Auch im Simmental läuteten die Glocken in Gedenken für Crans-Montana

Fünf Minuten des Innehaltens als Zeichen der Solidarität

Der Bundesrat hatte in Zusammenarbeit mit den Schweizer Kirchen den 9. Januar 2026 zum nationalen Trauertag erklärt. Aus diesem Grund hat der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz in Absprache mit der Schweizerischen Bischofskonferenz und der Christkatholischen Kirche der Schweiz zu einem nationalen Glockengeläut um 14 Uhr aufgerufen. In St. Stephan und Zweisimmen fanden in den reformierten Kirchen im Anschluss Gedenkandachten statt.

Die Glocken im Berner Münster.

Die Glocken im Berner Münster.

Überall auf der Welt geschehen immer wieder grosse Katastrophen, in denen viele Menschen sterben, schwerste Verletzungen erleiden und auch grosses seelisches Leid erfahren. Immer noch werden auf der Welt Kriege geführt und grosses Elend und Leid verbreitet. Für uns Menschen in der Schweiz sind diese Ereignisse meist weit entfernt. Die Bilder in den Medien rufen bei uns Betroffenheit, Entsetzen und vielleicht auch Trauer hervor und doch ist eine Distanz da. Die schwere Brandkatastrophe in Crans-Montana, bei der 40 meist junge Menschen starben und 116 weitere grösstenteils schwer verletzt wurden, berührt uns durch die unmittelbare Nähe direkter und führt uns vor Augen, wie zerbrechlich das Leben ist – und wie fragil das Glück sein kann: Eben noch ausgelassenes Feiern und dann innerhalb weniger Minuten grosses Leid. Es könnten unsere Kinder, Enkelkinder, Freunde oder Freundinnen sein.

Als verbindendes und kraftvolles Zeichen der Solidarität, des Mitgefühls und des gemeinsamen Erinnerns an die Opfer des tragischen Ereignisses von Crans-Montana standen am schweizweiten Gedenktag am 9. Januar 2026 um 14 Uhr vielerorts die Räder still. Gleichzeitig erklang in der ganzen Schweiz und auch in den Kirchgemeinden des Simmentals das Läuten der Kirchenglocken. In den Obersimmentaler reformierten Kirchgemeinden in St. Stephan und Zweisimmen fanden im Anschluss an das Trauergeläut Andachten statt, die sehr gut besucht waren.

Beten und Einstehen füreinander auch in St. Stephan

In St. Stephan hatte die reformierte Kirchgemeinde gemeinsam mit der reformierten Kirche Lenk, der EMK Lenk, der Gemeinde für Christus und dem Gebetshaus St. Stephan wie auch dem Evangelischen Gemeinschaftswerk Matten zu einer Gedenkfeier eingeladen, welche durch Nicole Humm und Andreina Niederhäuser musikalisch begleitet wurde. Pfarrer Daniel Röthlisberger gedachte mit guten Worten und einer Fürbitte an die Verstorbenen und rief zur Verbundenheit mit den Verletzten und ihren Angehörigen auf. Gleichzeitig stand die Feier auch im Zeichen des Dankes an alle, die mit unermüdlichem Einsatz dafür sorgen, dass die Krise bewältigt werden kann, insbesondere an die Rettungskräfte, die Menschen im medizinischen, psychologischen, seelsorglichen Dienst aber auch die politischen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger.

Als Zeichen der Solidarität wurden Kerzen angezündet und Pfarrer Röthlisberger bat in der Fürbitte um Halt und Trost: «Schenk bitte Halt und Trost und die Hilfe und Unterstützung, welche die Betroffenen nötig haben. Gib ihnen wieder neue Perspektiven zum Weiterleben, diese brauchen jetzt viele. …und dass – trotz aller Erinnerungen und dem unwiederbringlichen Verlust – der innere Frieden und neues Lächeln-Können wieder zurückkehren darf. Es wurde aber auch an die anderen von Krieg und Terror betroffenen Länder gedacht. Und ebenfalls «hie bi üs im Simmental gits Lüt u Nachbure, wo d Existenz, dr Alltag, ds Gsundheit, ds Familieläbe e tägleche Kampf isch – d Gründ si ungerschiedlech. Vergässe mer die nid!»

Andacht in Zweisimmen unter Mitwirkung von Jugendlichen

Auch in Zweisimmen beteiligte sich die reformierte Kirche an diesem landesweiten Zeichen. Fünf Minuten lang erfüllte das Läuten der Kirchenglocken das Dorf mit einem stillen, würdevollen Klang, der zum Innehalten einlud. Für einen Moment trat der Alltag in den Hintergrund und machte Raum für Trauer, Erinnerung und Verbundenheit.

Im Anschluss an das Glockengeläut fand in der Kirche eine Gedenkandacht statt, welche Pfarrerin Isabel Altmann gemeinsam mit Jugendlichen der Volksschule Zweisimmen gestaltete. Gebete, Lieder und eine Predigt über das kollektive Trauern prägten die Gedenkandacht. Pfarrerin Altmann sprach von der Sinnlosigkeit dieses Unglücks – einer Sinnlosigkeit, die Fragen aufwirft, auf die es angesichts eines solchen Ereignisses keine Antworten gibt. Doch gerade diese Fragen sind erlaubt. Es ist kein Fragen, das Gott erklären wolle, sondern eines, das ihn anruft. Solche Fragen dürfen uns verändern, sensibler machen für das Leben, achtsamer im Umgang miteinander und wacher für das, was wirklich zählt. Gottes Gegenwart, so Pfarrerin Altmann, zeigt sich nicht im Wegnehmen des Schmerzes, sondern im Mitgehen durch den Schmerz hindurch.