Zweisimmen Jazz
Lyoba Revisited – Balsam für Herz, Geist und Seele
In einem aussergewöhnlichen Konzert präsentierte Zweisimmen Jazz am vergangenen Samstag in der reformierten Kirche Zweisimmen das Thierry Lang Septett mit dem Projekt «Lyoba Revisited». Die herzerwärmenden Melodien aus dem Greyerzerland waren Balsam für Geist und Seele.
«Lyoba Revisited» – Greyerzer Hirtenlieder mit Thierry Lang, Matthieu Michel, Heiri Känzig und den vier Cellisten Andi Plattner, Ambrosius Huber, Daniel Schaerer und Daniel Pezzotti (Fotos: Markus Bachmann)
Es darf gewiss als ein spezielles Ereignis bezeichnet werden, wenn ein international bekanntes Musikerensemble die Präsentationstour für ihre neueste CD in Zweisimmen beginnt. Eben dies ist am vergangenen Samstag geschehen. Es ist den Veranstaltern der Konzertreihe Zweisimmen Jazz nach 2006 erneut gelungen, den Freiburger Blue-Note Pianisten Thierry Lang nach Zweisimmen zu holen. Dieses Mal präsentierte er mit seinen hochkarätigen Mitmusikern Matthieu Michel am Flügelhorn, Heiri Känzig am Bass und den vier Cellisten Daniel Pezzotti, Andi Plattner, Daniel Schaerer und Ambrosius Huber in einem gut einstündigen Konzert in der reformierten Kirche Ausschnitte aus seinem neuesten Projekt, der brandneuen CD «Lyoba Revisited», die in diesen Tagen auf dem deutschen Label ACT erscheint. Nicht ohne Grund war es eines der bisher bestbesuchten Konzerte in der Geschichte von Zweisimmen Jazz.
«Le vieux chalet» als Rumba
Wer anfangs noch etwas skeptisch gegenüber der ungewöhnlichen Besetzung und dem, was ihn an diesem Abend erwarten würde, in den Reihen sass, dessen Bedenken wurden bereits nach wenigen Takten zerstreut und mit anmutigen Klängen weggewischt. In der Tat sei es schwierig gewesen, Charakter und Wesen der von den Freiburger Abbés Joseph Bovet und Pierre Kaelin ursprünglich für vierstimmige Männerchöre geschriebenen Kompositionen nicht zu zerstören, so Thierry Lang in seiner sympathischen Ansage. Dass ihm dies in hervorragender Art und Weise gelungen ist, bewies er mit seinem Septett in diesem Präsentationskonzert eindrücklich. Lang hat mit viel Feingefühl die Greyerzer Volkslieder für sein Ensemble arrangiert. Dabei lässt er die beiden Jazzinstrumente Klavier und Flügelhorn in einen ausgeglichenen Dialog mit den vier klassischen Streichern treten. Mitten drin steht der Bass als solider Boden und vorwärtstreibende Kraft, etwa im Lied «Le vieux chalet», das im Rumba-Stil daherkam.
Melodien, die das Herz erwärmen
Die sieben Musiker interagierten ausgesprochen harmonisch. Sie boten ein beeindruckendes Wechselspiel zwischen den Liedmelodien und den von Thierry Lang darüber komponierten Improvisationen. Die als Chorstimmen geführten Celli gaben, wie etwa im Eröffnungsstück «L’immortelle de Jean», eine Melodie vor, die nach und nach von den drei Jazzmusikern aufgenommen und mit Improvisationen darüber zu einem wunderbaren musikalischen Gesamtbild ausgebaut wurden. Die Grundthemen verloren sie jedoch nie aus den Augen. Sie klangen in Thierry Langs samt-seidigem Klavierspiel durch oder sie wurden von Matthieu Michel am Flügelhorn mit seinem wohlig-warmen und weichen Klang angehaucht und weitergeführt. Aus dem grossen und reichen Schaffen der beiden Abbés waren die gespielten Lieder eine bescheiden kleine Auswahl. Bekannte und weniger bekannte brachten die Künstler zu Gehör. Nebst dem «Chalet» durfte das hierzulande wohl ebenso bekannte Lied «Le Ranz des vaches» natürlich nicht fehlen. Die sieben Musiker boten mit den Lyoba-Hirtenliedern ein Klangerlebnis von besonderer Schönheit mit Melodien, die das Herz wohl so manchen Zuhörers, so mancher Zuhörerin, erwärmt haben dürften.
Mit einer Eigenkomposition von Thierry Lang als Zugabe auf den lang anhaltenden Applaus schloss das Septett dieses aussergewöhnliche Konzert. Kilian Gobeli