Jodlerklub Wimmis mit Konzert und Theater
Wenn Bergbauern, Biker und ein Jutz das Herz treffen
Mit dem Volksstück «BärgbureFrüüd u BärgbureSorge» von Christian Däpp senior präsentierten die Jodler ein Werk, das die ganze Spannbreite des alpinen Lebens einfängt: Von der heiteren Alltagskomik bis zu den stillen Momenten, in denen Verantwortung, Verlust und Zusammenhalt spürbar werden. Die Jodler selbst überzeugten mit feinstem Gesang.
Viehhändler Brächt (Ueli von Grünigen) und Renate (Olivia Wyss) im Stallambiente: Zwischen Ziegen und Geschichten entfaltet sich ein Moment voller Heimatgefühl und leiser Tragik.
© Michael Schinnerling
Im Zentrum steht der Jungbauer Res, dessen Alltag zwischen harter Arbeit, Naturverbundenheit und menschlichen Begegnungen pendelt. Gleich zu Beginn wird klar, wie sehr die Gedankenlosigkeit mancher Besucher die Bergwelt belastet: weggeworfene Aludosen, Metallteile im Gras, verletzte Tiere. Doch das Stück bleibt nicht beim Mahnfinger stehen. Es zeigt, wie aus Konflikten Verständnis wachsen kann – etwa zwischen Res und dem Biker Leo, der sich gegen Vorurteile wehrt und schliesslich selbst zum Brückenbauer wird. Mit feinem Humor und viel Lokalkolorit entfalten sich zahlreiche Szenen rund um das Restaurant, die Alphütte und die Dorfgemeinschaft.
Figuren wie Susi, die Tochter von Vreni, Vreni, die Wirtin vom Alpenblick, Bänz, der Wirt vom Alpenblick, oder der schlitzohrige Viehhändler Brächt sorgen für lebendige Dialoge, pointierte Wortwechsel und berührende Einblicke in ihre Lebenswelt. Immer wieder fanden sich Momente, die das Publikum spürbar berührten und die menschliche Tiefe des Stücks unterstrichen. Auch gesellschaftliche Themen fanden ihren Platz: Die Arbeitsbelastung in Bergbetrieben, der Wandel der Landwirtschaft, die Rolle der Frauen, die Bedeutung von Freiwilligenarbeit und die Frage, wie Gemeinschaft heute funktioniert. Immer wieder schimmert dabei ein Satz durch, der wie ein Leitmotiv wirkt: «Es ist immer gut, wenn man Freunde und Helfer um sich hat.»
Eine stimmungsvolle
musikalische Reise
Unter der musikalischen Leitung von Stefanie Rubin entfaltete das Konzertprogramm eine atmosphärische Reise durch die Klanglandschaft des Berner Oberlands. Den Auftakt machte «Ame schöne Morge» von Arthur Alder und Fred Kaufmann – ein Stück, das die friedvolle Morgenstimmung in den Bergen eindrucksvoll einfing. Mit «Am Thunersee» von Adolf Stähli folgte eine liebevolle Hommage an den bekannten See, bevor der «Cheneli Jutz» von Erwin Mani das traditionelle Jodeln in den Mittelpunkt rückte. Das anschliessende «Üses Dorf» von Karl Spring und Jean Clémençon brachte die Verbundenheit zur Heimat musikalisch zum Ausdruck. Den Abschluss bildete «Es treichelet heizue» von Alfonse Gugler – ein lebendiges, festliches Stück, das das Heimkommen in warmen Klängen beschrieb. Zudem spielten am Samstagabend zur Unterhaltung das «Schwyzerörgeli-Quartett Stockhornblick» und am Sonntag die «Jungjodler Wyssi Burg Därstetten». Am Freitag und Samstag, 30./31. Januar, wird das Stück erneut im Schulhaus Chrüemig in Wimmis aufgeführt (siehe Inserat in der letzten Ausgabe).
Der Jodlerklub Wimmis stand im Halbkreis vor der Bergkulisse und überzeugte das Publikum mit seinen klaren Stimmen.
© Michael Schinnerling