Spiel mit dem Leben

Es ist dies die Geschichte einer Frau aus unserem Tal, einer Obersimmentalerin, welche noch vor wenigen Wochen eine grosse Herzoperation auf sich nehmen musste, glücklicherweise mit gutem Ausgang! Es war kältester Februar und nachts, als diese Frau vor dem eigenen Haus auf dem Glatteis ausrutschte und stürzte. Schlagartig machte sich bei ihr ein heftigster Schmerz in der rechten Hüfte bemerkbar und sie blieb verletzt und hilflos am Boden liegen. Nur mit Mühe vermochte sie sich einige Meter durch den Schnee zu ihrem Haus zu schleppen, wo sie schliesslich ihre Angehörigen mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam machen konnte. Angesichts einer offensichtlich schweren Verletzung wurde sofort eine Ambulanz angefordert und man versuchte die Verletzte an einen geschützten Ort zu verbringen. Dies war wegen heftigster Schmerzen nicht möglich, und so wurden Bettflaschen und Decken herbeigebracht, um die bereits an Kälte Leidende vor Erfrierungen zu schützen. Man versuchte auch mit Kartons eine Unterlage zu konstruieren, um etwas vor dem Schnee zu isolieren. Es begann nun das Warten auf die Ambulanz, für die Frau und die Helfer ein langes Warten. Die Patientin fror und krümmte sich vor Schmerzen und jedermann blickte sehnsüchtig in Richtung Strasse, ob nicht bald Hilfe eintreffen würde. Es dauerte fünfviertel Stunden, bis die Ambulanz zum Abtransport der schliesslich völlig durchfrorenen Frau endlich eintraf. Im Spital angekommen, stellte man bei der Verletzten eine bereits gefährlich tiefe Körpertemperatur fest – ein alarmierender Zustand! Ursache der Schmerzen war ein Schenkelhalsbruch, der in unserem Spital dann umgehend operiert werden konnte. Glücklicherweise hat die Unglückliche dies alles überstanden und bewegt sich heute wieder flink an Stöcken! Unser grosser Dank geht an die Rettungsteams, die stets hilfsbereit und professionell ihre Einsätze leisten und schwierige Situationen zu meistern verstehen.

Unser Unverständnis richtet sich jedoch an die für unser Rettungswesen verantwortlichen Politiker. Noch vor wenigen Jahren verfügten das Simmental und Saanenland über ein sehr gutes Rettungswesen und wir sind Situationen, wie wir sie heute leider erleben müssen, nicht begegnet. Heute ist für die gesundheitliche Versorgung unserer Region eine zunehmende Zentralisierung vorgesehen, zum grossen Leidwesen unserer Bevölkerung! Wir Ärzte sind in grosser Sorge über diese Entwicklung zum Nachteil unserer Talschaften. Dr. med. M. Perrin