Literarischer Herbst Gstaad 2016
Beliebter Treffpunkt für Buchliebhaber und Autoren
Das Literaturfestival «Literarischer Herbst Gstaad» bringt seit 2010 bekannte Autorinnen und Autoren in die Region Gstaad-Saanenland. So lasen in den letzten Jahren etwa Peter Bichsel, Ruth Schweikert, die Trägerin des Büchner-Preises Felicitas Hoppe, die Trägerin des Deutschen und Schweizer Buchpreises Melinda Nadj Abonji, Lukas Bärfuss und viele andere im Rahmen des Festivals.
Der Literarische Herbst Gstaad verankert die Literatur als feste Grösse im kulturellen Kalender der Region. Die Besucherinnen und Besucher schätzen neben der einladenden Umgebung vor allem das abwechslungsreiche Programm und die persönliche Atmosphäre des Festivals, die eine sympathische Nähe zu den Autorinnen und Autoren erlaubt. Wenn die private Lektüre ein eher stilles Geschäft ist, so ermöglichen öffentliche Lesungen und die damit einhergehenden Gespräche ein gemeinschaftliches Erlebnis, das mehr und mehr Menschen fasziniert. Auch für die Autorinnen und Autoren ist der Literarische Herbst Gstaad zu einem wichtigen und beliebten Treffpunkt geworden.
Literarischer und musikalischer Auftakt am Donnerstag
Das diesjährige Programm enthält zahlreiche bekannte Namen und ermöglicht vielversprechende Entdeckungen: Den Auftakt am Donnerstag machen Guy Krneta & Louisen, die mit ihrer Hommage an Kurt Marti dessen beliebte «rosaloui»-Gedichte wieder aufleben lassen und literarisch und musikalisch weiterentwickeln.
Vielseitiger Freitagabend
Matthias Zschokke, der 2014 mit dem grossen Berner Literaturpreis ausgezeichnet wurde, bringt am Freitagabend seinen neuen Roman mit, in dem er einmal mehr hinter dem Gewöhnlichen das Unheimliche fühlbar macht. Eugène, dem Westschweizer Autor mit rumänischen Wurzeln, gelingt es immer wieder, dank seiner Fabulierlust und Erzählfreude zu begeistern. Der aus Berlin stammende David Wagner, der die erste Dürrenmatt-Gastprofessur an der Universität Bern innehatte, beeindruckte 2013 mit seinem Roman «Leben», in dem er auf eindrückliche Weise die Vorgeschichte und Geschichte einer Lebertransplantation erzählt und dafür auch gleich mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Und weil Wagner gerne wandert, begleitet er den Literarischen Spaziergang am Sonntagmorgen – bestimmt wird er passende Texte im Rucksack haben.
Lyrik am Samstagnachmittag
Lyrik hat am Literarischen Herbst Gstaad ihren festen Platz. Dieses Jahr werden am Samstagnachmittag Anja Kampmann und Jürgen Theobaldy lesen. Die junge Leipzigerin hat im vergangenen Frühjahr ihren ersten Lyrikband beim namhaften Hanser Verlag veröffentlicht und dafür viel Lob bekommen, Theobaldy hat sich bereits vor Jahrzehnten einen Namen als Lyriker gemacht, nach Gstaad bringt er einen Band mit Gedichten aus Japan mit.
Eingerahmt wird die Lyriklesung von der diesjährigen Preisträgerin des Rauriser Literaturpreises, der Österreicherin Hanna Sukare, und Judith Hermann. Sukare geht dem Schweigen in einer polnisch-österreichischen Familie nach, Judith Hermann spürt in ihrem jüngsten Erzählband «Lettipark» diesen kleinen alles entscheidenden Momenten nach, die oft unbemerkt so manches zu verändern vermögen.
Am Samstagabend darf sich das Publikum auf die junge Berner Autorin Meral Kureyshi und den Altmeister Adolf Muschg freuen. Kureyshi stand mit ihrem Debütroman letztes Jahr auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis. «Elefanten im Garten» ist ein feinfühliger Prosatext über den Verlust des Vaters, über Trauer und Abschied. Muschg gelingt es in seinen Romanen immer wieder, die menschlichen/männlichen Nöte mit feinem Witz und souverän in der Sprache darzustellen. In Gstaad wird er aus seinem, im letzten Herbst erschienenen Roman «Die japanische Tasche» lesen und Muschg hat sich als kultur- und gesellschaftspolitischer Schriftsteller und Germanistikprofessor auch mit den Werken seiner Kolleginnen und Kollegen auseinander gesetzt. Naheliegend also, dass er am Sonntagnachmittag Reto Sorgs Gesprächspartner im bereits traditionellen Robert-Walser-Gespräch sein wird, das den Abschluss des Literarischen Herbst Gstaad 2016 bildet.
Davor jedoch wird Melinda Nadj Abonji, Trägerin des Schweizer Buchpreises von 2010, mit einem neuen Romanprojekt auftreten.
Das Gymnasium Interlaken/Gstaad ist ebenfalls in den Literarischen Herbst Gstaad eingebunden. Die Schulveranstaltungen mit Autoren/-innen sowie der Besuch der Lesungen ermöglichen den Schülerinnen und Schülern einen neuen Zugang zu Literatur und Sprache.
Zu den Lesungen trifft man sich in diesem Jahr sowohl in Gstaad wie auch in Zweisimmen, Saanen und Schönried Die Verantwortung für das Programm liegt bei Liliane Studer (Muri b. Bern), unterstützt wird sie von Reto Sorg (Bern), während die lokale Organisationsgruppe die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse kennt und die Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort garantiert.
Liliane Studer