Die Bergbahnen der Destination Gstaad (BGD) kämpfen an den verschiedensten Fronten
Die Gemütslage von Direktor Armon Cantieni ist durchzogen wie das Wetter
Die einleitende Frage an den BDG-Direktor nach seinem Befinden anlässlich eines Gesprächs am vergangenen Montag fiel nicht ganz unerwartet aus: «Durchzogen wie das Wetter». Einerseits freut sich Armon Cantieni über den zufriedenstellenden Vorverkauf von Saisonabonnementen und über die ersten positiven Facebook-Feedbacks zum neuen Snowpark am Hornberg. Andererseits bedrücken ihn der schleppende Gang in Sachen Restrukturierung und Sparmassnahmen, die Ablehnung der Erschliessungsvariante für das Saanersloch- und Hornbergskigebiet, die Querelen um den Ticketaustausch mit Lenk/Adelboden und der aufgedeckte 500 000-Franken-Betrugsfall.
Die fast 12'000 verkauften BDG-Saisonpässe (+16 Prozent gegenüber dem Vorjahr) stellen einen Rekord dar. Auch bei den neu lancierten Superpässen mit den Alpes Vaudoises liegt man mit 1200 Verkäufen über der Zielsetzung von eintausend Pässen. Diese erfreulichen Tatsachen begründet Armon Cantieni mit der Ausweitung des Vorzugstarifs (und nicht des Einheimischentarif, wie in der Print-Ausgabe irrtümlich geschrieben stand) ins Niedersimmental und nach Thun und dem neuen Snowpark in Saanenmöser. Erste Facebook-Eintragungen dazu waren äusserst positiv.
Allerdings dürften die im Vorverkauf erzielten Einnahmen nicht in gleichem Mass steigen. Die gewährten Rabatte reduzieren den durchschnittlichen Abonnements-Erlös!
In der Frage um den Ticketaustausch mit der Skiregion Adelboden Lenk gibt sich Cantieni unmissverständlich: «Die von den Nachbarn ausgeweitete Zone für Einheimische in unser Kerngebiet (bis nach Rougemont) hat uns zu dieser Massnahme bewogen. Den Ticketaustausch wird es in dieser Form nicht mehr geben».
Die Abschaffung war auch an der Gemeindeversammlung in St. Stephan thematisiert worden. Ebenso dezidiert fällt die Antwort auf die Frage nach den unterschiedlichen und ebenfalls von vielen hinterfragten Saison-Startzeiten aus: «Am Wochenende vom 8./9. Dezember haben wir mit den in Betrieb genommenen Anlagen in Saanenmöser und Schönried ein gegenüber der Konkurrenz überdurchschnittliches Angebot bereitgestellt. Weitere Inbetriebnahmen rechtfertigten sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht. Die auswärtigen Gäste waren sehr zufrieden. Eine Auto- oder Bahnfahrt nach Saanenmöser ist auch für Einheimische zumutbar, Unterländer nehmen dafür ein Mehrfaches an Zeit und Aufwand in Kauf».
Die vielen kritischen Eingaben haben beim BDG-Chef Spuren hinterlassen und er ist in der aktuellen Situation nicht zu beneiden. Der Spagat zwischen den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen – für die er als BDG-Direktor verantwortlich ist – und den von Politik und Bevölkerung diktierten volkswirtschaftlichen Interessen, ist kaum zu bewerkstelligen. Im vergangenen Herbst hatte er seinem Verwaltungsrat zehn Sparvorschläge unterbreitet. Gefragt nach dem Stand dieser Vorschläge fällt die Antwort knapp und deutlich aus: «Kein Kommentar». Das lässt Spielraum offen für Interpretationen: Hat der Verwaltungsrat die Massnahmen abgelehnt oder wurden sie vom Runden Tisch der Gemeinden beerdigt?
Die Runde der GemeindevertreterInnen hat übrigens am 12. Dezember – auf Einladung der Gemeinde Saanen und ohne BDG-Teilnehmer! – getagt. Handlungsbedarf sei vonnöten, aber Einzelheiten zu Traktandenliste und über allfällige Beschlüsse waren nicht zu erfahren.Armon Cantieni ist enttäuscht: «Mir sind die Hände gebunden. Selbst kleinste Sparanstrengungen (z.B. Schliessung Läger-Skilift) stossen auf Kritik. Der Druck aus Politik und Bevölkerung gegen absolut notwendige Veränderungen ist gross. Betriebswirtschaftliche Überlegungen spielen im Saanenland weiterhin eine untergeordnete Rolle».
