Extensivierung durch die Agrarpolitik 2014–2017 werden noch mehr Landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland importiert und der Selbstversorgungsgrad wird unter 50 Prozent sinken. Dies hat auch Folgen für die vor und nachgelagerten Betriebe der Landwirtschaft und wird tausende von Arbeitsplätzen kosten. Dies wird allgemein immer verschwiegen. Viele kleine und mittlere Tier-intensive Landwirtschaftsbetriebe werden früher oder später aufhören müssen, infolge Streichung der Tier-bezogenen Direktzahlungen. Weil die Direktzahlungen in der neuen AP viel kleiner sind, oder wenn man mehr extensiviert, um mehr Direktzahlungen zu erhalten, nachher die Produkterlöse fehlen. Mit gutem Willen von Parlament und Bundesamt für Landwirtschaft wäre es möglich gewesen, mit einem maximalen Tierbesatz pro Hektare, die Tierbeiträge beizubehalten.

Die Agrarpolitik 2014–2017 ist voller Widersprüche: Es soll höhere Alp-ungsbeiträge geben. Im Gegenzug werden die Tier-bezogenen Direktzahlungen gestrichen. Dadurch werden vermutlich weniger Tiere gehalten. Viele Alpbetriebe haben heute schon Mühe, die Alpen mit genügend Vieh zu bestossen, um die Alpweiden vor der Vergandung zu bewahren. Was nützen höhere Alpungsbeiträge, wenn schon heute zu wenig Vieh zur Sömmerung bereit steht? Lieber will das BLW Ökoflächen auch im Sömmerungsgebiet fördern, jedoch erst ab fünf Hektaren?! Die Alpen sollen mit der Zeit ganz zu Naturpärken mit Wölfen, Bären und am liebsten noch Löwen und anderen Wildtieren besiedelt werden. Im Alpenraum soll nach dem BLW am liebsten nichts mehr produziert werden.

Den Ackerbau wollte man stärken mit der neuen Agrarpolitik: Richtig ist, er wurde weniger stark geschwächt als andere Bereiche und zudem will das Bundesamt für Landwirtschaft die Brotgetreidezölle senken!

In den letzten Jahren wurde den Bauern immer gesagt: Ihr müsst Unternehmer sein. Die neue AP hat mit Unternehmertum gar nichts zu tun. Der beste Unternehmer ist mit der neuen Agrarreform der Bauer mit der grössten Fläche und der braucht gar nicht mehr innovativ zu sein, er soll auch gar nichts mehr produzieren, sondern nur noch auf die Direktzahlungen warten = Unternehmertum gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft und als Nebeneffekt können die kleinen und mittleren Betriebe, meistens Familienbetriebe, an die Wand gedrückt werden und der so oder so stattfindende Strukturwandel noch beschleunigt werden. Wenn ich die Konsumenten über die Agrarreform 2014–2017 informiere, schütteln die meisten nur den Kopf und unterschreiben gleich das Referendum. Wir Bauern müssen den Konsumenten die Argumente gegen die Agrarreform aufzeigen! Wir brauchen keine Angst vor den Konsumenten zu haben, wir müssen sie nur auf unsere Seite ziehen. Gerade heute stand wieder in der Zeitung, dass bis im Jahr 2050 100 Prozent mehr Pflanzen geerntet werden müssen, um die wachsende Erdbevölkerung zu ernähren. Im Moment gibt es auf der Erde schon zwei Milliarden Menschen, die an Unterernährung leiden. Es ist in dieser Zeit unverantwortlich, in der Schweiz den Selbstversorgungsgrad weiter zu senken und die Produktion noch weiter zu extensivieren und dadurch mehr Lebensmittel aus fragwürdigen Produktionsformen und Regionen zu importieren. Das Bundesamt für Landwirtschaft und die Parlamentarier, die der Agrarpolitik 2014–2017 zugestimmt haben, tragen die Verantwortung für unvernünftige Lebensmittelimporte aus dem Ausland und für den Verlust von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und in den vor- und nachgelagerten Betrieben. Die Agrarpolitik 2014–2017 sorgt nur für mehr Arbeit beim Bundesamt für Landwirtschaft und den Kontrollorganisationen. Kontrolleure, offizielle und inoffizielle haben wir heute schon in allen Bereichen in der Schweiz schon viel zu viel.

Der nächste Coup vom Bundesamt für Landwirtschaft wird dann die Reduktion der SAK-Werte und die Abschaffung der Verkäsungszulage sein, wenn sich dann erstmals der Widerstand gegen die Agrarpolitik 2014–2017 gelegt hat. Die versprochenen Gelder für die Biodiversitätsprojekte in der Agrarpolitik, um die Berglandwirte zu ködern, wurden in der Verordnung auch schon wieder gekürzt!

Dem Bundesamt für Landwirtschaft kann kein vernünftiger Landwirt mehr trauen. Hansueli Grünenwald, Zweisimmen