Gutes Flug- und Festwetter

Ein toller Auftritt des Obersimmentaler Papyrus Hunters

Rund 5000 Besucher feierten bei angenehmen Flugwetter die Wiederkehr des Papyrus-Hunters und feierten mit dem Hunterverein Obersimmental das 70-jährige Bestehen des Flugplatzes in St. Stephan, der unter dem Druck der Rundum-Bedrohung der Schweiz im zweiten Weltkrieg als Reduit-Flugplatz gebaut wurde.

Geschichte

Die Rundumbedrohung der Schweiz in den späten 30er und in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts gaben dem damaligen General der Armee, Henri Guisan, die Grundlage für den Befehl zum Rückzug ins Reduit. Im Reduit-Konzept entstand auch der Flugplatz St. Stepan, der als Ergänzung zum Flugplatz Saanen diente. Die meisten Untertagbauten wie die Flugplatzfläche wurden damals in harter Handarbeit und mit bescheidenen Mitteln von der Armee gebaut. Am 8. Juli 1942 landete die erste Maschine, eine C-35 auf dem neu erstellten Reduit-Flugplatz St. Stephan.

Auf dem Festplatz hat man den Bauplatz für die Flugpiste nachgebaut. So konnte man die alten Fahrzeuge und bescheidenen Werkzeuge bestaunen, mit denen das Reduitwerk damals gebaut wurde.

Ebenfalls nachgebaut wurde der Kommando-Raum, in dem wie in den 40er Jahren gearbeitet wurde. Erstaunlich, dass man damals noch ohne Computer Flugeinsätze führen konnte!

Das Fest

Auffahrende Gulaschkanonen, alte Uniformen und eine alte Kommandostelle liessen von Anfang an keinen Zweifel an dem Erfolg des diesjährigen Hunter-Festes auf dem Flugplatz in St. Stephan aufkommen. Beat Radelfinger, der Präsident des Obersimmentaler Huntervereins hat mit seinem Vorstand und unzähligen freiwilligen Helfern mit langer Hand ein erfreuliches und schönes Fest vorbereitet und auf die Beine gestellt. Der Spatz dampfte bald im mit Holz gefeuerten Kessel. Es roch auf dem Festplatz wie früher auf dem Kasernenplatz. Unter aufgespannten Tarnnetzen standen Flabkanonen neben Tischen für die geladenen Gäste. Cremeschnitten für das Dessert warteten auf die Kundschaft. Ein fröhliches Treiben, bei dem das Wetter – dank dem stärksten Oberländer, dem Föhn – auch immer mehr mitmachte. Rund 5000 Gäste besuchten das Fest und um elf Uhr warteten alle auf die Show am Himmel.

Der Papyrus Hunter J-4015

Dass der Papyrus-Hunter wieder fast wie neu auf die Startbahn rollen konnte, ist das Resultat unermüdlicher Helfer, Mechaniker und Piloten, die den weissen Jet in den letzten beiden Jahren überholt haben. Der Transponder musste ersetzt werden und hat ein 22 600 Franken Loch in die Jahresrechnung (vgl. Kasten) gerissen. Der neu eingebaute Schleudersitz im Wert von 28 800 Franken wurde von Bernhard Schoch als Andenken an seinen Bruder Daniel gespendet. Daniel Schoch war Mitglied der Fliegerstaffel 15 in St. Stephan und hat den Papyrus noch im Militäreinsatz geflogen. Daniel Schoch kam im Jahr 1997 bei einem Aufklärungsflug mit einer Mirage II im Jura ums Leben.

Der Papyrus Hunter ist wieder der Stolz des Huntervereins Obersimmental und umso erfreulicher ist es, dass der letzte Kommandant der Fliegerstaffel 15, Ueli Leutert dieses Jahr den erstaunten Zuschauern die Wendigkeit und das Steigvermögen des in den 50er Jahren entwickelten Hunters zeigen konnte. Dass Ueli Leutert mit seinem Hunter virtuos umgehen kann, hat er in einer eindrucksvollen Flugshow an den Himmel gezeichnet.

Die Flugzeuge an der Flugshow

Eigentlich haben die Veranstalter wie die Besucher den Vorbeiflug der «Super Constellation» erwartet, die leider wegen Motorschadens nicht in St. Stephan erscheinen konnte. Ebenso blieb die «Patrouille Suisse» aus, die wegen einem Flugtag im Birrfeld ausblieb.

Auch ohne die beiden High Lights war der Flugtag in St. Stephan ein voller Erfolg. Als die DC 3, die zivile Version der legendären C-53 DAKOTA zur Landung ansetzte, sorgte der glänzende Silbervogel für Aufregung. In der Halle am Flugplatz wurde der Dokumentarfilm «Drama auf dem Gauligletscher» gezeigt. Eine C-53 DAKOTA mit ihrer Bruchlandung am Gauli-Gletscher hielt im Jahre 1946 die Schweizer Bevölkerung in Atem. Kürzlich haben drei junge Bergsteiger den verkrümmten Propeller am Absturzort gefunden. Erfreulicherweise halten die jungen Leute den Fundort geheim. Es wäre sonst zu erwarten, dass unsere Ruhe gewohnte Bergwelt eine Sucherwelle von Schaulustigen erdulden müsste! Die drei Bergsteiger, Manuel Rufener aus Zweisimmen, Peter Flühmann aus Meiringen und der Kanadier Lucas Kocher wurden mit einem Bergkristall aus dem Fundort vor der blitzenden DC3 geehrt.

Eine neuere C35 mit verlängerter Nase gab sich die Ehre. Die Hunter J-4201 Trainer, der Hunter J-4202, der Vampire U-1228 und der Venom U-1208 Trainer haben den Papyrus Hunter auf verschiedenen Formationsflügen begleitet.

Die über zwei Stunden dauernde Flugshow war beeindruckend und bleibt den zufriedenen Gästen in bester Erinnerung.

Es ist erstaunlich, dass sich heute immer noch Piloten für die doch bereits fast 80-jährigen Maschinen qualifizieren können. Ebenso erstaunlich ist es, dass eine Gruppe von Mechanikern und Flughelfern die Maschinen flugtauglich erhalten. Freiwillig unterziehen sich die Leute den Prüfungen durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt und stellen die Revisionen und Überprüfungen der Maschinen sicher. Nur so können die Flugzeuge die Prüfungen durch die Behörden bestehen, damit sie überhaupt noch am Himmel erscheinen dürfen. Eine gewaltige Leistung der Vereinsmitglieder, deren Helfern und Sponsoren.

Walter Zeller