Auch bezüglich der kostenoptimierten Neuerschliessung des Skigebiets Saanersloch-Hornberg steht die BDG im Gegenwind. Aus Kostengründen (Investition und Betrieb) setzte man auf eine direkte Hornberg-Erschliessung ohne Mittelstation ab Saanenmöser. Dieser Vorschlag hat sich nach der Konsultation der Landeigentümer wohl erledigt. Cantieni dazu: «Die Landeigentümer sind wichtige Partner und einzelne von ihnen fühlten sich durch das neue Projekt in ihren privaten Absichten betroffen. Mehrkosten sind nun wohl nicht zu umgehen. Immerhin dürfte ein 1:1-Ersatz (gleiche Linienführung) keine zeitlichen Verzögerungen mit sich bringen. Ablauftechnisch wäre ein solcher Ersatz schneller zu realisieren».
Ein weiteres Dauerthema ist die Berg-Gastronomie. Geleitet vom neuen Verantwortlichen Michael Bähler arbeitet man an der Umsetzung verschiedener Massnahmen. So wird die Selbstbedienung im Videmanette-Restaurant abgeschafft und wie anderorts mit dem international anerkannten System «Orderman» geleitet. Die welschen Gäste hatten keine Freude am Mischbetrieb.
Eine interne Rochade musste auf der Wispile vorgenommen werden. Nach massivem Umsatzverlust unter dem erst vor kurzem eingesetzten Leiter führt nun Michael Bähler, unterstützt von Küchenchef Charly Blum, den Betrieb vorläufig ad interim.
VR-Präsident Richard Kummrow hatte an der ordentlichen GV vom vergangenen Herbst die Anträge auf Entlastung der Verwaltung und die Wiederwahl der Revisionsstelle BDO-Visura zurückgezogen. Am 29. Januar sollen diese Traktanden nun an einer ausserordentlichen GV nachträglich behandelt und beschlossen werden. Als neue Revisionsstelle wird die Treuhandgesellschaft KPMG vorgeschlagen. Unter der neuen Revisionsstelle ist auch die Einführung eines neuen Rechnungsmodells (Swiss GAAP FER 21) geplant. Das soll u.a. mehr Transparenz und eine praxisnähere Abschreibungsmethode zur Folge haben. Die Revision nach GAAP FER 21 stellt gegenüber den heutigen Revision nach OR erhöhte Anforderungen (in der Print-Ausgabe war irrtümlich von einer allenfalls eine eingeschränkte Revision die Rede).
Weder der bisherigen Treuhandgesellschaft (BDO Visura) noch dem Kader oder dem Verwaltungsrat waren die mutmasslichen und offenbar äusserst raffiniert umgesetzten Veruntreuungsdelikte einer langjährigen Mitarbeiterin aufgefallen.
P.G. aus Zweisimmen soll während rund zehn Jahren eine Summe von mehr als einer halben Million Franken unterschlagen haben. BDG-Direktor Cantieni zu diesem bedauerlichen Thema: «Die Manipulationen in der Buchhaltung und die gefälschten Saldomeldungen (REKA-Kontos) wurden von der Revisionsstelle nicht entdeckt und haben auch Lücken im internen Kontrollsystem aufgezeigt. Am 24. Januar wird – endlich – eine erste Einvernahme der BDG-Zuständigen durch den Untersuchungsrichter in Thun erfolgen». Die Chance, etwas vom verschwundenen Geld zurückzuerhalten, scheint klein zu sein.
Zusammenfassend überwiegen für den BDG-Manager derzeit also die Sorgen über die Vorfreude auf eine gute Wintersaison und hinterfragt immer mehr seine Rolle: «Ich stehe weiterhin mit Engagement und Herzblut für die Bergbahnen und ihre MitarbeiterInnen ein, aber meine Hände sind gebunden. Vieles was im Sinne der Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Situation absolut dringend eingeleitet werden müsste, ist aus vertraglichen, politischen und volkswirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar. Die negativen Auswirkungen des vor Jahren abgelehnten Konzepts «flex» werden nun klar ersichtlich».