Wahlbeteiligung

Am letzten Sonntag hat die Schweiz gewählt, oder besser gesagt, die halbe Schweiz hat gewählt. Die andere Hälfte hat nämlich wie immer nicht gewählt. Auch in Wimmis. Bei kantonalen Wahlen sind es jeweils gar nur 30 Prozent. Soweit also nichts Neues. Und genau da liegt meines Erachtens das Problem. Wir finden es inzwischen ganz normal, dass die Mehrheit auf ihr Mitbestimmungsrecht verzichtet. Dabei geht es um nichts weniger als die Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft. Wer nicht wählt, überlässt sämtliche Entscheidungen einer Minderheit. Wer nicht mitbestimmt, lässt sich fremd bestimmen. Aber offenbar ist das sehr vielen egal. Als Gemeinderatspräsidentin bereitet mir aber nicht nur das Sorgen. Die Nichtteilnahme beschränkt sich nämlich nicht auf Wahlen und Abstimmungen, sondern auf das Dorfleben allgemein. Der Sinn und das Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft, die wir alle bilden, geht immer mehr verloren. In einer Gemeinde wie Wimmis mit knapp 2500 Einwohnern spüren wir das. Es gibt einen immer kleineren Teil, der sich aktiv an der Politik und am Dorfleben beteiligt. Immer mehr Mitbürger melden sich nur noch zu Wort, wenn es sie direkt und persönlich betrifft. Wo führt diese Entwicklung hin? Auch politisch sind wir immer mehr eine reine Konsumgesellschaft. Offenbar geht es uns wirtschaftlich und gesellschaftlich einfach zu gut, um sich beteiligen zu müssen. Ich hoffe zwar nicht, dass sich an unserer Lebensqualität etwas ändert, nur damit mehr Mitbürger an Wahlen teilnehmen. Dennoch wäre eine höhere Wahlbeteiligung ein Zeichen der Wertschätzung an all die Menschen, die irgendetwas zum guten Funktionieren unseres Landes, unseres Kantons und unserer Gemeinden beitragen. Barbara Josi

Gemeinderatspräsidentin Wimmis