Trauerseminar an der Lenk

Am Samstag, 15. November hiess Trauerbegleiterin Milena Stoll aus Thun die zahlreichen Besuchenden im Kirchgemeindehaus herzlich willkommen: Zaghaft und mutig, bedacht und auch mal fröhlich, weinend, aber auch mit einer gewissen Heiterkeit beschenkt, zutiefst traurig und gleichzeitig hoffnungsvoll in die Zukunft blickend. Ungefähr so klingt ein Versuch, das Erlebte, ausgelöst durch den Inhalt des Trauerseminares, in Worte zu fassen.

Trauerbegleiterin Milena Stoll leitete das Seminar an der Lenk.

Trauerbegleiterin Milena Stoll leitete das Seminar an der Lenk.

Trauer ist mehr als ein Gefühl. Trauer ist die natürliche Reaktion auf einen Verlust und die Fähigkeit, die uns hilft, damit umzugehen (S. Görlitz). Diese Verluste sind nicht immer gleich ein Todesfall. Auch das Loslassen einer Anstellung, Scheidung und Trennung, das Loslassen der eigenen Kinder oder das schleichende Loslassen der eigenen Gesundheit können Trauerprozesse auslösen. In diesen Prozessen sind unterschiedliche Facetten erlebbar und werden von Person zu Person auch unterschiedlich intensiv erlebt. Laut dem Trauerkaleidoskop nach Chris Paul gibt es folgende Facetten in einem Trauerprozess: Der «Überlebensmodus», die «Wirklichkeit begreifen», «Gefühle» (nicht nur Trauer, auch Wut, Scham, Neid, Erleichterung, Liebe oder Angst) wahrnehmen. Dann «sich anpassen» aber auch «verbunden bleiben» und schliesslich alles irgendwie «einordnen».

Trauergefühle sind nicht die Kettenglieder, die unsere Lebensfreude gefangen halten, sondern: Trauer ist der Preis, den wir bezahlen, wenn wir den Mut haben, jemanden zu lieben (Irvin D. Yalom). Die Auseinandersetzung mit der eigenen Trauer ist das eine. Das andere ist die Trauer von Mitmenschen. Wie begegne ich Trauernden? Dies ist für uns oft eine Überforderung. Der schwedische Schriftsteller und pensionierter Pfarrer, Tomas Sjödin, fasst dies so zusammen: Nicht alles, was uns im Leben begegnet, hat einen bestimmten Zweck, aber es kann auf lange Sicht zu etwas Gutem führen. Daran sollte man denken, bevor man für die Nöte anderer Menschen Erklärungen aufzählt. Oder für seine eigenen.