Flugplatzfest ein grosser Erfolg

Nicht zuletzt auch wegen des schönen Wetters war das diesjährige Fest auf dem Flugplatz St.Stephan ein voller Erfolg. Ein zahlreich erschienenes Publikum bestaunte am letzten Wochenende die Vorführungen von Huntern, Vampires, Helikoptern und Oldtimerflugzeugen am Boden und in der Luft. Ein besonderer Besuch war der Hunter aus Holland.

Vor der eindrücklichen Bergkulisse rollt ein Hunter zur Startbahn.

Vor der eindrücklichen Bergkulisse rollt ein Hunter zur Startbahn.

In Scharen strömt ein gut gelauntes Publikum dem Flugplatz St. Stephan zu. Da springen kleine Kinder herum, Bébés in Kinderwagen blinzeln in die Sonne, alte Leute sitzen auf Bänken und geniessen das Treiben um sich herum, Hunde hecheln an der Leine ihrer Besitzer; da hat es ein Pudel besser, der in einem Veloanhänger im Schatten sitzen und den Fahrtwind geniessen darf. Die Menschen scheinen aus aller Welt zu kommen, viele Sprachen wirbeln durcheinander. Das «Hunterfest» ist ein wichtiges Ereignis im Kalender der Flugzeugfans. Das Tüpfelchen auf dem i ist jedoch das strahlende Wetter. Was kann man sich Schöneres vorstellen als die silbern gleissenden Flugzeuge, die am stahlblauen Himmel vor der einmaligen Kulisse der Schneeberge ihre Runden drehen?

Spotters im 7. Himmel

Nicht nur auf dem Weg zum Flugplatz sind die Spotters zu sehen, diese Flugzeugfans, deren Hobby es ist, mit der Kamera die Flugzeuge in möglichst attraktiven Positionen zu fotografieren. Der Weg zum Hauptplatz ist gesäumt von Menschen mit riesigen, schweren Teleobjektiven vor ihren Fotoapparaten. Kaum einer hat ein Stativ. Zu schnell muss man auf die Flugbewegungen reagieren. Als am Bahnübergang die Strasse gesperrt wird wegen des Starts von einigen Flugzeugen, stehen sie bereit, die Kameras auf die Piste gerichtet. Alles geht blitzschnell, da, zwei Hunter heben ab, ein Klickgewitter geht los, alle drehen sich wie auf Kommando um, nehmen die Flugzeuge erneut ins Visier, drücken ab. Kaum ist die Strasse freigegeben, stürmen sie Richtung Flugplatz. Ob sie wohl all die Stände mit Souvenirs, Informationsmaterial, Flugzeugmodellen zsw. überhaupt wahrnehmen? Wer nicht so gut ausgerüstet ist mit Profikameras, versucht mit einem bescheideneren Apparat, ab und zu einen Schnappschuss zu machen – keine einfache Sache, vor allem wenn die Maschinen in der Luft sind.

Passagierflüge sind beliebt

Bei diesem schönen Wetter lohnt sich ein Passagierflug sicher. Ein älterer Mann liess sich von Langnau aus mit einem kleinen Robinson Helikopter ins Obersimmental chauffieren, nur gerade eine Sache von einer knappen halben Stunde, nicht gerade billig, aber bestimmt sehr angenehm. Eine Frage des (seien wir ehrlich) Portemonnaies und auch des Mutes sind die Flüge in einem Hunter oder Vampire. Es ist sicher nicht aller Leute Ding, sich in einem Pilotenanzug und mit der Sauerstoffmaske vor dem Gesicht ins Cockpit neben den Piloten zu setzen. Und doch gab es erstaunlich viele Flüge für Passagiere in den alten Kampfflugzeugen der Schweizer Armee. Am Freitag machte sogar ein Brautpaar in je einem Hunter einen «Brautflug», eskortiert von zwei F/A 18 Maschinen. Was für ein Gefühl muss das sein, wenn man als «Copilot» im Cockpit sitzt und über den Flugplatz braust, die Maschine sich in den Himmel hinauf schraubt, einen Looping dreht, in einer Walze auf dem Rücken Richtung Berge davonfliegt, wieder in normaler Position Höhe gewinnt und sich mit den andern Flugzeugen zu einer Formation zusammenfindet und den Zuschauern ganz weit unten im Tal eine Demonstration von präziser Zusammenarbeit bietet? Der holländische Doppelsitzer-Hunter folgt dem einheimischen Piloten jeweils mit einem gebührenden Sicherheitsabstand – zu gross sind die topografischen Unterschiede zwischen den beiden Ländern. Erst jetzt wird einem so richtig bewusst, was für ein Können hinter der grossartigen Leistung der Schweizer Piloten steckt.

