Öffentlicher Orientierungsabend für Eltern und Gemeindebürger der Volksschule Zweisimmen
Was bringt die Basisstufe unseren Kindern?
Am vorletzten Dienstagabend orientierte die Schulleitung zusammen mit der Schulkommission über die Schulentwicklung in Zweisimmen. Gemeinderat Jean-Pierre Beuret zeigte zu Beginn kurz auf, was in der Vergangenheit verändert wurde. Anschliessend erläuterte Schulleiterin Marianne Hodel im zweiten Teil die Vorteile der Basisstufe. Anhand eines Filmes wurde beispielhaft der Alltag von Projektklassen der Basisstufen in den Kantonen Thurgau, Luzern und Bern vorgeführt. Zusammen mit der Schulleiterin Christine Oberli vom Rüttischulhaus in Gstaad und der Schulinspektorin Susanne Müller warben sie für diese Schulform.
Basisstufe oder Kindergarten?
Für die Volksschule Zweisimmen kommen zwei Kindergartenvarianten in Frage: Bei der einen bleibt alles so wie bisher, bei der anderen würde die Basisstufe eingeführt. Mit einem 37-minütigen Film zeigte Schulleiterin Marianne Hodel wie die ideale Basisstufe funktioniert. Dabei wollte sie nicht Werbung für die Basisstufe machen, sondern einfach aufzeigen, wie die Umsetzung erfolgen kann. Der Film zeigte, die Vorteile der Basisstufe gegenüber einem herkömmlichen Kindergarten. Bei dem Modell «Basisstufe» werden Kindergarten, 1. und 2. Jahrgang der Schule zusammengelegt, so dass vier Jahrgänge zusammen unterrichtet werden. Der Propagandafilm für die Basisstufe zeigte leider nur die Vorteile dieser Unterrichtsform auf. Die Nachteile wurden vor den Interessierten verborgen gehalten. Auch die Organisatoren des Abends waren alle Befürworter dieser Schulform, so dass sich die Besucher selber ein Bild machen müssen.
Auswirkungen in Zweisimmen
Nach Abschluss des Filmes kamen bei den Zuhörern etliche Fragen auf. Unter anderem, wie die Lehrer in Zweisimmen zu dieser Schulform stehen. Schulleiterin Marianne Hodel antwortete: «Wir haben das nicht direkt besprochen. Wir spüren einen gewissen Widerstand. Es ist aber an den Eltern zu entscheiden, ob diese Schulform richtig ist.» Christiane Oberli berichtete von ihren Erfahrungen: «Es sind die Lehrpersonen, die die Basisstufe prägen. Daher kann der Unterricht ganz unterschiedlich ausfallen. Weil aber nur etwa fünf Kinder in einem Niveau sind, kommt man beim Unterricht etwas schneller vorwärts, so dass mehr Zeit zum Spielen ist.»
Der Kindergarten Zweisimmen bietet den Kleinsten heute sehr viel Abwechslung. Neben dem Lernen und Spielen im Raum werden von den Kindergärtnerinnen regelmässig Ausflüge in den Wald unternommen. Der Marktverkauf braucht viel Vorbereitung und die Kinder freuen sich schon lange vorher auf diesen Tag. Aber auch eine Räuberprüfung im Wald, Besuche auf dem Bauernhof, junge Küken im Kindergarten oder das regelmässige Skifahren im Winter sind heute schon im Kindergarten möglich.
Diese grosse Abwechslung, welche heute in Zweisimmen Alltag ist, wurde in den Beispielen des Basisstufenfilms nicht gezeigt. Die Kinder waren nur in ihren Schulzimmern zu sehen. Es wurde vor allem auf die sanfte Vorbereitung auf die Schule hingewiesen und wie die Kinder «spielend Lernen» – kommt der Kindergarten daher zu kurz? Für die Kinder der 1. und 2. Klasse (neu: 3. und 4. Klasse) ist die neue Schulform sicher bereichernd.
Auf die Frage, warum denn bei der finanziell angespannten Situation in der Schule eine so teure Schulform möglich sei, antwortete Susanne Müller: «Die Basisstufe war sehr umstritten. Sie wurde gerade noch zur ‹richtigen Zeit› besprochen und beschlossen. Die Einwände waren, es sei zu teuer; das Gegenargument war, ‹wenn wir schon investieren, dann investieren wir in die Kleinsten, denn was unten gelegt würde, davon könne oben profitiert werden›. Der Kanton Bern hat ein Kontingent eingeführt, so dass nur eine gewisse Zahl von Klassen pro Jahr umgestellt werden können.» Auf die konkrete Kostenfolge für die Gemeinde Zweisimmen konnten am Abend keine genauen Angaben gemacht werden. Laut Jean-Pierre Beuret wäre der Umbau der Räumlichkeiten von der Gemeinde selber zu tragen, die weiteren zusätzlichen Unterrichtskosten noch zu 30% bis 50%.
Nun ist es an der Politik und der Bevölkerung zu entscheiden, wie der Weg der Schule Zweisimmen und somit die Form des Unterrichts zukünftig aussehen wird. Die Diskussion ist eröffnet.