Unsere Region braucht ein Akutspital

Lange Zeit wollte ich mich zu diesem Thema nicht öffentlich äussern, gab es doch schon genug (selbsternannte) Spezialisten, welche sich vor allem zur Standortfrage äusserten. Leider stehen wir heute in der Spitalfrage vor einem Scherbenhaufen und vor der Schliessung des Spitals Saanen. Auch liegt meines Wissens keine Zusage vor, welche wenigstens die Erhaltung des Spitals Zweisimmen garantiert.

Es bringt leider nichts, wenn wir jetzt weiter darüber diskutieren, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Was zählt ist die Zukunft. Ich wage mich trotzdem die Bemerkung anzubringen, dass die Verhandlungen mit dem Kanton Bern nicht sehr intelligent und ohne jegliche gegenseitige Solidarität der betroffenen Gemeinden geführt wurden, sonst wäre das Resultat eventuell etwas besser ausgefallen.

Sind wir bereit, eine ersatzlose Schliessung unserer Spitäler kampflos zu erdulden? Unsere Region braucht ein Akutspital und eine angemessene medizinische Versorgung. Wir müssen dafür kämpfen! Die einheimische Bevölkerung, unsere Gäste und nicht zuletzt die weltbesten Privatschulen haben es verdient.

Die Schliessung des ertragreichsten Grundbuchamtes, sowie die Verlegung des Amtsgerichts vom schönen Gerichtsgebäude in Saanen in eine Containerstadt nach Thun haben der Region schon genug geschadet.

Mit der Schliessung unserer Spitäler bedrohen wir die Zukunft und das Wohlergehen der ganzen Region. Was können wir dagegen machen? Meiner Meinung nach ist vor allem Einigkeit von Lenk bis Gsteig und dem Obersimmental wichtig.

Der «Dörfligeist» muss verdrängt werden, denn nur geschlossen können wir ein Spital in der Region retten. Es darf nicht sein, dass die einen in Bern demonstrieren und die anderen zu Hause bleiben.

Die konstruktiven Gespräche, welche unsere Gemeinde bevorzugt, haben in den letzten 15 Jahren nichts, aber auch gar nichts gebracht. Es würde mich wundern, wenn sich dies plötzlich ändern sollte.

Wir müssen geschlossen für den noch verbleibenden Standort (Zweisimmen?) eintreten. Die ganze Tourismusregion braucht ein funktionierendes Spital mit genügend Kapazität für alle, welche auch der Hochsaison gewachsen ist.

Der zweite Punkt, um unser Ziel zu erreichen ist eine starke Führung!

Bei uns ist vor allem der Gemeinderat und dessen Präsident gefordert, dies gilt natürlich auch für die anderen Gemeinden.

Zögern bringt nichts, es geht darum mit Entschlossenheit und der nötigen Härte unsere Interessen durchzusetzen. Dieses Thema ist Chefsache (Gemeindepräsident) und kann nicht an Altpolitiker delegiert werden. Dafür ist die Sache zu wichtig.

Nun zum Kanton Bern, welcher in dieser Frage schlussendlich den Entscheid fällt. Manchmal frage ich mich, ob wir mit unseren Anliegen noch ernst genommen werden. Will das sozialistische Bern mit den linksdominierten Städten Bern, Biel und Thun seinen Pflichten gegenüber der kapitalistischen rechtsregierten Randregion Saanenland nachkommen oder nicht? Sind wir ihnen vielleicht ein Dorn im Auge, weil unsere Wirtschaft funktioniert und es uns gut geht? Wird in unserer sozialen Neidgesellschaft noch mit gleichen Ellen gemessen? Ist in unserer Demokratie die Regierung nicht dem Bürger verpflichtet und nicht der Bürger der Regierung ausgeliefert? Das Saanenland generiert über 100 Millionen Franken Steuern jährlich (davon ein grosser Teil für den Kanton Bern). Wir bezahlen jährlich 6–10 Millionen Franken in den Finanzausgleich, dies zum Wohl von ärmeren Gemeinden im Kanton. Wie kommt es, dass das Spital Frutigen auf der Liste der erhaltenswerten Spitälern steht, Saanen und Zweisimmen aber nicht? In Drittweltländern (z.B. Afrika) werden Spitäler gebaut und die medizinische Versorgung wird als wichtig anerkannt. Bei uns werden sie stillgelegt.

Auch werden in diesen Ländern Strassen gebaut und später meistens auch unterhalten. Bei uns werden die Strassen jedoch vernachlässigt (Pillonstrasse).

Sollte der Kanton Bern das Saanenland und Simmental als Last empfinden, wäre es an der Zeit, dies offen zu kommunizieren. Vielleicht machen wir uns dann Gedanken, ob es nicht andere Lösungen für unsere Region gibt. Eine Loslösung vom Kanton Bern könnte eine davon sein. Mit besorgter Hochachtung

Marcel Bach

PS:

Eine Kopie dieses Briefes wird an die bernische Regierung zuhanden des Präsidenten gesandt.

Der Unterzeichnende wird an der Gemeindeversammlung vom 8. Juni in Saanen einen Dringlichkeitsantrag zur Spitalfrage und der medizinischen Versorgung stellen. Dies mit dem Ziel dem Gemeinderat die nötige Rückendeckung zu geben und den Druck zum Handeln zu verstärken. Er hofft auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Marcel Bach

(Anmerkung der Redaktion: Dem Antrag wurde an der Gemeindeversammlung vom letzten Freitag mit grossem Mehr zugestimmt.)