Lenk plant wichtige Geschäfte
Am Freitag informierte der Gemeinderat Lenk über die geplanten grossen Investitionen und deren Finanzierung. Es handelt sich um den Bau einer Mehrzweckhalle beim Schulhaus und um die Erweiterung und Erneuerung der heutigen Wallbachbadi. Finanziert werden sollen diese grossen Projekte u.a. mit dem Verkauf von zwei nicht mehr benötigten Schulhäusern und einiger Landparzellen.
Etwa 120 Personen interessierten sich für die Informationen aus dem Gemeinderat. Am 21. September 2010 ist der Lenker Souverän an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung aufgefordert, zu relativ happigen Vorlagen Stellung zu nehmen. Es geht an dieser Veranstaltung in erster Linie darum, die Bürgerinnen und Bürger zu informieren, worum es sich bei den anstehenden Geschäften handelt und welche Gedanken sich der Gemeinderat dazu gemacht hat, wie der Gemeinderatspräsident Christian von Känel ausführte. Es sei dem Gremium aber ebenso wichtig, den Puls der Bevölkerung zu spüren, betonte er weiter und forderte die Anwesenden auf, sich im Anschluss an die Präsentation zu äussern.
Mehrzweckhalle
Die bestehende Turnhalle ist 55-jährig, eine Energieschleuder, voller Risse in Boden und Wänden und vor allem schlecht heizbar. Eine Sanierung würde eine Investition von 700 000 Franken bedeuten. Zudem ist ein zeitgemässer Sportunterricht nicht möglich. Sport- und andere Dorfvereine benötigen immer öfter Räumlichkeiten. Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, eine neue Mehrzweckhalle zu bauen. Der Anschluss an das bestehende Schulhaus drängt sich auf, damit Synergien (gemeinsame Heizung, Nasszellen usw.) genutzt und damit Kosten gesenkt werden können. Sechs am Ort ansässige Architekturbüros wurden zu einer Ideenstudie eingeladen, vier davon reichten ihre Vorschläge ein. Eine Jury (u. a. mit zwei externen Fachpersonen) entschied sich für das Projekt des Büros archart, Lenk. Dieses sieht eine Einfachhalle mit einer fixen Bühne und diversen Nebenräumen vor. Das von den Architekten gewählte Tonnendach passe sich sehr gut in die bestehende Bebauung ein, betonte der Bauverwalter Jakob Trachsel. Es entstehe eine helle Halle mit viel Licht und hellen Materialien. Zudem werde die Mehrzweckhalle mit einem Lift ausgestattet und somit auch das Schulhaus neu rollstuhlgängig. Laut einer Schätzung der Architekten entstehen Kosten von etwa 4,3 Millionen Franken.
Gemeinderat René Müller erläuterte das weitere Vorgehen: An der Gemeindeversammlung wird die Genehmigung des Planungskredits von 120 000 Franken beantragt. Nach den üblichen Verfahren wie Vernehmlassung und Baubewilligung könnte der Souverän im Dezember 2011 über den Kredit für den Bau abstimmen. Die Ausführung ist für 2012 geplant.
Erlebnisbad Lenk-Simmental
Über dieses Projekt hat die SZ bereits ausführlich berichtet (siehe Ausgabe Nr. 32 vom 12. August 2010). Das Projekt musste jedoch dem heutigen Stand der Dinge angepasst werden, da sich die Gemeinde Zweisimmen nicht daran beteiligen will, wie der dortige Gemeinderat kürzlich beschlossen hat. Als Folge davon könnte den Einwohnern und Gästen aus Zweisimmen kein ermässigter Eintritt mehr gewährt werden, wie ein Vertreter der Hallenbadkommission sagte. Zudem hat der Sportfond seinen à-fonds-perdu-Beitrag gekürzt. Neu benötigt das geplante Erlebnisbad ein Kapital von 7,4 Millionen Franken. Einsparungen müssen im Saunabereich vorgenommen werden; dadurch werden wohl weniger Eintritte generiert werden können. Die Verantwortlichen betonten, dass vorsichtig gerechnet wurde und die angenommenen Zahlen auf konkreten Offerten der Unternehmer und punkto Eintritte auf vergleichbare Bäder wie z. B. Lenzerheide basieren. Sollten die Stimmbürger das Projekt annehmen, könnte im kommenden März mit dem Bau gestartet und das Erlebnisbad auf die Wintersaison 2011/12 eröffnet werden.
Finanzierung der Projekte
«Das alles muss ohne Steuererhöhung möglich sein!» betonte der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Hansjörg Schneider. In einem ersten Schritt sollen die nicht mehr benötigten Bäuertschulhäuser Boden und Pöschenried veräussert werden. Der Gemeinderat stellt sich einen Minimalpreis von 800 000 Franken für das Gebäude Boden und 400 000 Franken für das Haus im Pöschenried vor. In einem weiteren Schritt könnten Parzellen in der Halten und im Spitzacker, später auch in der Brüggmatte verkauft werden.
Die Verantwortlichen betonten, dass im Finanzplan sehr vorsichtig gerechnet wurde. Auch bei Annahme der geplanten Bauvorhaben könne ein Eigenkapital von drei Millionen Franken gehalten werden, sagte Christian von Känel.
Stimmen aus dem Publikum
Zu reden gaben vor allem die Eintrittspreise ins Erlebnisbad. Einige Votanten fanden den Preis von 12 Franken für Einheimische und Gäste zu hoch. Jemand fand auch, die zum Verkauf stehenden Schulhäuser müssten doch als günstiger Wohnraum für Einheimische zur Verfügung gestellt werden. Darauf erwiderten die Gemeindevertreter, dieses Anliegen werde im Rahmen der Ortsplanung aufgegriffen. Jemand machte sich Gedanken über die Energieeffizienz der Mehrzweckhalle. Es gab aber auch Stimmen, die aufriefen, die geplanten Investitionen zu unterstützen – im Sinne einer Attraktivitätssteigerung des Dorfes und der Region. Kathrin Moilliet