Jazz-Portraits in der Praxis-Galerie van Enckevort

Mit der gut besuchten Vernissage wurde am vergangenen Samstag die Ausstellung «Jazz-Portraits» des kubanischen Kunstmalers Tomás Ernesto Maceiras Prego in der Physiotherapie van Enckevort im Eckhaus in Zweisimmen eröffnet.

Jules van Enckevort (links) mit dem Initianten Beat Bachmann (rechts) vor einem Portrait des grossen Jon Coltrane (Foto: Markus Bachmann)

Jules van Enckevort (links) mit dem Initianten Beat Bachmann (rechts) vor einem Portrait des grossen Jon Coltrane (Foto: Markus Bachmann)

Für Künstler aus benachteiligten Ländern oder Ländern in problematischen politischen Verhältnissen ist es meist um ein Vielfaches schwieriger, in die grossen Orte der Kunst in Amerika oder Europa zu gelangen, als für Künstler, die in eben diesen Ländern der Galerien und Museen leben (dürfen). Dies trifft auch auf den Kunstmaler Tomás Ernesto Maceiras Prego zu, den Beat und Cornelia Bachmann beim Besuch einer Freundin in Venezuela kennen gelernt haben.

Vernissage ohne den Künstler

Auf Initiative von Beat Bachmann und seiner Frau Cornelia sind derzeit in den Räumen der Physiotherapie van Enckevort im Eckhaus in Zweisimmen von Maceiras Prego gemalte Portraitbilder von Jazzmusikern ausgestellt. An der am vergangenen Samstag stattgefundenen Vernissage erzählte Beat Bachmann über Leben und Wirken des kubanischen Malers, aber auch über die Entstehungsgeschichte dieser Ausstellung. So habe ihnen der in Kuba geborene und aufgewachsene Tomás Ernesto Maceiras Prego erzählt, wie er und seine Familie 1997 nur Dank der guten Beziehungen zwischen Kuba und Venezuela die Möglichkeit hatten, nach Venezuela auszuwandern, aber auch von den Schwierigkeiten, in Südamerika Kunstwerke zu verkaufen. Beat erzählte von der kleinen Wohnung, die sich der Künstler mit seiner Freundin teilt, in der sich aber auch das Atelier befindet. Trotzdem lebe Maceiras Prego heute von seiner Malerei. Fasziniert von den Bildern, die Tomás Ernesto Maceiras Prego male – nebst Tieren, Landschaften und Menschen eben auch Portraits von Jazzmusikern – hätten sie beide die Idee entwickelt, den Kubanischen Künstler mit in die Schweiz zu bringen und seine Bilder auch hier auszustellen. Dass der Künstler nun doch nicht selber anwesend sein könne, sei weniger in den von ihm befürchteten Visumsschwierigkeiten begründet, als viel mehr im fehlenden Geld, um sich den Flug nach Europa leisten zu können. In einer Powerpoint-Grussbotschaft war der Künstler dennoch an der Vernissage präsent.

Grosse Charakterköpfe aus Jazz, Blues und Pop

In der Ausstellung, für die der inzwischen für seine vielseitigen Kulturengagements bekannte Jules van Enckevort spontan seine Praxisräume zur Verfügung stellte, sind nun rund 60 verschieden grosse Portraitbilder von bekannten Jazzmusikern ausgestellt. Sie passt damit gut in die laufende Saison des Zweisimmen Jazz Club und überbrückt so gekonnt die Zeit bis zu den nächsten Konzerten. Die Bilder sind in verschiedenen Techniken gemalt, was gefällt. Für Jazzkenner haben sie einen guten Erkennungseffekt, so stechen einem die Bilder mit Miles Davis, Ray Charles oder Joe Zawinul mit seiner unverkennbaren Mütze sofort ins Auge. Pop- und Blueskenner dürften Van Morrisson ebenfalls unschwer erkennen, und nicht zu übersehen ist die Rocklegende Jimi Hendrix. Der Künstler, der sich als Jazzliebhaber bezeichnet, lässt sich von alter Jazzmusik und den Plattenhüllen inspirieren. Er wählte für seine Bilder interessante Farbmischungen und -Variationen. Die Hintergrundfarben variieren von dunklen Blautönen über olivefarbene Flächen bis hin zu hellen, grossflächigen Gelbtönen. Die gezeichneten Konturen der Musiker haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Bildern von Hans Erni. Man lässt die dargestellten Charakterköpfe gerne auf sich wirken.

Besuch des Montreux Jazzfestivals als Traum

Beat und Cornelia Bachmann erhoffen sich, einige Bilder verkaufen und mit dem Erlös dem Maler in naher Zukunft doch die Reise in die Schweiz und vielleicht sogar seinen Traum, das Montreux Jazzfestival zu besuchen, ermöglichen und erfüllen zu können. Sie danken Jules und Leila van Enckevort für das zur Verfügungstellen der Praxisräume, der Kulturszene Obersimmental–Saanenland– Pays-d’Enhaut sowie Markus Bachmann für die Unterstützungen.

Musikalisch umrahmt wurde die gut besuchte Vernissage von Tobias König am Saxophon, das feine Weihnachtsgebäck und die zum Wetter passenden Glühweine (rot und weiss) stammten aus dem Hause van Enckevort. Die Ausstellung ist jeweils am Samstag und Sonntag geöffnet und dauert bis zum 20. Februar 2010. Die Initianten würden sich über regen Besuch sehr freuen. Kilian Gobeli