Geschlossene Pisten – die Sonnenterrassen bleiben leer

Nach den Festtagen durfte die SZ über zufriedenstellende bis sehr gute Umsätze der Simmentaler Bergbahnen und Skiliftanlagen berichten. Schon damals war aber klar: Wer über ein beschneites Pistenangebot verfügt, liegt klar im Vorteil. Die anderen warten – auch fünf Wochen später – auf ein Einsehen von Frau Holle. Betroffen sind neben den Bergbahnen auch die Betreiber von Bergrestaurants, Ski-Stüblis und -Bars.

Geschlossene Pisten – die Sonnenterrassen bleiben leer

Im Gebiet St. Stephan–Gandlauene–Chaltenbrunnen, auf dem Jaunpass, auf Springenboden und auf der Grimmialp standen oder stehen Sesselbahnen und Skiliftanlagen seit Wochen still. Das führte auch zu grossen Umsatzeinbussen für die betroffenen Restaurantbetriebe. Dass die Öffnung der Pisten im Gebiet St. Stephan–Kaltenbrunnen und damit der Anschluss an die beschneiten Pisten Rinderberg und Saanersloch – wenn auch spät – möglich wurde, ist dem Grosseinsatz der Pistenmaschinenfahrer zu verdanken. Sie holten aus der dünnen Unterlage das Maximum hervor. Bleibt es weiterhin so mild und fällt nicht bald Schnee, dürfte die Pistenunterlage nur wenige Tage standhalten und eine neuerliche Betriebseinstellung wäre die Folge.

Chemistube: Investitionen bleiben auf der Strecke

Die Chemistube Längenbrand ob St. Stephan blieb nun während 29 Tagen vom Skibetrieb «abgehängt». Wirt André Kohli ist einigermassen enttäuscht: «Wir verstehen nicht, dass die Anlagen Richtung Saanersloch trotz guten Bedingungen, herrlichem, kaltem Winterwetter und Nebel im Unterland nicht wenigstens eine Woche früher in Betrieb genommen worden sind. Wir haben darum bei der BDG-Direktion interveniert. Die künstliche Beschneiung dieser Pisten muss nun ganz dringend an die Hand genommen werden, sonst wandern unsere Skigäste in andere Regionen ab. Dank finanziellen «Polstern» aus den Vorjahren konnten wir immerhin unsere fest angestellten MitarbeiterInnen entschädigen. Auf der Strecke bleiben so aber das Teilzeitpersonal und die Bildung von Reserven für dringende Ersatzinvestitionen».

Ritz-Bar: Ein Viertel des Winterumsatzes ist verloren

Christoph Krebs, Betreiber der 2005 eröffneten Ritz-Bar am Längenbrand teilt die Meinung seines Kollegen: «Ein Viertel unseres Winterumsatzes ist futsch. Die Investitionen in neue Bahnen sind reine Geldverschwendung, wenn nicht gleichzeitig auch das Pistenangebot stimmt. Viele unserer Gäste verstehen auch nicht, dass bei der Pistenpräparation so rigoros gespart wird. Wegen der Schliessung der schwarzen Piste kann zum Beispiel kein Junioren-Training mehr stattfinden, was sich in Zukunft als Bumerang für die Bergbahnen herausstellen wird. Wenn der Einstieg im Tal nicht verbessert wird, werden bald alle Gäste aus St. Stephan nach Lenk zum Skifahren gehen».

Skistübli Chalberweid: Zeit für das Grosskind

Das Skistübli Chalberweid – nach der Schliessung des Skilifts seit längerem ohnehin abseits der Hauptpisten – war vom 6. Januar bis am 4. Februar geschlossen. Die Piste Chalberweid konnte auch jetzt nicht präpariert werden. Wirtin Annemarie Moor verströmt trotz der schwierigen Situation gute Laune: «Die Situation ist für uns nicht neu. Vor zwei Jahren konnten wir den Betrieb erst am 19. Februar aufnehmen. In diesem Winter hatten wir bisher nur an elf Tagen offen. Seit mehr als vier Wochen hoffen wir auf Neuschnee. Immerhin blieb mir so viel Zeit, um mit meinem Grosskind spazieren zu gehen. Trotz Garantielohn ist die Situation aber für unsere beiden Mitarbeiterinnen schwierig. Eine Angestellte hat inzwischen in eine Stelle nach Bern gewechselt».

Taverne Jaunpass: Es kommt, wie es kommen muss

Jürg Allemann, seit drei Wintern Taverne-Wirt am Jaunpass, zeigt sich einigermassen gelassen: «Wir nehmen es wie es kommt, ändern können wir eh nichts. Unsere Situation ist mit den eigentlichen Ski-Restaurants ohnehin nicht zu vergleichen. Der Jaunpass zieht ausser den Skifahrern ein vielseitiges Publikum an. Wanderer, Ausflügler und Schneeschuhtouristen schwärmen von der grossartigen Umgebung und geniessen das herrliche Wetter. Was den Bau von Kunstschneepisten anbelangt, bin ich zurückhaltend. Diese sind nicht überall die Lösung des Problems, sondern führen nur zu neuen Sachzwängen und neuen Kosten.

Springenboden/Gsässweid: Tummelplätze für Kinder

Geschlossene Anlagen findet man auch im Diemtigtal. Auf der Grimmialp und auf Springenboden sind seit Wochen nur die Kinder-Schlepplifte in Betrieb. Auf den bestens geeigneten, mit Kunstschnee präparierten und mit kinderfreundlichen Einrichtungen ausgestatteten Tummelplätzen vergnügten sich am vergangenen Wochenende viele Familien mit kleineren Kindern. Allerdings ist dieses Angebot eher als kostengünstiges Dienstleistungsangebot der Betreiber zu verstehen. Auf Springenboden kostet die Tageskarte acht Franken; damit können im besten Fall die Betriebskosten gedeckt werden. Peter Neukomm, Gsässweid-Wirt und Präsident der Springenboden-Skilifte sieht keine Möglichkeit, seine Skipisten mit Kunstschneeanlagen auszustatten: «Der Bau und der Betrieb könnte kaum finanziert werden. Wir leiden schon ohne diese Einrichtungen unter den hohen Kosten für Unterhalt, Versicherungen, Bewilligungen und anderem mehr. Geht das mit den milden Wintern so weiter, so stellt sich auch bei uns gelegentlich die Frage nach der Zukunft der Liftanlagen».

Beschneiung: Bau im Jahr 2011 unsicher

Trotzdem dürfte der Ruf nach dem Bau von Beschneiungsanlagen nach diesem Winter an verschiedenen Orten wieder zum Diskussionsthema werden. Im BDG-Skigebiet zwischen St. Stephan und Saanersloch war der Ausbau gemäss dem Investitionskonzepts der BDG eigentlich für 2009–2011 vorgesehen. Zwingende Ersatzinvestitionen im Bereich Transportanlagen (Rougemont–Videmanette, u. a.) haben dieses Programm durcheinander gewirbelt. Eine Ausführung im kommenden Sommer ist unsicher. Direktor Armon Cantieni zeigt sich zurückhaltend. Er weist auf das bisherige enorme Investitionstempo der BDG hin und wünscht sich eigentlich vorerst einmal eine Phase der Konsolidierung. Ernst Hodel

«Sünnele» auf den Terrassen der Bergrestaurants bei 16 Grad.

«Sünnele» auf den Terrassen der Bergrestaurants bei 16 Grad.

Tummelplatz für Kinder und Familien auf Springenboden.

Tummelplatz für Kinder und Familien auf Springenboden.