Vermeintlicher Holzerkeil entpuppt sich als spätbronzezeitliches Lappenbeil
Überraschender Fund in der Nähe des Mannenberges.
Im Frühjahr dieses Jahres wurde nördlich des Mannenberges bei Zweisimmen eine überraschende Entdeckung gemacht, nämlich die eines spätbronzezeitlichen Lappenbeiles. Nach einer längeren Odyssee, ob der wirklichen Identität des Objektes, erregte dieses aufgrund der unkonventionellen Form, Farbe und dem Gewicht, welches deutlich das eines Eisenobjektes dieser Grösse übersteigt, doch noch die Aufmerksamkeit der Besitzer des Anwesens. Zuletzt zusammen mit Holzerkeilen in einem Kübel, zog der Landwirt dieses mittlerweile als Bronzeobjekt erkannte Keil- oder Beilähnliche Metallstück hervor und gab es einer Kollegin zur Klärung der Typologie. Kurz im Internet recherchiert und dank der relativ vollständigen Typologie, die im Internet zu finden war, war schnell klar, worum es sich am Ende handeln musste. Eindeutig geklärt wurde diese durch den kantonalen Archäologischen Dienst in Bern, welcher die Annahme bestätigte und hinzufügte, dass dieser Fund im Simmental seinesgleichen suche. Besonders an dem Fund ist der Fundort, denn diese Objekte werden zwar häufig im Flachland, aber nicht in solch abgelegenen Gebieten gefunden. An der Lenk war vor einigen Jahren ein älteres Modell dieser Art, aus der frühen Bronzezeit, entdeckt worden. Aus der Zeit um 1000 vor Christus, also der späten Bronzezeit, gibt es bisher keinerlei Funde im Obersimmental zu verbuchen. Überraschend für einen Laien ist der gute Erhaltungszustand des Beiles, wenn man bedenkt, dass dieses über 3000 Jahre alt sein muss und davon die längste Zeit im Boden unter Gemäuer lagerte, ist das für ein ungeübtes Auge kaum vorstellbar. Dies ist laut der Auskunft des archäologischen Dienstes dadurch begründbar, dass die Bronze, eine Metalllegierung aus 90 Prozent Kupfer und 10 Prozent Zinn praktisch nicht korrodiert und im Boden eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer hat. Betrachtet man sich den Fundort direkt unterhalb dem Mannenberg, so ist man versucht zu glauben, dass dieses Gebiet, so flach es ist, ursprünglich ein Gewässer gewesen sein könnte. Grosse exponierte Felsbrocken am Rand boten den damaligen Stämmen als Kultplätze die Möglichkeit, ihre religiösen Riten zu zelebrieren. Man konnte von diesen Brocken etwas in das Wasser werfen. Sollte es sich tatsächlich um einen Kultplatz handeln, müssten sich an dieser, derzeit versiegelten Stelle evtl. noch weitere Objekte befinden. Möglicherweise war der Fundort aber immer schon Lagerstätte für vorbeiziehende Gruppen. Man benutzte zuerst den Fels als Unterschlupf, bis schliesslich ein Unterstand aus Holz und später einer aus Stein auf dieser Stelle errichtet wurde. Das Beil blieb z.B. irgendwann einfach an der Feuerstelle liegen. Möglicherweise ging es aber auch während eines Kampfes verloren, oder während einer Jagd.
Nach dem Bericht der Finder über die Fundumstände des Lappenbeiles wurde der Fundort durch den kantonalen archäologischen Dienst Bern inspiziert und das Beil zur weiteren Untersuchung nach Bern gebracht. Es ist im Rahmen der Auswertung der Funde von Lenk und Schnidejoch geplant, die archäologischen Funde von Simmen- und Kandertal neu aufzunehmen (vorgesehen für 2011). Das neu entdeckte Lappenbeil wird darin ebenfalls publiziert werden. Ein Kurz-Beitrag dazu ist auch im Jahrbuch 2010 des Archäologischen Dienstes vorgesehen (erscheint Mitte 2011). Barbara Kurzeder