Ballett eines Superpumas der Schweizer Armee

Kurz vor 14 Uhr wartet eine grosse Menschenmenge auf die Vorführung eines Superpumas. «Dieser Helikopter ist der grösste Transportheli der Schweizer Luftwaffe», erklärt der Speaker. «Er ist kein Kampfzonentransporter, hat demzufolge auch kein Waffensystem. Er kann bis 3 Tonnen Last oder 15 ausgerüstete Soldaten bis auf eine Höhe von 3000 Meter ü.M. befördern. Einsetzbar ist er bei schweren Unwettern, dank den Infrarotkameras nachts bei der Suche nach Vermissten oder im Winter, aber auch bei Waldbränden. Hier sucht er bis 600 Meter ab Boden auf einer Breite von 300 Metern nach Glutnestern und führt die Bodentruppen zur Brandbekämpfung dorthin», bekommen die Zuschauer zu hören. Erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit und Agilität das schwere Fluggerät ein regelrechtes Ballett aufführt: Der Heli dreht sich vorwärts in einer Spirale im Steigflug hinauf bis fast in die Vertikale, dasselbe rückwärts, «stürzt» in die Tiefe, dreht enge Kurven, steht fast still, fliegt rückwärts über den Flugplatz, zieht sich wieder rückwärts hinauf, stellt sich auf den Kopf (zu viel wäre verheerend, da würde er überschlagen, hört man aus dem Lautsprecher). In einer letzten Figur, dem Screwdriver (Schraubenzieher) stürzt sich der Superpuma retour hinunter und fliegt in seitlicher Lage Richtung Lenk davon. Die beiden Piloten winken zum Abschied aus dem Fenster.

Zukunft der Hunter und Vampire?

Während die Flugzeuge wieder startbereit gemacht werden, gibt Felix Meier in seiner Eigenschaft als Platzspeaker weitere Informationen. Der sympathische Manager des Swiss Hunter Team und ehemalige Präsident des Flieger Museums Altenrhein führt gekonnt und mit viel Fachwissen durch den Anlass. Haben Sie gewusst, dass jeder 3. Tourist mit dem Flugzeug in die Schweiz kommt? Dass letztes Jahr 457 000 Tonnen Luftfracht über Schweizer Flughäfen gingen? Dass 70 Prozent der Unternehmungen in der Schweiz auf die Luftfracht angewiesen sind? Im Gespräch mit ihm und andern Helfern ist auch etwas Sorge über die Zukunft herauszuhören: Nicht nur die Hunter, Vampire und Venom werden älter, der Unterhalt mit zunehmendem Alter immer aufwendiger und dadurch teurer; auch die Piloten und Mechaniker altern, dürfen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch beschränkt fliegen. Was geschieht dann mit den doch noch recht zahlreich vorhandenen Maschinen? Ist eine junge Generation noch bereit, einen solch zeitintensiven Aufwand zu leisten für eine Passion? Deshalb ein grosses Merci an all die vielen Menschen, die uns Zuschauern momentan noch jedes Jahr einmal ermöglichen, die Zeugen einer vergangenen Zeit aktiv zu sehen – und zu hören. Kathrin Moilliet

Die Hunter sind bereit für die mutigen Passagiere.

Vor der eindrücklichen Bergkulisse rollt ein Hunter zur Startbahn.

Vor der eindrücklichen Bergkulisse rollt ein Hunter zur Startbahn.

Ein Superpuma der Schweizer Luftwaffe führt ein Ballett auf.

Flugplatzfest ein grosser Erfolg