Eine Aktion der Schulzahnärzte
Zahn in Not…?
Mit dem Aufkommen der neuen Sport- und Freitzeitbeschäftigungen (Snowboard, Skateboard, Inline-Skates, Scooter usw.) sind in den letzen Jahren die Zahnunfälle im Steigen begriffen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass etwa 20 bis 30 Prozent aller sieben- bis 16-jährigen Schüler und Schülerinnen Frontzahnverletzungen der bleibenden Zähne erleiden. Am häufigsten sind die 10-jährigen Kinder betroffen. 40 Prozent der Unfälle passieren in der Schule, im Schwimmbad oder auf dem Sportplatz. Sportarten mit Stöcken oder Schläger sowie Feld- und Hallensportarten mit Körperkontakten zum Gegner oder schnellen Bewegungsabläufen bergen ein erhöhtes Verletzungsrisiko.
Bei Zahnverletzungen (Zahnfrakturen und Zahnverlust) mit Herausschlagen des ganzen Zahnes ist ein sofortiges Wiedereinsetzen des betroffenen Zahnes beim Zahnarzt für die spätere Prognose entscheidend. Die Zeitlimite beträgt ungefähr 15 bis 30 Minuten. Diese Frist kann leider selten eingehalten werden. Die überlebensnotwendigen Zellen sterben durch Austrocknen und Infektionen schnell ab. Als Folge muss der Zahn später gezogen werden. Die entstehende Zahnlücke wird vorerst mit Miniprothesen oder Klebebrücken ersetzt. Häufig bleiben aber knöcherne Defekte und Schleimhautdefizite bestehen, die im Erwachsenenalter nur mit grossem Aufwand wieder korrigiert werden können. Der verloren gegangene Zahn kann anschliessend mit einer künstlichen Wurzel aus Titan (Implantat) und einer Krone versorgt werden.
Allen Betroffenen steht seit kurzer Zeit eine spezielle Zahnrettungsbox mit einem Nährmedium zur Verfügung. So kann der Zahn bis zu 24 Stunden unter idealen Bedingungen transportiert und gelagert werden. Damit kann nach einem Unfall zuerst die Erstversorgung beim Hausarzt oder im Spital durchgeführt werden. Anschliessend wird der Zahnarzt die betroffenen Zähne versorgen können. Die replantierten Zähne müssen für knapp zwei Wochen geschient werden. Ein dauerhaftes Verbleiben kann bei diesem Verfahren zwar nicht in jedem Fall erreicht werden. Häufig kann aber der Zahn bis zum Erwachsenenalter erhalten bleiben. Die Versorgung mit einem Implantat gestaltet sich zu diesem Zeitpunkt häufig einfacher. Kleinere abgebrochene Zahnstücke sollen in ein feuchtes Stofftuch oder Gaze eingewickelt und feucht gehalten werden. Die Zahnfragmente können später mit Kunststoff wieder an den Zahn geklebt oder der Zahn mit einem Kunststoffaufbau versorgt werden.
Die Schulzahnärzte der Region Gstaad-Saanenland/Obersimmental stellen den Schulen in der Schulzahnpflegeregion solche Zahnboxen unentgeltlich zur Verfügung. Im Bezirksspital Saanen und Zweisimmen, in den Schwimmbädern Gstaad-Saanenland, Lenk und Zweisimmen sowie in allen Schulen in der Region stehen solche Boxen zur Verfügung. An diesen Stellen und in allen 40 Schulhäusern liegen Plakate mit weiteren Informationen über das Verhalten bei Zahnunfällen auf. Die Schulzahnärzte stehen für weitere Fragen gerne zur Verfügung und hoffen, dass mit dieser Aktion in Not geratene Zähne optimal versorgt werden können. In Zusammenarbeit mit der Erziehungsdirektion des Kantons Bern wird zudem eine Ausweitung der Aktion auf das ganze Kantonsgebiet vorbereitet. Dr. med. dent. Christian B. Tritten