Wenn im Chalet wieder Licht brennt

In der letzten Ausgabe Nr. 36 der Simmental Zeitung wird aufgezeigt, wie zwei junge Unternehmer aus Lommiswil mit neuen Kanälen und modernen Methoden frischen Schwung in die Bewirtschaftung von Ferienunterkünften im Simmental bringen. Das mag wirtschaftlich attraktiv sein – doch es zeigt auch eine Realität, bei der die Einheimischen das Nachsehen haben.

Diese Jungunternehmer kennen – so nehme ich an – den Standort, aber die Lebensrealität der Einheimischen kaum. Für sie ist es ein Geschäft und das machen sie sicher gut.

Auch die FEWO-Vermieter profitieren: Ferienwohnungen, Airbnb bringen Hunderte, manchmal Tausende Franken pro Monat ein. Für den Tourismus ist das erfreulich. Für die Bevölkerung hat es jedoch diese andere Seite. Der Wohnungsmarkt für Menschen, die hier leben, arbeiten und Teil der Gemeinschaft sind oder es zu beabsichtigen, ist völlig ausgetrocknet. Es gibt kaum und dazu noch bezahlbare Wohnungen.

Bezahlbarer Wohnraum bedeutet, dass man nicht mehr als ein Drittel seines monatlichen Nettoeinkommens für die Miete aufbringen kann. In einer Gemeinde, die steuerlich nicht zu den Günstigsten gehört, ist das besonders relevant. Doch wenn für eine 3½-Zimmer-Wohnung nun rund 2000 Franken verlangt werden – dann ist das für viele schlicht nicht machbar. Das ist keine Frage des Komforts, sondern der sozialen Realität. Ich selbst suche seit anderthalb Jahren eine Wohnung in Zweisimmen. Ein normales Zuhause mit Gästezimmer, zentral gelegen, da ich auf den ÖV angewiesen bin. Doch genau das ist kaum zu finden.

Interessant ist die Aussage der Eigentümer, es sei «zu anstrengend» langfristig zu vermieten. Da halten sie die Wohnungen dreiviertel des Jahres lieber leer oder vermieten sie als Airbnb oder Ferienwohnung als sie zu fairen Konditionen an Einheimische abzugeben. Das Ergebnis ist ein Wohnungsmarkt, der kaum noch existiert. Zweitwohnungen sind ja hier in Zweisimmen auch sehr beliebt.

Hier braucht es eine politische Diskussion. Ein Dorf lebt nicht von leeren Ferienwohnungen, Airbnbs oder Zweitwohnungen – es lebt von den Menschen, die das ganze Jahr hier sind. Von jenen, die arbeiten, Kinder grossziehen, Vereine tragen und das Dorf beleben. Gemeinden müssen sich fragen, wie sie Wohnraum für die lokale Bevölkerung sichern wollen: durch klare Regeln, durch Anreize für langfristige Vermietung oder durch eine Begrenzung von Zweit- und Ferienwohnungen. Es ist Zeit, dass wir im Simmental wieder darüber sprechen, wie wir Wohnraum für jene schützen, die hier Zuhause sind – und nicht nur für jene, die hier Ferien machen.