Das Rinderberg-Derby vor der Renaissance

Am Samstag, 5. Januar 2008, erlebt in Zweisimmen ein legendärer Skisport-Anlass seine Wiedergeburt. 70 Jahre nach der ersten und 35 Jahre nach der letzten Durchführung auf der Originalstrecke vom Rinderberg-Spitz ins Dorf Zweisimmen wird erneut zum Rinderberg-Derby gestartet.

Das Rinderberg-Derby vor der Renaissance

Der Rinderberg hat als Austragungsort von Skirennen eine Tradition wie kaum ein anderer Berg. Vor mehr als hundert Jahren wurden am Wochenende vom 13. bis 15. Januar 1906 in Zweisimmen (organisiert vom Skiklub Bern und unter Mithilfe skisportfreundlicher Einheimischer) die II. Grossen Skirennen der Schweiz durchgeführt. Die damalige «Rennstrecke» führte von Saanenmöser auf die Chübelialp, hinunter ins Kaltenbrunnental und via Parwengen–Gandlauenengrat–Rinderberg nach Zweisimmen. Sieger wurde der Grindelwaldner Fritz Steuri. Es ist überliefert, dass die Ziel- und Zeitmessungs-Equipe in Zweisimmen bei der Zieleinfahrt nach über sechs Stunden noch nicht bereitstand und sich Steuri in den Zweisimmer Wirtschaften nach den OK-Herren durchfragen musste. Man hatte die Besten erst nach acht Stunden erwartet.

Derby einst mit über 600 Teilnehmern

Am 21. Februar 1937 fand sich eine kleine Truppe kühner Skiakrobaten auf dem Rinderberg-Spitz am Start zum 1. Rinderberg-Derbys ein. Zu bewältigen war eine 6-Kilometer-Strecke mit 1136 Metern Höhendifferenz bis ins Ziel in der Eckhausmatte am Dorfrand von Zweisimmen. Eine Piste gab es nicht, ebenso wenig Kontrolltore. Jeder hatte beim Aufstieg, – die Gondelbahn gab es noch nicht – seine bevorzugte und geheime «Abkürzung» präpariert. Erster Sieger wurde der einheimische Peter Thöni. Die Siegerzeit soll über sechseinhalb Minuten betragen haben. Die Teilnehmer starteten in Unterländer- und in Oberländer-Klassen. Die jeweiligen Kategoriensieger stiegen in die prestigeträchtige «Rennklasse» auf. 1956 gewann bei den Damen sensationell Rosmarie Reichenbach aus Gstaad, die der Olympia-Zweiten von Cortina, Frieda Dänzer, Adelboden, fünf Sekunden «abnahm».

Anmeldefrist läuft

Am kommenden 5. Januar ist es also wieder soweit, die Rinderberg-Derby-Stimmung lebt wieder auf! Eine freie Besichtigung auf der abgesperrten Strecke findet am frühen Morgen statt. Während den Rennen (Derbystart ist ab Rinderberg-Spitz, Mini-Derby und Familien-Derby am Abend jeweils ab Mittelstation) ist der Rinderberg ausschliesslich für die Rennfahrer reserviert. Die Bergbahnen der Destination Gstaad, die Obersimmentalische Volksbank, Zweisimmen, der Verein 1000 Freunde am Rinderberg, die Gemeinde Zweisimmen und die Schweizer Ski- und Snowbaordschule Zweisimmen unterstützen den Anlass. Auf den Home-Pages von Zweisimmen und Gstaad ist Näheres (Programm, Anmeldungen) zu erfahren. Bild und Text: Ernst Hodel

Plakat des 1. Rinderberg-Derbys von 1937 (Originalplakat in Privatbesitz)