Siebtklässler führten während drei Tagen das Viersterne-Hotel «Préalpina»
Vierundzwanzig SchülerInnen aus Zweisimmen, St. Stephan und Gsteig-Feutersoey führten zusammen mit einer Schulklasse aus Blonay-St. Légier während drei Tagen das Hotel Préalpina in Chexbres. Das Projekt mit der Bezeichnung «Ados Toqués» war der bisherige Höhepunkt im Rahmen eines sprachlichen Schüleraustauschs zwischen «Deutsch und Welsch». Die 48 jungen Leute begeisterten im voll besetzten Préalpina-Hotel/Restaurant mit kompetenter Arbeit in Küche, Speisesaal, Bar, im Zimmer-Service und an der Réception!
Geschafft: Müde aber zufrieden nach den strengen Weekend-Einsatz: Die Sek-Schüler der 7. Klasse mit dem Lehrerteam Thomas Raaflaub und Sarah Hauswirth.
Das Austauschprojekt «Ados Toqués» (frei übersetzt: Jugendliche Kochmützen, oder keiner zu klein, Hotelier zu sein) dürfte schweizweit erstmalig und demzufolge einzigartig sein. Das Interesse der Behörden, Schulverantwortlichen und der Medien war darum nicht nur in der Westschweiz entsprechend gross. Verschiedene LehrerInnen und Eltern aus Zweisimmen und St. Stephan würdigten den Anlass mit einem (verlängerten) Wochenende am Genfersee. Die Oberstufe von Zweisimmen war durch Schulkommissionsmitglied Esther Liebi und Schulleiterin Marianne Hodel vertreten.
Das einzigartiges Projekt erzeugte Hühnerhaut
Am Mittwoch 25. Januar waren die jugendlichen Hotelmanager an den Genfersee gereist, um sich im noblen Viersterne-Betrieb einzuarbeiten. Von Freitag bis Sonntag galt es dann ernst. Am ersten Tag durften sie noch auf die Unterstützung der Direktion und der Kadermitarbeiter zählen. Am Samstagmittag übernahmen die Kinder den Betrieb mit seinen 55 Zimmern und den 120 Restaurantplätzen zur selbständigen Führung. Hotel-Direktor Olivier Lehrian und seine Gattin konnten bei der offiziellen Übergabe der Schlüssel an die 14-jährige Hotel-Direktorin «auf Zeit» (Joëlle Zingg aus Zweisimmen) die Tränen der Rührung nicht ganz verbergen: «Die Begeisterung der Kinder und das Leuchten ihrer Augen hat uns berührt und Hühnerhaut erzeugt. Es ist die schönste Anerkennung für unsere umfangreiche Vorarbeit». In der Tat hatte das Direktions-Ehepaar des UNIA-Hotelbetriebes den Einsatz zusammen mit dem Kader seit Monaten bis ins kleinste Detail geplant und vorbereitet. Das Projekt war nur dank der Unterstützung verschiedener Sponsoren und einem Kantons-Beitrag (60 Franken pro Kind) möglich geworden. Einen allfälligen Erlös aus dem Ados Toqués-Weekend überlässt das Hotel in grosszügiger Art den beteiligten Schulklassen!
Sprachen lernt man nicht im «Trockenschwimmen»
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich im September zusammen mit ihren welschen Copains bei Schnupperlehren in Saanenländer und Simmentaler Betrieben mit der Hotel-Ambiance vertraut machen können. Zusammen mit ihren KollegInnen aus Blonay-St. Légier arbeiteten sie im Hotel Prealpina wie aus einem Guss. Selbst die Sprachbarrieren boten keine grossen Hindernisse. Projektleiter Thomas Raaflaub, Schulleiter in St. Stephan und Gsteig-Feutersoey und der Vertreter der Gastgeber-Gemeinde waren sich am Behörden- und Medienempfang einig: «Die besten Sprachkenntnisse – in diesem Fall Französisch und Deutsch – lernt man nicht beim «Trockenschwimmen» in der Schulstube, sondern im ungezwungenen Miteinander des Berufs-Alltags». Raaflaub hatte in der Zweisimmer Lehrerin Sarah Hauswirth eine Verbündete gefunden. Sie konnte zwanzig (der insgesamt dreissig!) SchülerInnen ihrer 7. Klasse für das aufwendige Projekt begeistern. Die beiden Lehrpersonen leisteten mit diesem Projekt einen monatelangen, aussergewöhnlichen Sondereinsatz!
Auch ein Berufswahlangebot
Seit mehreren Jahren treffen sich SchülerInnen und Schüler der Schule Gsteig-Feutersoey mit ihren welschen Copains von Blonay-St. Légier im Rahmen von sprachlichen Austauschprogrammen. Als Verantwortlicher dieser Projekte im Kanton Bern hatte Schulleiter Thomas Raaflaub erste Kontakte geknüpft. Das Beispiel «Ados Toqués» war aber mehr als ein Sprachaustausch. Der Einsatz im Lavaux-Hotel vereinigte Simmentaler und Saanenländer und darf auch aus der Sicht der Berufswahl als überaus gutes Beispiel angesehen werden. «Wetten dass», einzelne der Kinder nicht zum letzten Mal in einem Hotelbetrieb anzutreffen sein dürften.