Klavierduo beim Menuhin Festival in Zweisimmen

Pianomusik der Spitzenklasse

Eine aussergewöhnliche Besetzung mit herausragenden Künstlern – das anspruchsvolle Menuhinpublikum bedankte sich bei Lucille Chung und Alessio Bax mit stehenden Ovationen.

Lucille Chung und Alessio Bax sind internationale Pianoprominenz.

Lucille Chung und Alessio Bax sind internationale Pianoprominenz.

© Charlotte Engstad

Eines der spannendsten und gefragtesten Klavierduos der Gegenwart, Lucille Chung und Alessio Bax, gastierte am Montag, 3. August, in der reformierten Kirche in Zweisimmen. Daniel Hope, Intendant des Menuhin Festivals, präsentierte das Künstlerpaar, das nicht nur beruflich, sondern auch privat liiert ist und diese Woche seinen 22. Hochzeitstag feiern kann. «Sie passen perfekt zu unserem diesjährigen Festivalthema ‹Family Matters’», so Hope.

Absolute Ausnahmetalente

Zwei Flügel standen im Chor der Kirche Zweisimmen bereit, die an diesem Abend mit erwartungsvollem Publikum gefüllt war. Lucille Chung und Alessio Bax nahmen den Raum mit ihrer grossen Bühnenpräsenz unmittelbar in Besitz. Die kanadische Pianistin Lucille Chung ist ein Ausnahmetalent; sie debütierte bereits mit zehn Jahren als Solistin mit dem Montréal Symphony Orchestra. Auch Alessio Bax aus Bari ist ein Überflieger; schon mit vierzehn Jahren schloss er das Konservatorium in seiner Heimatstadt ab.

Aussergewöhnliche Besetzung

Musik für zwei Klaviere ist ungewöhnlich. Das Duo spielte Kompositionen aus dem späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Busoni/ Mozart, Poulenc, Debussy, Ravel und Piazzolla. Vom ersten Augenblick an fesselte der Dialog zwischen den zwei Instrumenten das Publikum.

Ferruccio Busonis Duettino concertante von 1919 ist ein Arrangement des Finales von Mozarts Klavierkonzert Nr. 19: eine virtuose Konzertfassung für zwei Klaviere mit einem neuen und überraschenden Schluss. Elegant und perlend, leicht und unfassbar virtuos glitten die Finger über die schwarzen und weissen Tasten.

Grosse Kontraste

Für Claude Debussys «Prélude à l’après-midi d’un faune», arrangiert für Klavier zu vier Händen von Maurice Ravel, setzten sich Lucille Chung und Alessio Bax an dasselbe Instrument. Schwebend leichte, luftige und farbenreiche Klanguniversen erfüllten den Kirchenraum. Auch «Clair de lune» aus der «Suite bergamasque» lud zum Träumen ein.

Walzer und Tango

Maurice Ravels «La Valse» riss das Publikum zurück in die Wirklichkeit. Das choreografische Gedicht entstand in den Jahren 1919/1920. Auf einem düsteren Klangteppich ertönten Walzerfragmente als Hommage an den Wiener Walzer und Johann Strauss. Die Ballsäle der Belle Époque glänzten noch einmal in aller Pracht, bevor die alte Welt in Chaos und Zerstörung versank.

Zum Abschluss spielte das Duo drei Tangos von Astor Piazzolla, arrangiert für vierhändiges Klavier von Alessio Bax und Lucille Chung. Vier Hände glitten übereinander in atemberaubend virtuosem Spiel, leidenschaftlich und wild, zugleich aber charmant und mit einem leichten Augenzwinkern. Als Encore und quasi als Gute-Nacht-Lied spielte das Paar eine Komposition von Felix Mendelssohn.

Der Applaus wollte kein Ende nehmen, das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen für ein Konzert der absoluten Spitzenklasse.

Klavier zu vier Händen, das Pianoduo spielte mit atemberaubender Virtuosität.

Klavier zu vier Händen, das Pianoduo spielte mit atemberaubender Virtuosität.

© Charlotte Engstad