Königstreffen auf höchster Ebene

Im Fermeltal, in der Alpenrose treffen sich hochkarätige Schwinger, einmal ohne Sägemehl und Schiedsrichter, einfach so unter Kameraden. Kilian Wenger gibt seine Pläne für die Jahre 2012 und 2013 in einem Interview bekannt. Er will Schwinger-König bleiben.

St. Stäffner Jodler mit Ueli Moor.

St. Stäffner Jodler mit Ueli Moor.

Nachdem der Sommer endlich auch bei uns Einzug hält, hat das schöne Wetter viele Gäste zum Wandern im idyllischen Fermeltal verleitet. Seit Jahren erholt sich die Schwinger-Familie Grab bei Rosmarie und Ueli im Hotel Alpenrose im Fermeltal. Frühmorgens um acht startete Familie Grab mit Matthias Sempach und René Wilener (Präsident des Fan Clubs), unter ortskundiger Führung von Ueli Moor zum Albristhorn.

So viele Schwinger am gleichen Ort, ein Zufall, oder tut sich da was in Schwingers Kreisen? Am späteren Nachmittag ist Familie Grab braun gebrannt und ein wenig gezeichnet von der anspruchsvollen Bergwanderung zurück vom Albristhorn. Stolz erzählen die Kinder von der Aussicht, vom Berg und von den Blumen am Wegrand. Sie haben die Bergwelt aktiv erlebt und freuen sich auf die Dusche. Auf der Terrasse munkelt man, der amtierende Schwinger-König sei auf dem Weg in den Fermel. Dann erscheint David Roschi – Schwinger-König von 1972 in La Chaux de Fonds – mit seiner Frau Annegret, so ein Zufall! Die Terrasse ist schon voller Schwinger, als Kilian Wenger und Ruedi Roschi auf der Bildfläche erscheinen. Chrigel Schenk, Trainer der Jungschwinger Obersimmental, setzt sich mit einer Gruppe junger Jodler zu der Runde.

Auf meine Nachfrage erklärt mir Martin Grab, dass man sich in Schwinger-Kreisen oft zu einem gemütlichen Zusammensein treffe. Das müsse nicht immer einen Grund haben, oder eine Vorbereitung für ein Schwingfest sein.

Das Fest ist perfekt, die Kinder toben ums Haus, man geniesst die Natur, die Schönheit der Bergwelt im Fermeltal und freut sich an den gastronomischen Leistungen vom Wirte-Paar Rosmarie und Ueli. Natürlich wird in so einer Runde auch über das Schwingen gesprochen.

Als Ueli Moor mit seiner seidenfeinen Stimme ein Jodler-Lied anstimmt, ist die Stimmung perfekt. Die jungen Jodler helfen kräftig mit und fast alle auf der Terrasse bewegen ihre Lippen zu den heimatlichen Klängen.

Ich komme mit Kilian Wenger ins Gespräch und bald sind wir mitten in einem nicht geplanten Interview. Gerne gibt Kilian Wenger Antwort auf meine Fragen. Nach der Schlammschlacht im Blätterwald tut es gut, die offene und ruhige Wesensart von unserem Schwinger-König weiter zu geben.

Das Gespräch mit Kilian Wenger, unserem amtierenden Schwinger-König

Ist es Zufall, dass man im Fermeltal plötzlich fünf hochkarätige Schwinger antrifft?

Zufall ist es nicht. Wir treffen uns schon Mal so unter Freunden, wie hier im Fermeltal. Das ist fast schon Tradition. Einige von uns kommen seit Jahren mit ihren Kindern hier in den Fermel in die Ferien.

Im Juni hast du am Bergkranzfest am Schwarzsee eine Verletzung erlitten. Wie sieht es heute aus mit deiner Verletzung?

