Asyl-Unterkunft auf dem Jaunpass betriebsbereit

Übungsabbruch kommt nicht in Frage

Kein Grossaufmarsch zur Informationsveranstaltung des BFM vor der Militär-Unterkunft am Jaunpass. Rind Berna sorgte für die «musikalische» Begleitung.

Kein Grossaufmarsch zur Informationsveranstaltung des BFM vor der Militär-Unterkunft am Jaunpass. Rind Berna sorgte für die «musikalische» Begleitung.

Die Stimmung unter den knapp fünfzig Anwohnern und Interessierten im Zelt vor dem Eingang zur unterirdischen Militär-Unterkunft war gereizt und die Fragen prasselten zum Teil in recht gehässigem Ton auf die Veranstalter. Die Vizedirektorin des Bundesamtes für Migration und die für die Betreuung und die Sicherheit zuständigen Vertretern taten sich schwer, die Befürchtungen abzubauen. Angst hat man vor allem vor Übergriffen und Vandalismus durch die vorwiegend jungen und zum Teil traumatisierten männlichen Asylbewerber.

Viele offene Fragen

Warum eine so kurzfristige Einladung? Warum wurde die Orientierung auf 18 Uhr (zu Stallzeiten) angesetzt? Warum wurde nicht ein Standort in der Agglomeration oder z.B. im Gstaader Oberbort gewählt? Wie steht es mit der Sicherheit in der Anlage, gibt es genügend Notausgänge? Wie steht es um die Einsatzzeiten von Feuerwehr, Ambulanzen und Polizei bei einem Notfallereignis? Wer kommt auf die Idee, in einer vom Militär ab 1.1.2012 abgesprochenen Unterkunft Flüchtlinge unterzubringen? Wie sieht das Kosten/Nutzen-Verhältnis angesichts der beschränkten Grösse des Zentrums aus? Wer ist Ansprechperson vor Ort, wie und wann ist diese erreichbar? Wie sieht das Sicherheitskonzept aus? Wie gross ist der Ausgangsperimeter? Gibt es Notfallkonzepte? Wie werden die Asylbewerber aus den MAGREB-Staaten bei Minustemperaturen und Schnee reagieren? Wo werden die Einkäufe getätigt? Warum sind die lokalen Gastwirtschaftsbetriebe nicht auch betreffend Catering angefragt worden, usw.? Die Vorhalte gipfelten in der ultimativen Forderung: Übungsabbruch heute Abend!

Wenig klare Antworten

«Der Abbruch ist keine Option», erwiderte BFM-Vizedirektorin Evelin Gugger Bruckdorfer. Sie konnte oder wollte - mit Hinweisen auf die Vertraulichkeit der Konzepte – längst nicht alle Fragen beantworten, wies aber auf die grossen Erfahrungen in den fünf Bundeszentren in Grenznähe hin: «Das BFM betreut dort in Zusammenarbeit mit den auch auf dem Jaunpass tätigen Organsiationen 1200 Asylbewerber. Durch die Wirren in den feudal-diktatorischen MAGREB-Staaten wären aber derzeit mehr als 1000 weitere Plätze von Nöten». Sie garantierte für den Jaunpass die gleichen Sicherheitsstandards wie in den Grenzzentren. Das wird anders und besser sein als 2004. Diesmal handelt es sich nicht um ein kantonales Nothilfe-Zentrum, sondern um ein Durchgangs-Zentrum des Bundes. Das Ziel ist die möglichst schnelle Repatriierung der Asylbewerber. Die Gesetzgebung und internationale Verträge sind verantwortlich, dass ein Verfahren mehrere Monate dauern kann».

Gemeinde fühlt sich übergangen

Gemeindepräsident Fred Stocker und Gemeinderatspräsident Andreas Hutzli bestätigten an der Informationsveranstaltung ihre – in den Medien bereits verbreitete – Zurückhaltung gegen die BFM-Absichten. Res Hutzli verhehlte seine Enttäuschung über das Schnellschuss mässige Zustandekommen der Unterbringung in der Landwirtschaftszone nicht. Er bestätigte aber, dass die Gemeinde die gesetzlichen Aufgaben (Feuerwehr, usw.) leisten werde: «Die Entscheide sind über die Köpfe der Boltiger Behörde gefällt worden. Der Betrieb ist deshalb Sache des Bundes». Gemeindepräsident Fred Stocker sparte ebenfalls nicht mit Kritik, schlug aber zum Schluss auch versöhnliche Töne an: «Es gäbe andernorts, so auch in Boltigen, bessere Standorte. Ich werde gut aufpassen und ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung haben. Machen wir das Beste draus!». Neben diesem Appell gab es aus den Reihen der Besucher auch gutgemeinte Vorschläge wie z.B. Kochen und Einkaufen als Beschäftigungstherapie; begleitete Ausfahrten nach Bulle zum «Kömerle», gemeinsames Essen in der Unterkunft oder Angebote von einheimischen Alp-Produkten für den Menüplan. Und schlussendlich appellierte eine Besucherin für ehrliche Verträge mit Entwicklungsländern und für die Hilfe vor Ort: «Mit dem ausbeuterischen Verhalten sind die reichen Staaten an der Misère in den Drittwelt-Ländern mitverantwortlich».

Provisorische Notfall-Nummer

Die Veranstaltung brachte insgesamt wenig Neues. Besucher sprachen denn auch von einer improvisierten und ungenügenden vorbereiteten Veranstaltung. Immerhin konnte am Schluss die (vorerst nur provisorische) Telefonnummer der Zentrumsleitung bekannt gegeben werden. Sie lautet: 079 903 37 60. Es bleibt zu hoffen, dass die Verbindung auch im Innern der Unterkunft möglich ist. Die emotionale Diskussion im «Festzelt» wurde begleitet durch die heimeligen Glocken- und Treichelklänge der weidenden Rinder «Berna» und ihren Kolleginnen. Frau Gugger Bruckdorfer empfand das Gebimmel als «beeindruckende Geräuschkulisse». Wie werden wohl erst die Asylbewerber auf diese für sie ungewohnte Art von Unterhaltung reagieren? Ernst Hodel