Pilotprojekt der PHBern gegen LehrerInnenmangel
Valérie Perreten: Studium und Sekundarschul-Stellvertretung
Seit etlichen Jahren hört man es aus allen Ecken des ganzen Landes: Es gibt zu wenige Lehrerinnen und Lehrer! Auf die vielfältigen Ursachen dafür kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Tatsache ist, dass der Mangel an Lehrkräften die Schulbehörden und Schulleitungen oft vor grosse Probleme stellt: Es gelingt oft kaum, offene Stellen zu besetzen. An der Sekundarschule Zweisimmen unterrichtet zurzeit im Rahmen eines Pilotprojektes eine Absolventin der pädagogischen Hochschule Bern.
Valérie Perreten erläutert der Klasse die neuen Mathematikaufgaben
So bleibt gelegentlich nichts anderes übrig, als pensionierte Lehrkräfte wieder einzusetzen oder auch solche, die eigentlich nicht in allen Punkten über die notwendigen Voraussetzungen verfügen. Und erst recht, wenn es darum geht, eine kurzfristig wegen Krankheit ausgefallene Lehrkraft zu ersetzen, ist guter Rat oft teuer.
StellvertreterInnen sind nicht immer einfach zu finden
Randgebiete haben es da besonders schwer. Das hat auch Marianne Hodel, Schulleiterin am Oberstufenzentrum in Zweisimmen, erfahren: Trotz aller Bemühungen gelang es ihr nur teilweise, für die Stelle eines im vergangenen Winter erkrankten Lehrers an der Sekundarschule eine Ersatzlösung zu finden. Es blieben acht Lektionen Mathematik und Naturkunde übrig.
Da kam der Hinweis einer Bekannten, sie solle sich doch bei der pädagogischen Hochschule Bern («PHBern») melden, wie gerufen. Die PHBern bietet im Rahmen eines Pilotprojekts die Möglichkeit, dass Studierende des Instituts Sekundarstufe I im letzten Teil ihrer Ausbildung Stellen übernehmen, die anderweitig nicht besetzt werden können.
Ersatz dank einem Pilotprojekt der PHBern
Nach einem Anruf bei Peter Schär, dem Bereichsleiter Berufspraktische Studien an der PHBern, wies dieser in seiner nächsten Vorlesung auf die Stelle in Zweisimmen hin, und schon am Ende der Lektion meldete Valérie Perreten aus Gstaad ihr Interesse an der Stelle an. Alle Beteiligten trafen sich, und man war sich schnell «handelseinig». Vorerst war nun Marianne Hodel wieder am Zug: Es galt nämlich, den Stundenplan der siebenten Sekundarklasse so umzugestalten, dass Valérie ihr Pensum auf zwei Tage konzentrieren konnte. Nachdem auch diese Knacknuss gelöst war, konnte Valérie ihre Arbeit am 5. März in Zweisimmen aufnehmen.
Valérie Perreten: Der Einsatz ist eine Chance
Valérie Perreten entschied sich nach der Matur im Jahr 2008 recht spontan für das Studium an der PHBern. Sie hat den «Bauchentscheid» seither nie bereut. Das Studium gefällt ihr immer besser, vor allem, seitdem es neben der Theorie auch immer wieder Praktika gibt. Ganz in diesem Sinne meint Valérie: «Der Einsatz in Zweisimmen ist eine grosse Chance, und ich kann allen PH-Studierenden nur empfehlen, es mir gleichzutun, wenn sich ihnen eine ähnliche Möglichkeit bietet».
Unterstützung von allen Seiten
Ganz selbstverständlich ist das nicht, denn das Studium an der PH geht trotz Unterricht in Zweisimmen weiter. Peter Schär hat für Valérie einen individuellen Studienplan organisiert, so dass sich im Studium keine Lücken ergeben.
Damit sich die daraus ergebende Doppelbelastung nicht zu einer Überforderung führt, kann Valérie auf die Unterstützung durch die Dozierenden des Instituts Sekundarstufe I in Bern und die Schulleitung in Zweisimmen ebenso zählen wie auf die Hilfe der Klassenlehrerin, Sarah Hauswirth (auch sie eine Absolventin der PHBern). «Ich fühle mich hier bestens aufgehoben, nur der Umstand, dass ich mich selber in kurzer Zeit neu organisieren musste, machte mir am Anfang etwas zu schaffen», schildert Valérie ihre Eindrücke. Man merkt es der angehenden Sekundarlehrerin an: Sie weiss, was sie will und fühlt sich in ihrer Rolle sichtlich wohl.
Steigendes Interesse am Lehrerberuf
Übrigens melden alle PH der Schweiz für die nächsten Studiengänge ab Herbst steigende Anmeldezahlen. Bis sich das auf dem Stellenmarkt auswirken wird, dauert es allerdings noch Jahre! Anton Ryf