Vorsichtig, aber es geht so. Meine Arbeit als Zimmermann habe ich wieder voll aufgenommen, aber der Arm ist noch nicht schmerzfrei. Wenn ich nächstes Jahr wieder voll mitschwingen will, muss ich meine Verletzung vollständig auskurieren. Darum habe ich entschieden, dass ich dieses Jahr aussetzen muss. Der Heilungsprozess geht langsamer, als wir erwarteten. Der Arzt ist zuversichtlich, aber er stützt meinen Entscheid.

Heisst das, dass du Angst hast vor weiteren Verletzungen?

Nein, das habe ich nicht. Verletzungen gehören leider heute zum Hochleistungssport. Man muss auch mit Verletzungen vernünftig umgehen können. Voreilige Rückkehr in den Kampfsport kann gefährlich sein.

Du bist 22 Jahre alt und eigentlich noch am Anfang deiner Karriere. Wie soll es aus deiner Sicht weiter gehen?

Meine Verletzung hat mich momentan ein wenig gebremst, aber ich will schon noch zehn Jahre weiter schwingen. Wie weit oben wird sich dann zeigen, wenn mein Arm wieder in Ordnung ist.

Höre ich aus deiner Antwort, dass du den Schwinger-König nächstes Jahr verteidigen willst?

Ja, sicher will ich diesen Titel verteidigen. Mein Ziel ist es, Schwinger-König zu bleiben. Auch wenn es noch nicht so viele geschafft haben, über längere Zeit an der Spitze zu bleiben. In den letzten Jahren waren es vier Schwinger, die eine zweite Runde Schwinger-König blieben: Ernst Schläpfer, Ruedi Hunsperger und Karl Meli; Jörg Abderhalden hat es mit Unterbruch sogar drei Mal geschafft. Meine zweite Runde ist nächstes Jahr in Burgdorf. Ich bin zuversichtlich, diese Runde zu schaffen.

Nach deiner Verletzung ist ein rechter Rummel um dich entstanden. Wie gehst du damit um?

Zuerst will ich «mich selber» bleiben. Ich bin gerne Schwinger-König, weil ich weiss, dass ich schwingen kann. Sicher hat mich der Titel auch geprägt und hat mein vorher sehr ruhiges Leben verändert. Das geht eigentlich jedem Spitzensportler so. Man muss es aus der Sicht sehen, dass auch wir Schwinger Unterstützung brauchen, wenn wir im Sägemehl stehen, das Publikum schwingt auch mit. Das Schwingen ist schliesslich ein Volkssport und wir kämpfen inmitten von vielen Freunden, Bekannten und Gönnern.

Welchen Stellenwert nimmt das Schwingen in deinem Leben ein?

Ich brauche die Atmosphäre im Sägemehl, dort fühle ich mich stark. Wenn ich länger nicht schwingen kann, fehlt mir etwas Wichtiges in meinem Leben. Jetzt erlebe ich einen Unterbruch, deshalb habe ich es diese Woche im Schwingkeller probiert. Der Arm hat mich noch gehindert, aber es kommt wieder. Eigentlich möchte ich sofort wieder zurück in die Herausforderung, die Anerkennung des Publikums spüren, aber derzeit muss die Vernunft Oberhand behalten.

Und jetzt, wie weiter?

Mit Vorsicht trainiere ich weiter und im Herbst geht es dann richtig los, wenn ich in Magglingen meine Rekrutenschule als Spitzensportler absolviere. Mein klares Ziel ist es, nächstes Jahr in Burgdorf am Eidgenössischen Schwingfest in bester Form anzutreten.

Danke Kilian für das offene Gespräch. Wir wünschen dir schnelle Genesung und viel Glück im Sägemehl.

Walter Zeller

David Roschi, Martin Grab und Kilian Wenger.

David Roschi, Martin Grab und Kilian Wenger.

Matthias Sempach und Martin Grab

Matthias Sempach und Martin Grab

Martin Grab und Kilian Wenger

Martin Grab und Kilian Wenger