Alters- und Pflegeheim Halten Lenk
20 Jahre sind genug
Von links nach rechts: Vreni Salvisberg, neue Hausdienstleitung (ad interim), Brunhilde Vierig, ex. Hausdienstleitung, Doris Toscano, neue Heimleitung, Daniel Schneider, ex. Heimleitung, Lotti Schneider, ex. Heim- und Pflegedienstleitung, Brigitte Riesen, neue Pflegedienstleitung, Ruth Kilchör, ex. Betriebskommissionspräsidentin, Daniela Zeller, neue Betriebskommissionspräsidentin.
Vor 20 Jahren verkauften wir unser Haus in Oberhofen am Thunersee. Wir verliessen die traumhafte Gegend und zogen an die schöne Lenk. Wir «Unterländer» freuten uns, in einem Winterkurort arbeiten zu dürfen, vor allem wegen des Schnees und dem Skifahren. Nun, die Lenk im Winter 1989 war alles andere als ein Winterkurort. Um die Weihnachts- und Neujahrszeit konnten wir schöne Wanderungen und Biketouren unternehmen. Vor allem aber durften wir uns mit der neuen Aufgabe als Heimleitung des Alters- und Pflegeheims Lenk beschäftigen. Am 6. Dezember empfingen wir die ersten Bewohner vom «Burgbühl» früher auch «Spittel» (heutiges Wohnheim Bärgquelle) genannt. Wir staunten, wie sich diese Menschen schnell im «Fünfsterne-Hotel» einlebten und wohl fühlten. Es zog eine Bewohnerin mit 102 Jahren in das damals neue «Leichtpflegeheim» ein. Sie starb 106 jährig – unseres Wissens wohl die älteste Einwohnerin von Lenk. Auch unsere Mädchen, damals 14- und 16-jährig, fühlten sich bald wohl an der Lenk. Die Jüngere rebellierte zwar noch zu Beginn, musste sie doch Abschied nehmen von ihren Kameraden, von ihrem geliebten Wohnort und das letzte Schuljahr an der Lenk absolvieren. Als sie bereit war, sich auf das Neue einzulassen, gewann sie bald neue Freunde und lernte die Lenk lieben und schätzen. Nach dem 10. Schuljahr in Zweisimmen besuchte sie in Bern das Kindergartenseminar. Unsere ältere Tochter absolvierte die Pflegefachschule in Bern und beide konnte bei ihrer Grossmutter in Hinterkappelen wohnen. Sie genossen jeweils die Abwechslung vom hektischen Stadtleben zu den entspannten Wochenenden an der Lenk.
Für mich und meinen Mann begann eine neue Ära. Wir engagierten uns vom ersten Tag an für dieses Altersheim, führten es als wär es unser eigener Betrieb (wirtschaftlich gesehen) und erlebten erfüllte und interessante Tage, die in der Regel länger dauerten als 9 Stunden. In diesen 20 Jahren gab es für mich als Heim- und Pflegedienstleiterin sowie Familienfrau zwei Prioritäten. Die eine war mein Berufsalltag, die andere unsere Familie. Nebst meinem intensiven beruflichen Alltag absolvierte ich Kurse in Psychologie und Soziologie und später die Ausbildung zur diplomierten Erwachsenenbildnerin EWB. Ich merkte bald, dass ich mich nicht nur im pflegerischen und medizinischen Wissen weiterbilden musste, sondern vor allem zum Thema Menschenbildung – Erwachsenenbildung. Meine Aufgabe hat mir in all den Jahren viel Freude bereitet. Später liess ich mich in einem 4-jährigen Lehrgang zur Yogalehrerin ausbilden, wo ich auch einige Zeit Kurse anbot.
Unsere beiden Töchter wurden erwachsen, gründeten Familie und Grosskinder bereicherten unsern Alltag. So entschloss ich mich die Yogakurse aufzugeben und mich vermehrt meiner Familie zu widmen. Auch mein Ehegatte hat sich für die Aufgabe als Heimleiter sehr engagiert und musste sich mit 54 Jahren in das neue Computer-Zeitalter einarbeiten. In seiner Freizeit erholte er sich in der Luft, er war (und ist auch heute noch) ein passionierter Gleitschirmflieger. Darum gründete er das Unternehmen «Dany’s Para-Taxi», welches kürzlich in PARAGLIDING LENK integriert wurde und er auch sehr engagiert führte. Er flog unzählige Passagiere und konnte vielen Menschen die Lenk, die Berge und die wunderschöne Natur von oben zeigen, ein spezielles Erlebnis.
So konnten wir immer wieder Kraft schöpfen für unser Aufgabe. Als Heimleitung in einem kleinen Haus mit 31 Heimbewohner ist man «Mann oder Frau für alles». So wurde auch manchmal nach dem «Direktor des Hauses», der «Hausmutter», dem «Hüttenwart» oder dem «Hausmeister» gefragt. Ja und so fühlten wir uns auch. Je nach Situation und was der Betrieb erforderte, was Menschen benötigten, stellten wir uns der Aufgabe. Diese waren so vielfältig, verlangten immer wieder eine grosse Flexibilität, viel «Gspüri», Geduld aber auch eine klare Haltung und manchmal eine «strenge Hand». Es gab auch Mitarbeiter, die meinten es ginge «militärisch» zu (die waren noch nie im Militär!). Nun, auch das gehörte zu unserm Alltag; wir konnten (und wollten) es nicht allen Recht machen. Das war auch nicht möglich. Unser Fokus, unsere Orientierung richtete sich immer auf das Wohlbefinden der Pensionäre. Um dieses Ziel zu erreichen haben uns in all den Jahren viele wertvolle Mitarbeiter, Angehörige, freiwillige Helferinnen, Vereine, Behördemitglieder, Ärzte und Bekannte unterstützt. Vor allem aber die Bewohner, die in wunderbarer weise mit viel Geduld, Tapferkeit und Optimismus ihren letzten Lebensabschnitt bewältigten, für uns eine grosse Bereicherung waren und uns einen wertvollen Erfahrungsschatz mitgaben. All diesen Menschen möchten wir ganz herzlich danken. Mein allerschönstes Erlebnis war die Eröffnung der Wohngruppe für an Demenz und Alzheimer erkrankte Menschen, wofür ich mich jahrelang einsetzte. Heute leben Betroffene in einer familiären, freundlichen Umgebung und fühlen sich geborgen und angenommen.
Alles ist vergänglich, alles hat mal ein Ende. So haben wir nun diese Aufgaben in jüngere Hände übergeben. Wie heisst es doch so schön: «Neue Besen kehren besser». Wir wünschen den neuen Führungskräften, viel Kraft, Ausdauer, Freude und Erfolg in ihren neuen verantwortungsvollen Aufgaben. Auch allen Mitarbeitern wünschen wir weiterhin viel Erfüllung und Geduld in ihren täglichen Herausforderungen.
Für uns aber beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Wir haben auch hier unser Haus verkauft und werden die Lenk ebenfalls verlassen. Unser neuer Wohnort wird Iseltwald und von dort aus unternehmen wir die Reisen, von denen wir bis jetzt nur geträumt haben. Und wer weiss, vielleicht begegnen wir uns wieder?
Lotti Schneider, ehemalige
Heim- und Pflegedienstleiterin