John Hänni ist der erste Bewerber für den nationalen Eurovision Song Contest 2015

Nur mit dem Herzen hört man gut

Zwar ist John Hänni gerade mitnichten dabei, seine Autobiographie zu verfassen. Doch der Lenker Chansonier mit Wurzeln in Papua-Neuguinea hätte sicher nichts dagegen, wenn dereinst seine Lebensbeichte um das Kapitel «Teilnahme am Eurovision Song Contest 2015» (ESC) erweitert werden würde.

Natürlich kann heute noch niemand wissen, ob sich der sympathische Barde aus Lenk, wo der glücklich Verheiratete hauptberuflich mit seiner Monika ein Feriendorf leitet, den Traum einer ESC-Teilnahme erfüllen kann. Doch alle, die John und sein Umfeld ein bisschen näher kennen, wären nicht erstaunt, falls es doch irgendwie klappte. Denn zum einen arbeitet John Hänni an seiner Musik ebenso professionell wie selbstkritisch. Und zum anderen umgibt ihn einfach stets eine gewisse Leichtigkeit, wie sie wohl ein(e) jede(r) gerne hätte, sie jedoch einfach nicht erlernbar ist.

Vielleicht hat dies auch etwas mit seiner Jugend zu tun, wuchs doch der gelernte Schreiner bis zu seinem 13. Lebensjahr als Sohn eines Schweizer Entwicklungshelfer-Ehepaares in Papua-Neuguinea auf, wo es nur zwei Jahreszeiten gab: Sommer und Regenzeit. Den Schnee lernte der bekennende Romantiker erst viel später kennen: Zuerst ein bisschen in London, später dann ganz massiv im Simmental, wo er mittlerweile seit 18 Jahren heimisch ist und tiefe Wurzeln geschlagen hat.

Den Einsamen gewidmet

Diese «Sonne im Herzen» macht ihn zum grundsätzlich positiven, zugleich aber auch sehr nachdenklichen Künstler, dem es nicht ausreicht, einen fetzigen Song zu schreiben, der in den Clubs dieser Welt gut ankommt und einfach Spass macht. Vielmehr beschäftigt sich John Hännis melodiöser, manchmal mit zarten folkloristischen Anwandlungen durchsetzter Pop, oft mit inhaltlich anspruchsvollen Themen. Wer beispielweise Phil Collins «Another day in paradise» oder Ralph McTells «Streets of London» kennt, weiss, was Hänni meint, wenn er von «Musik mit Herz» redet. Von Hänni gibt es kein simples Lied zum Schunkeln, sondern vielmehr Melodien und Texte, welche seine sozialkritischen Töne deutlich und doch ansprechend unterhaltsam zu artikulieren vermögen.

In diese Richtung zielt auch John Hännis jüngster ESC-Beitrag «Travelling on my own». Das melancholische und etwas über drei Minuten lange Lied widmet Hänni «den einsamen und daran leidenden Menschen, die es heute immer mehr auf der ganzen Welt zu geben scheint.» So gesehen rechnet sich der Songwriter auch gute Chancen aus «von vielen Leuten gehört und verstanden zu werden.»

Sich als erster angemeldet

Besonders freuen würde es Hänni, welcher ebenso ausgezeichnet singt, wie er Gitarre spielt, wenn sich sein Elan demnächst auch im Abstimmungsverhalten der Musikfans widerspiegelte. Denn obwohl er sich als allererster Bewerber für den nationalen ESC-Contest 2015 angemeldet und sein Musikvideo auf die entsprechende Webseite hochgeladen hatte, ist dieser Schritt noch lange keine Garantie, dass er den elektronischen Urnengang auch in den vordersten Rängen abschliessen wird. «Klar würde es mich riesig freuen, wenn zwischen dem 3. und dem 17. November möglichst viele Menschen für mich stimmten, denn ich würde die Schweiz gerne an einem so völkerverbindenden Anlass wie den ESC vertreten» schwärmt John Hänni.

Christof Lampart