Elektrizitäts-Genossenschaft Diemtigen

Frei von Schulden und 5 Prozent Rabatt für die Strombezüger

Lorenz Kunz, Oey, Präsident der Elektrizitäts-Genossenschaft Diemtigen (EGD) konnte an der Hauptversammlung vom vergangenen Donnerstag seinen Genossenschaftern gute Nachrichten bekannt geben: Einerseits hat die EGD ihre Schulden nun vollumfänglich abbezahlt und angesichts des günstigen Jahresergebnisses kommen alle Strombezüger in den Genuss eines rückwirkenden Rabatts von 5%. Der 80-jährige Lokalhistoriker Oswald Bettler berichtete im Anschluss an die HV über die leidvolle Entstehungsgeschichte der Simmentaler Kraftwerke.

Präsident Lorenz Kunz und Kassier Urs Küng können zufrieden sein. Der Schuldenberg der Elektritäts-Genossenschaft Diemtigen ist von einer Million Franken auf Null abgetragen worden.

Präsident Lorenz Kunz und Kassier Urs Küng können zufrieden sein. Der Schuldenberg der Elektritäts-Genossenschaft Diemtigen ist von einer Million Franken auf Null abgetragen worden.

Am gleichen Tag als die Bernischen Kraftwerke eine Strompreis-Erhöhung um rund 10% ankündigen mussten, durften die versammelten Genossenschafter der Elektrizitäts-Genossenschaft Diemtigen zur Kenntnis nehmen, dass ihnen rückwirkend auf den 1. Oktober 2009 ein Rabatt von 5% auf den Strombezügen gewährt wird. In diesen Genuss kommen mehr als 300 über das EGD-eigene Verteilnetz versorgte Strombezüger im Diemtigtal.

Schulden: Von einer Million auf Null

Ebenfalls nur Erfreuliches konnten Urs Küng, Sekretär/Kassier und die beiden Warte Ueli Erb und Toni Kernen über das abgelaufene Geschäftsjahr bekannt geben. Der Jahresertrag beläuft sich auf rund 350 000 Franken. Alle Schulden – einst betrug die Schuldenlast eine Million Franken – sind abbezahlt. Abgesehen von einzelnen Schäden (durch wegen der Schneelast umgestürzter Bäume) mussten keine ausserordentlichen Unterhaltsarbeiten getätigt werden.

Neue Investitionen wären möglich

Das gute Ergebnis und die Rahmenbedingungen wären nun günstig, um zusammen mit anderen Partnern an die Realisation von Kleinwasserkraftwerken zu gehen, erklärte Lorenz Kunz den Anwesenden. Der Vorstand wurde beauftragt, mit den Verantwortlichen der Wassergenossenschaft Diemtigen Kontakt aufzunehmen, um die Möglichkeiten zur Energie-Erzeugung aus der Trink- und Löschwasserversorgung im Tal zu prüfen. Das Potential wäre vorhanden und die topografischen Voraussetzungen scheinen solche Vorhaben zu begünstigen.

Leidvolle Entstehungsgeschichte der Simmentaler Kraftwerke

Zeitzeuge und Lokalhistoriker Oswald Bettler aus Därstetten (in Faulensee zuhause), vermittelte mit einem über sechzig Jahre alten historischen Film-Dokument und mit Dias die Entstehungsgeschichte der Simmentaler Kraftwerke. Während mehr als dreissig Jahren, von 1912 bis 1946 hatte der Regierungsrat – zu fünft im BKW-Verwaltungsrat sitzend – das Vorhaben der Simmentaler Gemeinden blockiert. Diese planten die Nutzung der Wasserkraft der Simme (ab Oberwil), des Ober- und Hinterstockensees am Stockhorn und der Wasserläufe im Diemtigtal. Oswald Bettler wusste sehr interessant von den Quellverkäufen, den Planungsarbeiten des legendären Bau-Ingenieurs Flury, der Genossenschaftsgründung (1913), von der gross angelegten Geldbeschaffungsübung und von den – vom Kanton verschleppten und schlussendlich abgelehnten – Baugesuchs-Akten zu berichten. Eine tragende Rolle als Verhinderer spielte damals Regierungsrat Robert Grimm, der Jahre zuvor als Verfechter kommunistischer Parolen auf Schloss Blankenburg in Haft gesessen hatte.

Bauen ohne Bewilligung

Überaus harte Leistungen der Bauarbeiter bei Wind und Wetter, in Winterzeiten und in steilem Gelände führten schlussendlich zum Erfolg. Trotz Bauverbot waren Druckleitungen und Zentrale erstellt worden und nicht einmal eine richterliche Verfügung konnte die Bauherren am 17. Mai 1946 vom Durchbruch des Wasserstollens in den Stockensee hindern. Die Verfügung, vom Regierungsstatthalteramt Wimmis, telefonisch an den Bahnhof Erlenbach übermittelt und dann via polizeilichen Meldeläufer ins Chrindi unterwegs, war geschickt verzögert worden: Die Bauherren hatten den trinkfesten Ortspolizisten zum Genuss eines «Halbeli’s» ins Gasthaus umgeleitet.

Konkurs und Übernahme durch die BKW

Nicht zuletzt wegen den Verhinderungsaktionen der Regierung gerieten die Initianten schon während dem Bau in arge Geldnöte. Die beiden Bauunternehmungen (Oswald Bettler ist der Sohn des damaligen Baugeschäftes Bettler) mussten hunderttausende von Franken ans Bein streichen. Das war die Stunde der Revanche der Regierung und der Bernischen Kraftwerke. Die BKW konnten die inzwischen überaus gewinnträchtigen Anlagen für ein Butterbrot übernehmen. Oswald Bettler ist noch heute der Ansicht: «Der Staat hat den Simmentaler Gemeinden eine gute Sache und Millionenerträge gestohlen!» Ernst Hodel

Oswald Bettler ist einer der letzten Zeitzeugen des Kraftwerkbaus im Simmental. Seine von Dias und Film begleiteten Ausführungen fanden an der Hauptversammlung der EGD viel Bewunderung.

Präsident Lorenz Kunz und Kassier Urs Küng können zufrieden sein. Der Schuldenberg der Elektritäts-Genossenschaft Diemtigen ist von einer Million Franken auf Null abgetragen worden.

Präsident Lorenz Kunz und Kassier Urs Küng können zufrieden sein. Der Schuldenberg der Elektritäts-Genossenschaft Diemtigen ist von einer Million Franken auf Null abgetragen worden.